Kühlakkus statt Klimaanlage: In vielen Kliniken leiden Patienten unter Hitze. Die Vorsitzende des Marburger Bundes sieht großen Nachholbedarf.
Klimaanlagen in den Zimmern von Patienten sind dem Marburger Bund zufolge in deutschen Krankenhäusern noch längst keine Selbstverständlichkeit. "Die meisten Intensivstationen in Deutschland sind mittlerweile klimatisiert, aber dann hört es auch schon fast auf. Nur ein Drittel der Häuser haben klimatisierte Patientenzimmer", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, im ZDF-Morgenmagazin. Klare Vorgaben gebe es nur für Operationsbereiche oder die Radiologie, weil die Geräte schlicht die Hitze nicht aushielten.
Abhilfe wird Johna zufolge teils mit provisorischen Lösungen geschaffen: "Wir bitten oft auch Angehörige, zum Beispiel Kühlakkus von zu Hause mitzubringen, die kurzzeitig Erleichterung verschaffen."
Design vor Vernunft? Das birgt Gefahren
Johna fordert Politik, Architekten, und auch Klinikketten dazu auf, mit dem Klimawandel zunehmende Hitzewellen stärker bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen. "Wir bräuchten natürlich im Wesentlichen Raumlufttechnik und dort, wo Patientinnen und Patienten sind, doch mal mindestens eine Außenbeschattung der Fenster", sagte die Ärztin weiter. "Da erleben wir selbst bei Neubauten, dass scheinbar da manchmal mehr die Repräsentativität zählt als die Vernunft."
Für Patienten sei die Hitze im Krankenhaus sehr belastend und auch eine Gefahr. So heilten etwa Wunden schlechter bei hohen Temperaturen. "Man muss eben realistisch sagen, in solchen Hitzewellen sterben Menschen häufiger. Das ist statistisch eindeutig so, und zwar auch im Krankenhaus", sagte Johna.
dpa
