Die dritte Erhebung des Digitalradar Krankenhaus zeigt einen deutlichen Anstieg des digitalen Reifegrads seit Einführung des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) – insbesondere in den Dimensionen Strukturen, Prozesse und Informationsaustausch. Unterschiede zwischen Häusern und Nutzung digitaler Anwendungen im Klinikalltag bestehen jedoch weiter.
Die ersten Ergebnisse der dritten Erhebung des Digitalradars Krankenhaus sind da. Die Digitalisierung hat sich demnach seit dem Start des KHZG deutlich weiterentwickelt. Der durchschnittliche Digitalradar-Score stieg laut Konsortium von 33,3 Punkten in der ersten Erhebung im Jahr 2021 auf 55,0 Punkte in der dritten Erhebung 2026 (maximal 100 Punkte) – ein Zuwachs von 21,7 Punkten beziehungsweise rund 65 Prozent.Auch gegenüber der zweiten Erhebung (42,4 Punkte) ist der Score nochmal deutlich um weitere 12,6 Punkte beziehungsweise um 29,7 Prozent gestiegen.
KHZG treibt Digitalisierung spürbar voran
Die nun dritte flächendeckende Erhebung des digitalen Reifegrads deutscher Krankenhäuser macht den Fortschritt über einen Zeitraum von fünf Jahren deutlich sichtbar. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Investitionen und Anstrengungen der vergangenen Jahre zwar messbare Wirkung entfalten. Aber strukturelle Unterschiede zwischen Krankenhäusern bleiben sichtbar.
Kleinere Krankenhäuser holen auf
So ist die Digitalisierung über alle Versorgungsstufen hinweg vorangeschritten. Besonders kleinere Krankenhäuser konnten ihren digitalen Reifegrad weiter steigern und zu größeren aufschließen. Die Unterschiede im digitalen Reifegrad sind damit tendenziell verringert und die Impulse des KHZG wirken in der Breite des Versorgungssystems.
Grundversorger (<250 Betten) erreichen im Schnitt 50,8 Punkte, gefolgt von Regelversorgern (250 bis 500 Betten) mit 58,7 Punkte, Zentralversorgern (500 bis 700 Betten) mit 60,5 Punkten und Maximalversorgern mit 62,5 (>700 Betten). Am stärksten konnten demnach zwischen den drei Evaluationen die Regelversorger ihren Digitalradar-Score mit 23 Punkten steigern - das entspricht 68,1 Pozent.
Auch auf Ebene der Bundesländer zeigt sich eine insgesamt positive Entwicklung: In allen Ländern konnten Verbesserungen gegenüber der vorherigen Erhebung festgestellt werden. Die größte absolute Verbesserung weist Bremen mit einem Plus von 26,4 Punkten auf, gefolgt von Sachsen mit 25,5 Punkten. Auch relativ betrachtet liegt Bremen mit 91,7 Prozent an der Spitze. Den zweiten Platz im Zuwachs belegt das Saarland mit 82,5 Prozent.
Alle Länder haben seit der ersten Evaluation ihren Digitalradar-Score um mehr als 50 Prozent gesteigert. Die relativen Zuwächse reichen von 50,4 Prozent (Hamburg) bis 91,7 Pozent (Bremen). Grundsätzlich haben sich zudem die Digitalradar-Scores der Länder im Schnitt einander angenähert.
Herausforderungen bei Nutzung digitaler Anwendungen
Über sämtliche Dimensionen hinweg zeigen sich Fortschritte. Besonders deutlich fallen die Verbesserungen in den Bereichen Strukturen und Systeme, Informationsaustausch und klinische Prozesse aus.
Der stärkste absolute Anstieg ist in der Dimension Strukturen und Systeme mit einem Zuwachs von 26,7 Prozent. Die Dimension Patientenpartizipation weist aufgrund des niedrigeren Ausgangsniveaus den höchsten relativen Zuwachs mit 456,6 Prozent auf.
Am schwächsten ist die Dimension Telehealth vertreten. Hier haben die Kliniken am wenigsten investiert.
Die Entwicklung bliebe zwischen den einzelnen Themenfeldern jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Die Auswertung der Subdimensionen zeigt, dass insbesondere organisatorische und infrastrukturelle Voraussetzungen für Digitalisierung inzwischen deutlich stärker ausgeprägt sind. Gleichzeitig bei der breiten Nutzung digitaler Anwendungen und deren Integration in den klinischen Alltag immer noch Herausforderungen bestehen.
Sonderbefragung zu KI
Neu in der dritten Erhebung zum digitalen Reifegrad war eine Sondererhebung zu Künstlicher Intelligenz (KI). 59,5 Prozent der befragten Häuser gaben an, KI-Schulungen im Unternehmen anzubieten, 40,5 Prozent hingegen nicht. Die Inhalte der Schulungen verteilen sich in der relativen Häufigkeit absinkend auf Datenschutz und rechtliche Aspekte, IT-Sicherheit, Risiken und Grenzen, Chancen und Einsatzfelder sowie ethische Fragestellungen.
Ingesamt 923 Krankenhäuser (60,4 Prozent) geben an, KI-Anwendungen einzusetzen, 261 Häuser (17,1 Prozent) nicht und 345 (22,6 Prozent) planen es, haben die Nutzung der IT-Systeme aber noch nicht fertig umgesetzt.
Bereits heute ist KI in ganz unterschiedlichen Systemen im Krankenhaus vertreten. Am häufigsten finden sich die Anwendungen in der Sprach- und Textverarbeitung (68,3 Prozent), gefolgt von der Entscheidungsunterstützung (52,2 Prozent), der Diagnostik (49,2 Prozent), der Administration (40,4 Prozent), der Dokumentation (23,2 Prozent), dem Monitoring klinischer Parameter (18,3 Prozent), der Forschung (9,2 Pozent) und der Logistik (4,2 Prozent).
Digitalisierung bleibt strategische Daueraufgabe
Mit der dritten Datenerhebung sei das Ziel des Digitalradar Krankenhaus nun abgeschlossen, erklärt der operative Projektleiter Steffen Rohwer von Lohfert & Lohfert zum Abschluss. „Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass die Digitalisierung der Krankenhauslandschaft vorangekommen ist“, reflektiert Volker Amelung, Konsortialsprecher des Digitalradars. Gleichzeitig weist er aber auch darauf hin, dass „Transformation kein Selbstläufer“ sei und „weiterhin gezielte Unterstützung sowie langfristige Investitionen erforderlich“ blieben.
Im nächsten Schritt sollen die Kliniken Zugang zu einem Dashboard erhalten. Diese Lösung knüpft strukturell an die bisherigen Auswertungen an, erweitert diese aber um deutlich feinere Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten. Krankenhäuser können dort nicht nur ihre eigene Entwicklung über die drei Erhebungswellen nachvollziehen, sondern ihre Ergebnisse auch gezielt mit dem Bundesdurchschnitt oder selbst definierten Vergleichsgruppen benchmarken.
Neben dem Gesamt-Score werden die Ergebnisse detailliert nach Dimensionen, Subdimensionen, Fördertatbeständen und klinischen Prozessen aufgeschlüsselt. Das ermöglicht es, Stärken und Entwicklungsbedarfe zu identifizieren und daraus konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie abzuleiten.
Funktional bieten die Dashboards zudem Filter- und Exportmöglichkeiten: Alle Auswertungen lassen sich als Grafik oder Excel-Datei exportieren und weiterverarbeiten. Gleichzeitig bleibt der Zugriff auf die Daten klar geregelt: Sichtbar sind nur die eigenen Ergebnisse, während Vergleichswerte anonymisiert dargestellt werden. Wichtig für die Nutzung: Die Dashboards stehen den teilnehmenden Krankenhäusern nur bis zum Projektende zur Verfügung. Einrichtungen müssen ihre Daten daher rechtzeitig sichern, wenn sie Zeitreihenanalysen oder interne Auswertungen langfristig fortführen wollen.
Breite Datengrundlage durch hohe Teilnahme
Insgesamt nahmen 1.531 Krankenhäuser an der dritten Erhebung teil. Rund 93,7 Prozent der Krankenhäuser aus der ersten Erhebung nahmen erneut teil. Die hohe Zahl erneut teilnehmender Krankenhäuser ermöglicht eine belastbare Betrachtung von Entwicklungen über die Zeit.
Der Digitalradar zählt international zu den umfassendsten, als Längsschnitt angelegten Reifegradmessungen des digitalen Entwicklungsstandes von Krankenhäusern und ermöglicht eine nahezu flächendeckende Betrachtung der digitalen Entwicklung in Deutschland.
Der finale Abschlussbericht inklusive Analysen und Auswertungen will das Konsortium zum Jahresende veröffentlichen.











