Qumik-Klinikverbund

„Gut gemeint, aber schlecht gemacht“

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„Gut gemeint, aber schlecht gemacht“
Matthias Ziegler, Geschäftsführer Klinikum Esslingen © Qumik

Wegen des Reformstaus sehen sich immer mehr Kliniken in ihrer Existenz bedroht. Daher fordert der baden-württembergische Qumik-Klinikverbund (Qualität und Management im Krankenhaus) von der Politik, dringend die Themen Investitionsfinanzierung, Pflegebudget und Fachkräftemangel anzugehen.

Investitionslücke schließen

Die wirtschaftliche Entwicklung bewirke einen nicht strukturierten Abbau von Klinikkapazitäten und treffe insbesondere leistungsstarke Krankenhäuser, betont Jörg Martin, Geschäftsführer der RKH Gesundheit, in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Markus Heming, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, fügt hinzu: „Die Kliniken in Baden-Württemberg benötigen dringend eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausstrukturplanung sowie eine auskömmliche Krankenhausförderung.“ Auch wenn das Land Baden-Württemberg mehr Mittel bereitstelle als andere Länder, erfülle es dennoch nicht die gesetzliche Verpflichtung, die Investitionskosten der Krankenhäuser in vollem Umfang zu finanzieren. Laut Baden-Württembergischer Krankenhausgesellschaft müsse die Summe der Investitionsmittel dauerhaft auf insgesamt 750 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden, um den laufenden Investitionsbedarf zu decken. 

Gemessen an den gesamten Krankenhauskosten liege der Anteil, den das Land für die Investitionen leistet, im Jahr 2019 bei 3,9 Prozent - Tendenz rückläufig. Bereits 2006 habe eine Expertenkommission errechnet, dass die Investitionsquote bei mindestens 10 Prozent liegen müsste. Heming fordert deshalb, dass Bund und Länder gemeinsam an einem Strang ziehen sollten, um die immer größer werdende Investitionslücke zu schließen und die Krankenversorgung zukunftssicher zu gestalten. Der Bund-Länder-Pakt der neuen Bundesregierung solle die nötigen Reformen für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung erarbeiten. Die Expertenkommission von Bundesgesundheitsminister Lauterbach solle hierfür eine Krankenhausplanung konzipieren, um die im Koalitionsvertrag vereinbarten Empfehlungen für eine Weiterentwicklung der Krankenhausfinanzierung vorzulegen. Übergeordnetes Ziel sei es, eine nachhaltige Krankenhausplanung auszuarbeiten. Die Empfehlungen der Kommission sollen als Grundlage für Krankenhausreformen ab dem Jahr 2023 gelten.

Zu viel Interpretationsraum 

Das Pflegebudget sei mit der Zielsetzung eingeführt worden, den Krankenhäusern den Kostenanteil der Pflege zu finanzieren, schildert Matthias Ziegler, Geschäftsführer Klinikum Esslingen, in der Qumik-Konferenz. Die Budgetierung umfasse laut Gesetzgeber die "Pflege am Bett" – ohne Konkretisierung der Berufsgruppen und Tätigkeiten. Die unscharfe Definition lasse große Interpretationsspielräume zu und befeuere Auseinandersetzungen zwischen den Krankenkassen und Krankenhäusern, welche die Budgets untereinander zu verhandeln haben. 

Im Ergebnis hätten laut Qumik sehr viele Krankenhäuser in Baden-Württemberg für 2020 noch keine Budgetvereinbarungen mit den Krankenkassen abschließen können - für das Jahr 2021 wurde mit den Budgetverhandlungen noch nicht einmal begonnen, heißt es weiter. Die Auswirkungen für die Krankenhäuser sind dramatisch: Ohne eine Vereinbarung zum Pflegebudget seien rund 20 Prozent der Krankenhauskosten nicht gedeckt. Die Kliniken erhalten zwar zwischenzeitlich Abschlagszahlungen, die aber bei Weitem nicht kostendeckend sind. Das belaste die Liquidität der Kliniken. Eine seriöse Wirtschaftsplanung sei damit ausgeschlossen, weil kein Klinikum die Höhe der Ausgleiche kennen könnte, die ihnen von den Krankenkassen nach den Budgetverhandlungen 2020, 2021 und 2022 noch zugestanden werden. 

„Gut gemeint, aber schlecht gemacht“, sagt Ziegler. „Die Krankenhäuser sind mittlerweile seit mehr als zwei Jahren die Leidtragenden eines Gesetzes, welches große Unzulänglichkeiten aufweist. Vor dem Pflexit haben die Gesetze zur Krankenhausfinanzierung eine belastbare Unternehmensplanung zugelassen. Heute weiß man erst nach mehr als zwei Jahren, wieviel ein Klinikum für seine geleisteten Behandlungen vergütet bekommt. Die unzureichende Definition muss praxisgerecht nachgebessert werden. Dabei sind auch Personen zu berücksichtigen, die zwar am Bett arbeiten, aber nicht ausschließlich.“ 

Weniger Bürokratie 

Hinzu käme der Fachkräftemangel, der anhand eines Betreuungsschlüssels nicht behoben werde, so Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar Klinikums Villingen-Schwenningen. „Die Kliniken benötigen Rahmenbedingungen, die es erlauben, attraktiver Arbeitgeber zu sein. Und die Mitarbeiter brauchen Rahmenbedingungen, die es ihnen erlauben, ihre Qualifikationen und ihr Können zu Geltung zu bringen.“ Deshalb fordert Geiser einen Bürokratieabbau, da in den Häusern viele Pflegefachkräfte dafür eingesetzt werden, die am Patientenbett und im OP fehlen. „Es muss den Krankenhäusern möglich sein, vorhandene Ressourcen sinnvoll einzusetzen und mit einem Qualifikationsmix zu arbeiten“, erklärt der Geschäftsführer. „Dazu zählt auch die entsprechende Finanzierung unterstützender Leistungen und Berufe.“ 

Der Qumik-Verbund 

Der Qumik-Klinikverbund umfasst 15 kommunale Krankenhausträger in Baden-Württemberg mit 43 Kliniken sowie Gesundheitseinrichtungen und 13.500 Betten, die rund 43.000 Mitarbeitende beschäftigen. Jährlich werden in den Verbundkliniken rund 500.000 Patienten stationär behandelt. Ziel des Verbunds ist eine Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit in den Mitgliedskrankenhäusern. 22 Arbeits- und Fachgruppen bearbeiten medizinische, betriebswirtschaftliche und technische Themen. 

Autor

 Anika Pfeiffer

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