Die Förderung regionaler Versorgungsnetzwerke mit fließenden Übergängen zwischen vollstationärer, teilstationärer, stationsäquivalenter und ambulanter Behandlung – das fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Reform der Psych-Versorgung in einem Positionspapier. Anlass war eine Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags am Mittwoch. Psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser seien Koordinationsplattformen der regionalen Versorgung und elementarer Bestandteil der Daseinsvorsorge, heißt es in dem Papier.
Sechs Kernpunkte hat die DKG darin formuliert: Etablierung sektorenübergreifender Versorgungsnetzwerke, Weiterentwicklung des Vergütungssystems, patientenorientierte Weiterentwicklung der Personalanforderungen, Abbau von Dokumentationsbürokratie, Aufbau digitaler Infrastruktur und Ausbau und Sicherstellung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
„Die Psychiatrien leiden ebenso wie die anderen Bereiche der stationären Versorgung unter mangelhafter Finanzierung, Personalmangel, Überbürokratisierung, fehlender Digitalisierung und vielem mehr. 2024 muss endlich das Jahr der Krankenhausreform werden. Der Bundesgesundheitsminister muss Klartext reden, was die Krankenhäuser erwartet und mit seinen Amtskolleginnen und
-kollegen in den Ländern kooperieren. Wir erwarten, dass die Psychiatrie und Psychosomatik dabei angemessen berücksichtigt wird“, erklärt DKG-Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß.
Sechs Kernforderungen
1. Etablierung starker sektorenübergreifender regionaler Versorgungsnetzwerke
- Entwicklung von flexiblen Versorgungsmöglichkeiten
- Abbau von Barrieren für die teilstationäre, stationsäquivalente und ambulante Behandlung
- Etablierung von sektorenübergreifenden Versorgungsstrukturen
2. Weiterentwicklung des Vergütungssystems
- Überführung von Modellvorhaben nach § 64 b SGB V als Optionsmodell in die Regelversorgung
- Weiterentwicklung bestehender Regelfinanzierung zur Erreichung eines konsistenten Vergütungssystems
- Abbau unnötiger bürokratischer Aufwände
3. Weiterentwicklung der Personalanforderungen des G-BA
- grundsätzliche Überarbeitung der Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie (PPP-RL) orientiert an Patientenbedarfen und mit höherer Flexibilität beim Personaleinsatz
- Differenzierung zwischen Personalbemessung und Mindestvorgaben
- Auflösung starrer Berufsgruppen- und Regelaufgabenzuordnungen und limitierter Anrechnungsmöglichkeiten
- Etablierung stufenweiser und verhältnismäßiger Sanktionen
- vollständige Finanzierung der erforderlichen Personalausstattung
4. Abbau nicht notwendiger Dokumentations- und Nachweispflichten
- Reduzierung bürokratischer Belastungen resultierend aus der PPP-RL, dem PEPP-System, des Psych-Personalnachweises und des Psych-Krankenhausvergleiches, den Struktur- und Abrechnungsprüfungen sowie den Qualitätskontrollen des Medizinischen Dienstes
- Anpassung von Dokumentationspflichten mit Reduktion auf das notwendige Mindestmaß
5. Nutzen der Digitalisierung
- Schaffung einer belastbaren und sicheren digitalen Infrastruktur
- Ausbau von E-Health und Telemedizin für eine verbesserte Versorgung befördern
6. Besondere Berücksichtigung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen
- Verhinderung eines Abbaus stationärer Versorgungsstrukturen
- Sicherstellung der kinder- und jugendpsychiatrischen Akutversorgung
- Unterstützung bei der Etablierung neuer Versorgungsmodelle, der Bekämpfung des Fachkräftemangels, dem Ausbau der Ausbildungs- und Studienkapazitäten sowie der Förderung der Psychiatrischen Institutsambulanzen und digitaler Angebote in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Dass der Psych-Sektor keine Radikalreform braucht, sondern die bereits vorhanden Instrumente flächendeckend genutzt werden sollten, um der Ambulantisierung sowie sektoren- und settingübergreifenden Versorgung Schwung zu verleihen, das schreibt DKG-Chef Gerald Gaß in einem Fachbeitrag zur Psych-Reform.
In der Session "Psych-Forum Versorgung" auf dem DRG | Forum 2024 am 22. März um 10:30 Uhr sprechen unsere Referenten Tom Bschor, Kirsten Kappert-Gonther, Mechtild Schmedders, Michael Löhr und Peter Brieger unter der Moderation von Göran Lehmann über neue Spielräume für Kliniken.

