Eine Reise in die Zukunft haben die Psych-Fächer beim DRG|FORUM in der Session Psych-Forum Versorgung unternommen. Während sich die Kassen eine fallgruppenspezifische Vergütung wünschen, präferieren Kliniken und Politik Globalbudgets.
Aber von vorne: Der größte gemeinsame Nenner ist nach wie vor die Ambulantisierung, insbesondere mit teilstationären Leistungen, Modellvorhaben nach § 64 b oder Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA). Darüber herrsche längst große Klarheit, betont Mechtild Schmedders, Leiterin des Referats für Krankenhauspersonal und Qualitätssicherung vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV). „Wir müssen den Weg der Ambulantisierung gehen“, so Schmedders. Konzepte, wie Stationsäquivalente Behandlungen (StäB) oder das Home Treatment seien die Zukunft der psychiatrischen Versorgung. Sektoren- und settingübergreifende Modelle sollten zugleich den Bedarfen vor Ort entsprechen. Denn: „Modellvorhaben haben inzwischen eine deutliche Evidenz, die zeigt, dass wir eine stationäre Über- und Fehlversorgung haben“, verdeutlicht sie. Die Zeit sei reif, die bisherigen Erkenntnisse zu nutzen, Benefits zu generieren und ordnungspolitische Grenzen aufzulösen, um aus dem heterogenen System in ein homogenes, flexibleres Versorgungssystem zu gelangen.
Mehr Spielraum für Kliniken
„Dafür ist die wichtigste Richtung mehr Spielraum für die Kliniken“, stimmt Kirsten Kappert-Gonther zu. Die Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitikern von Bündnis 90/Die Grünen nennt etwa die erprobten §64b-Modelle, die umgehend in die Regelversorgung übergehen sollten. Sie könnten helfen, Versorgungslücken schwer-chronisch Erkrankter entgegenzuwirken, aber auch insgesamt die Versorgung zu verbessern. „Wir müssen die Personalressourcen dringend anpacken und sie flächendeckend menschenrechtsbasierter, regionaler und deutlich vernetzter gestalten“, so Kappert-Gonther. Dabei sei es jedoch unumgänglich, Betroffene einzubeziehen und alle Berufsbilder in die psychotherapeutischen Bereiche zu integrieren, betont Michael Löhr, Pflegedirektor der LWL-Kliniken Gütersloh. Noch gelten aber zu viele Menschen in der Versorgungslandschaft als unbehandelt. „Wir haben zwar eine hohe Psychotherapeutendichte, machen aber zu viel High Intensity“, so Löhr. In der Versorgung brauche es niederschwellige, basale Angebote beispielsweise über angeleitete Selbsthilfe – also mehr Low Intensity – um die Menschen ins Versorgungssystem zu bekommen, erklärt er. „Dieses Feld liegt noch ziemlich brach.“
Bei knapper werdendem Personal eine große Aufgabe. „Da müssen wir zuallererst an die schwer Erkrankten denken“, sagt Tom Bschor, Vorsitzender der Regierungskommission des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Im internationalen Vergleich stehe die Psych-Versorgung in Deutschland zwar „fantastisch“ da, betont er, „aber jetzt kommt es eben darauf an, dass wir in den Kliniken primär die behandeln, die ohne ein Bett eben nicht auskommen.“
Level-2-Häuser als Rückgrat der Versorgung
Eine Möglichkeit dafür könnte die neue Level-Zuordnung der Kliniken sein, die mit der Krankenhausreform kommen soll. Bschor erklärt, dass die psychiatrische Versorgung in allen Leveln mitgedacht werden sollte.
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