Serie Businessporträts: Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank

Vielseitige Arbeit als Privileg

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Vielseitige Arbeit als Privileg
Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank © DGPPPN/Claudia Burger

Bunt, abwechslungsreich, interessengetrieben. So sieht für Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank der ideale, sinnstiftende Berufsalltag aus. Planen junge Mediziner ihre Karriere, den Rat gab sie unlängst in einem Interview, sollten sie sich Bereiche suchen, die ihnen liegen und die sie interessieren.  

Dass Gouzoulis-Mayfrank, ärztliche Direktorin der LVR-Klinik Köln (Landschaftsverband Rheinland) und seit Januar Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), einst ihren eigenen Rat befolgte und heute so vielseitig arbeiten könne, bezeichnet sie als Privileg. 

Nach ihrem Medizinstudium im Freiburg wählte sie als wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunkt die Behandlung von Menschen mit komplexen psychischen Störungen, absolvierte außerdem die Zusatzweiterbildung „Suchtmedizinische Grundversorgung“. Besonders die Komorbidität Psychose sowie Sucht beschäftigt sie und treibt ihre Arbeit an. Sie forscht über Designerdrogen und untersucht die These, dass bei Patienten mit einer Suchterkrankung wesentlich häufiger komorbide psychische Erkrankungen vorliegen als in der Allgemeinbevölkerung.

Breites Arbeitsspektrum: Klinik, Versorgungsforschung, Politik

Ihr Tätigkeitsfeld kreiert sich die Neurologin und Psychiaterin, die auch den Master of Health Business Administration hält, über die Jahre auffallend breit: Neben ihrer strategischen Arbeit als Ärztliche Direktorin, an der sie den „Gestaltungsspielraum“ schätzt, wie sie jüngst im Podcast „Redseelig“ verriet, entwickelt und evaluiert sie als Direktorin des LVR-Instituts für Versorgungsforschung moderne Versorgungsmodelle und kümmert sich um die Qualitätssicherung sowie Versorgungsforschung in der Psychiatrie und Psychotherapie. 

In der DGPPN, deren Vorstand sie seit 2019 angehört, lebt sie hingegen ihr berufspolitisches Engagement aus: Als der Bundestag das Gesetz zur Cannabis-Legalisierung verabschiedet, führt sie ihre Spezialexpertise ins Feld, kritisiert – bereits in ihrer Funktion als designierte Präsidentin der Fachgesellschaft – die zu niedrige Altersgrenze und die erlaubten Mengen. „Mit 18 Jahren ist die Hirnentwicklung noch nicht abgeschlossen“, argumentiert sie. 50 Gramm Cannabis monatlich pro Person habe zudem mit Freizeitkonsum nichts mehr zu tun. Ein solcher Verbrauch sei problematisch, da er „mit Abhängigkeiten und vielen weiteren psychischen Störungen“ einhergehe, erklärt die Psychiaterin, die in ihren Fachbereichen Suchtmedizin und Schizophrenie schon neun Mal zu den Top-Medizinern gewählt worden ist.

Flexibilisierung, Versorgungsverpflichtung, Globalbudgets, Zugänglichkeit

Wofür sie sich einsetzen wird, wenn sie 2025 die Fachgesellschaft anführt, machte sie bereits auf dem DGPPN-Kongress 2024 klar: für eine Flexibilisierung der Behandlung, für eine populationsbezogene Versorgungsplanung mit Versorgungsverpflichtung, für Globalbudgets und für eine bessere Zugänglichkeit des Systems für Betroffene. Auch stellt sie fest, dass es Reformen nicht nur in den Kliniken, sondern auch im vertragsärztlichen Bereich braucht. 

In ihre Zeit als DGPPN-Präsidentin wird auch die Weiterführung der Kampagne fallen, die die Fachgesellschaft unlängst gestartet hat: Unter dem Slogan „Die Psychiater“ will die Organisation unter anderem die Kompetenzen von Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie herausstellen, aber auch, so Gouzoulis-Mayfrank, „ein Forum für den gesellschaftlichen Diskurs schaffen“. Wenn die psychiatrische Versorgung nachhaltig sein wolle, müsse sie sich weiterentwickeln. „Dafür möchten wir das Bewusstsein schärfen. Psychische Gesundheit muss politische Priorität bekommen.“ 

Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, die Erholung bei Spaziergängen in der Natur findet, wird viel zu tun haben in den nächsten Monaten. Aber immerhin, wie sie im Podcast lachend sagt: „Langweilig wird es mir nicht."

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