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Umfrage alarmiert: Hitze gefährdet Patientensicherheit in Kliniken

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Umfrage alarmiert: Hitze gefährdet Patientensicherheit in Kliniken
Ein häufig beschriebenes Problem war laut Umfrage der sogenannte „Drehtür-Effekt“: Patienten wurden auf klimatisierten Intensivstationen stabilisiert, mussten nach der Verlegung auf überhitzte Normalstationen jedoch erneut intensivmedizinisch behandelt werden. © GettyImages.com/Taechit Taechamanodom

Die Hitzewelle Ende Juni hat zahlreiche Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz stark belastet. Laut einer Umfrage des Marburger Bundes sahen viele Ärztinnen und Ärzte die Patientensicherheit durch hohe Temperaturen, fehlende Kühlung und organisatorische Defizite gefährdet.

Grundlage ist eine Befragung von mehr als 1.000 Klinikärztinnen und Klinikärzten, die der Ärzteverband am Dienstag veröffentlicht hat.

Demnach bewerteten 70,9 Prozent der Befragten die Patientensicherheit während der Hitzewelle als „mangelhaft“ oder „unzureichend“. 58 Prozent berichteten von einer zeitweisen konkreten Gefährdung der Patientensicherheit. Mehr als die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte gab an, die Versorgung sei zumindest teilweise nur durch Improvisation oder glückliche Umstände gelungen.

Als Hauptursache nennt die Umfrage hohe Temperaturen in den Kliniken. Fast zwei Drittel der Befragten arbeiteten bei mehr als 30 Grad Celsius, 17,5 Prozent sogar bei über 35 Grad. Gleichzeitig konnten nach Angaben von 83,3 Prozent der Teilnehmer Patientenzimmer auf Normalstationen nicht wirksam gekühlt werden.

Berichte über Übersterblichkeit und Versorgungsengpässe

In den Freitextantworten schilderten Ärztinnen und Ärzte nach Angaben des Marburger Bundes Todesfälle und schwere Zwischenfälle im Zusammenhang mit der Hitze. In 66 von 546 ausgewerteten Freitextantworten fanden sich Hinweise auf Todesfälle oder eine erhöhte Sterblichkeit. Der Verband weist darauf hin, dass diese Angaben auf Beobachtungen der Befragten beruhen und keine amtliche Todesursachenstatistik darstellen.

Ein häufig beschriebenes Problem war laut Umfrage der sogenannte „Drehtür-Effekt“: Patienten wurden auf klimatisierten Intensivstationen stabilisiert, mussten nach der Verlegung auf überhitzte Normalstationen jedoch erneut intensivmedizinisch behandelt werden. Intensivbetten seien teilweise allein zur Kühlung von Patienten genutzt worden.

Zudem berichteten Befragte von überlasteten Notaufnahmen, fehlenden Kühlmitteln, Problemen bei der Lagerung von Medikamenten sowie dem Ausfall von Medizintechnik und IT-Systemen infolge hoher Temperaturen.

Auch Klinikpersonal stark betroffen

Die Hitzebelastung traf nach den Ergebnissen der Befragung auch das medizinische Personal. 61,1 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihre Gesundheit sei während der Hitzewelle gefährdet oder beeinträchtigt gewesen. 52,1 Prozent erklärten, sie hätten gesundheitliche Warnsignale bewusst ignoriert und weitergearbeitet.

„Dass Ärztinnen und Ärzte ihre eigenen Warnsignale ignorieren, weil sie ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen, darf nicht zum Normalzustand werden“, sagte Hans-Albert Gehle, Vorsitzender des Marburger Bundes NRW/RLP. „Wer von Beschäftigten verlangt, unter extremen Bedingungen weiterzuarbeiten, muss auch für wirksamen Schutz und ausreichende personelle Reserven sorgen.“

Forderung nach verbindlichen Hitzeschutzstandards

84,2 Prozent der Befragten halten ihre Klinik organisatorisch für nicht ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet. Mehr als 93 Prozent fordern eine bauliche und technische Kühlung sensibler Bereiche wie Intensivstationen, Notaufnahmen und Patientenzimmer.

Hitzeschutz muss endlich ein Bestandteil der Krankenhausplanung und der Investitionsfinanzierung werden“, sagte Gehle. „Wir brauchen verbindliche Standards statt freiwilliger Empfehlungen.“

An der Online-Befragung nahmen nach Angaben des Marburger Bundes Ärztinnen und Ärzte aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz teil. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 9. und 29. Juli 2026. Die Befragung ist nach Angaben des Verbands keine repräsentative Zufallsstichprobe.

cs

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