Mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft fordern, Extremhitze verbindlich in die Krisenvorsorge und den Katastrophenschutz aufzunehmen.
Die Initiatoren warnen in einer gemeinsamen Erklärung, Deutschland sei auf länger anhaltende Hitzewellen als Krisenlage nicht vorbereitet. Extremhitze könne Rettungsdienste und Notaufnahmen überlasten, Pflegeeinrichtungen zur Evakuierung zwingen und innerhalb weniger Tage Zehntausende Todesfälle verursachen. Hitze müsse daher systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz integriert werden.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat, der GKV-Spitzenverband, die Klima-Allianz Deutschland sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.
Hitze als Dauerproblem für Krankenhäuser
Hitzeperioden sind längst kein Ausnahmephänomen mehr, sondern entwickeln sich zu einer wiederkehrenden Belastungsprobe für das Gesundheitswesen. Steigende Temperaturen, längere Hitzewellen und die dichte Bebauung in Städten führen dazu, dass sich Klinikgebäude immer stärker aufheizen. Fachbehörden wie das Umweltbundesamt warnen seit Jahren vor den Folgen zunehmender Hitze – insbesondere für Krankenhäuser in urbanen Räumen.
Zunehmende Belastung für Gesundheitswesen und Infrastruktur
Mit der globalen Erwärmung nehmen Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzeperioden zu. Besonders gefährlich seien stabile Hochdrucklagen mit hohen Temperaturen ohne nächtliche Abkühlung. Sie erhöhten das Risiko hitzebedingter Todesfälle deutlich und belasteten zugleich Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, soziale Dienste und kritische Infrastruktur.
Auch wirtschaftlich habe Extremhitze erhebliche Folgen. In aktuellen Szenarien rechnen die Organisationen für Deutschland mit hitzebedingten Schäden von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre. Das liege deutlich über den Schäden der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021.
Forderungen an Politik und Verwaltung
Das Bündnis fordert:
- die verbindliche Integration von Extremhitze in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz,
- klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen,
- effektive soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen,
- eine gezielte Stärkung des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens für Hitzelagen sowie
- Finanzierung von Maßnahmen zum Schutz von Menschen, Arbeitsabläufen, Gebäuden, Stadtteilen und Infrastruktur vor extremer Hitze sowie zur Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit bei Hitzewellen.
DKG-Vizechefin Henriette Neumeyer sagte: „Hitzeschutz ist Patientenschutz. Dafür brauchen Krankenhäuser verlässliche Finanzierung.“ Viele Häuser hätten bereits umsetzbare Maßnahmen realisiert, weitere Schritte seien im aktuellen Finanzrahmen jedoch unklar.
cs
