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Krankenhausreport

Barmer warnt vor Fehlanreizen in der Geriatrie

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Nach Ansicht der Barmer werden Geriatrie-Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt. Finanzielle Anreize könnten dafür sorgen, dass sie länger als nötig oder kürzer als erforderlich im Krankenhaus versorgt werden, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der gesetzlichen Krankenkasse, Christoph Straub, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Barmer-Krankenhausreports 2017. Konkret monierte Straub die Vorgaben für die Vergütung der geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung (GFKB). Immer mehr Patienten würden nach mindestens 14 Tagen Behandlungstagen entlassen. Der Anteil stieg laut Daten des Krankenhausreports von 58 Prozent im Jahr 2006 auf 75 Prozent im Jahr 2015. Im selben Zeitraum sank der Anteil der GFKB-Patienten mit einer Behandlungsdauer von bis zu sieben Tagen. Straub führt dies darauf zurück, dass eine höhere Pauschale abgerechnet werden könne, wenn ein Patient mindestens 14 Tage im Krankenhaus versorgt werde. „Aus rein medizinischer Sicht darf man zumindest ein großes Fragezeichen hinter diese Praxis setzen“, so Straub.

Die Gesamtzahl der Patienten mit einer GFKB ist zwischen 2006 und 2015 von rund 80.000 auf 222.000 Patienten gestiegen. Dieser Anstieg sei nicht alleine durch den demografischen Wandel erklärbar, sagte Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, einer der Autoren des Krankenhausreports. Problematisch sei dabei, dass beispielsweise das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei GFKB-Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch im Vergleich zu Reha-Patienten schlechter ausfalle. Bei 14 Behandlungstagen lägen die Kosten 950 Euro über der einer klassischen Rehabilitation. Straub stellte dazu klar, dass er das bestehende Vergütungssystem nicht ablehne. Es solle sich stärker am individuellen Bedarf des Patienten und an medizinischen Kriterien orientieren.

Der Barmer-Vorstandsvorsitzende machte auch auf die großen Unterschiede zwischen der Versorgung von älteren Patienten in den Bundesländern aufmerksam. Während etwa der Anteil der Geriatrie-Patienten mit einer GFKB in Bayern bei 4,3 Prozent liege, sind es in Hamburg 24,3 Prozent. Dies sei relevant, weil Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch nach einer Komplexbehandlung häufiger pflegebedürftig würden als bei einer Reha.

"Statt wenig hilfreicher Vorwürfe brauchen die Krankenhäuser die Unterstützung der Krankenkassen und eine entsprechende Finanzierung, um der Versorgung hochbetagter, oft multimorbider und dementer Patienten, künftig noch besser gerecht werden zu können", erklärte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), in einer heute veröffentlichten Mitteilung. Zudem verwies er darauf, dass geriatrischen Patientengruppen gerade bei der Wundheilung den besonderen Hintergrund des Krankenhauses benötigten, den die Rehaeinrichtungen nicht immer vollständig anbieten könnten. "Wer über regionale Unterschiede und die damit verbundene Unterstellung finanzieller Vorteilsnahme seitens der Kliniken spekuliert, bewegt sich argumentativ auf sehr dünnem Eis. Die regionalen Unterschiede zeigen wieder einmal ganz klar, dass die Medizin nicht so eindeutig ist, wie es Krankenkassenverwaltungen gerne hätten", so Baum.

Autor

 Hendrik Bensch

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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