In Hamburg setzen zwei Krankenhäuser bei der Behandlung von Suchterkrankungen auf Virtual-Reality-Brillen (VR).
Damit können Patienten in einer computergenerierten Umgebung lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen, die in ihrem Alltag als sogenannte Trigger auftreten können. Das Asklepios Westklinikum setzt die VR-Brille zunächst in der Therapie von Alkoholabhängigkeit ein, in der Asklepios Klinik Nord ist der Einsatz auch bei anderen Substanzabhängigkeiten wie Kokain und Cannabis geplant. In beiden Kliniken werden jährlich mehr als 2.500 Patienten im Alkoholentzug begleitet. Suchtpatienten haben oft kaum "funktionelle Ressourcen", auf die während der Therapie zurückgegriffen werden kann, erklärt Alissa Diercksen, Psychologin auf der Suchtstation des Asklepios Westklinikums. Auch das soziale Umfeld und die damit verbundene ständige Konfrontation mit der Thematik sowie die Stigmatisierung von Abhängigkeitserkrankungen stellten ein Hindernis dar.
"Die virtuelle, aber realitätsnahe Umgebung fördert die Imaginationskraft der Patient:innen, die in herkömmlichen Rollenspielen oftmals nicht ausreichend ausgeprägt ist", sagt Diercksen, Psychologin auf der Suchtstation des Asklepios Westklinikums. Die virtuelle Umgebung schaffe einen geschützten Raum, in dem sich die Betroffenen an virtuellen Orten mit den Schlüsselreizen ihrer Erkrankung auseinandersetzen können, ohne sich der realen Gefahr eines Rückfalls aussetzen zu müssen. "Das fördert eine schnellere und nachhaltigere Integration der Therapieinhalte in den Alltag, wie wir bereits beim ersten Patienten feststellen konnten“, so Diercksen. Mit der Technologie lassen sich verschiedene Situationen virtuell nachstellen. So kann ein Alkoholabhängiger zum Beispiel lernen, im Supermarkt am Spirituosenregal vorbeizugehen. Ein anderes Beispiel ist eine Portion Kokain in der virtuellen Toilette eines Clubs.
Im Asklepios Westklinikum werden die VR-Brillen bereits erfolgreich bei Patienten eingesetzt, in der Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll fanden erste Piloteinsätze statt.
