Forum für Gesundheitswirtschaft

Nach der Reform ist vor den Reformen

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Nach der Reform ist vor den Reformen
© Regina Sablotny/Tobias Rüther

Das Forum für Gesundheitswirtschaft hat zu einer politischen Debatte zur Zukunft der Psych-Versorgung geladen. An der Diskussionsrunde nahmen Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen), Tina Rudolph (SPD), Alexander Föhr (CDU/CSU) und Kathrin Vogler (Die Linke) teil. 

Aktuell liege der politische Fokus auf dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), verdeutlicht Kappert-Gonther eingangs. Im nächsten Schritt gelte es, die Psych-Versorgung zu justieren. Jedoch sei dabei zu berücksichtigen, dass die Reformvorhaben, die bisher primär den somatischen Bereich betreffen, nicht eins zu eins auf den psychiatrischen zu übertragen sind, verdeutlicht sie. Mit dem Suizidpräventionsgesetz und der Reform der Notfallversorgungen wolle die Regierung ebenso im Psych-Sektor ansetzen und beispielsweise Krisenhilfen fest integrieren. Beides sei auf einem guten Weg. 

Personalausstattung in der Sackgasse

Viel Unzufriedenheit dominiere noch zur Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie. Seit der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Sanktionen für die Nichterfüllung der Personalvorgaben vorerst bis 2026 ausgesetzt hat, steckt die Personalausstattung und wie es weitergehen könnte in einer Sackgasse. Für die Gesundheitsausschussvorsitzende Kappert-Gonther seien gute Bemessungen zwar dringend notwendig, jedoch sei der G-BA als Gremium unabhängig olitische Vorgaben somit nicht möglich.  

Für eine „Ambulantisierung im großen Stile“ spricht sich Vogler aus. „Die Wartelisten auf Therapieplätze sind episch lang“, moniert die Linken-Politikerin und fordert: „Wir brauchen soziale Sicherheiten.“ Angesichts des Fachkräftemangels sei die Personalfrage jedoch die dominierende Herausforderung, die es vorerst zu bewältigen gelte. Auch Föhr setzt hier an und appelliert dafür, den Nachwuchs abzuholen und die Weiterbildungsvoraussetzungen zu verbessern. Gute Ausbildungsbedingungen und Wertschätzungen seien dafür absolut relevant, so Rudolph. „Psychotherapeuten und Bedarfsplanungen brauchen bessere Bedingungen. Aber wir sollten uns nicht nur nach dem steigenden Bedarf richten, sondern auch fragen: Wie schaffen wir es, dass Bedarf geringer wird?“, sagt sie.

Regional Government und Globalbudgets

Um die settingübergreifende, regionale Versorgung und neue Versorgungsmodelle zu stärken, sollte das Regional Government vorerst auf Bundesebene geregelt werden. Die Umsetzung liege letztlich innerhalb der Regionen, um die Angebote vor Ort zu verzahnen, so Kappert-Gonther. „Die großen Linien dafür macht der Bundestag“, verdeutlicht sie. Gleiches betreffe die Globalbudgets, die von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde von der Politik dringend gefordert werden.

Ähnlich wie bei den bayerischen Modellprojekten nach § 64b, bei denen entschieden wird, ob Patienten stationär, teilstationär oder ambulant weiterbehandelt werden, sollen Globalbudgets eine flexiblere Versorgung ermöglichen. „Meine Vision ist, die Modellprojekte entweder zu entfristen und einen Kontrahierungszwang anzustreben, um Kliniken individuelle Behandlungen zu ermöglichen, und das gesetzlich zu verankern, oder Regionalbudgets wie in Bremen erprobt auf den Weg zu bringen. Aber da sind wir noch von entfernt“, erklärt die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses. Vorerst sei es ebenso wichtig, den „Psychiatrischen Institutsambulanzen zu ermöglichen, Leistungen spitzer abzurechnen“, denn bisher biete der ambulante Bereich keine angemessene Nachsorge, so Kappert-Gonther. 

Autor

 Anika Büchner

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