Orientierungswert

Pflege zu steuern heißt, an der Pflege zu sparen

  • Personal
Arne Evers Pflegedienstleiter St. Josefs-Hospital Wiesbaden
Arne Evers Pflegedienstleiter St. Josefs-Hospital Wiesbaden © Regina Sablotny

Pflegedienstleitungen sollen sparen, ohne genau zu wissen, welche Vorgaben am Ende gelten werden. Gleichzeitig müssen sie Versorgung sichern und Sanktionen vermeiden. Arne Evers erklärt, warum das neue Pflegebudget viele Häuser vor kaum lösbare Herausforderungen stellt.

Aufgrund der Änderungen des Pflegebudgets ist die Krankenhauspflege zweigeteilt: Die einen dürfen noch Pflegepersonal einstellen und die anderen müssen es abbauen. 

Was beide eint, ist, dass sie es irgendwie hinbekommen müssen: um Sanktionen zu vermeiden oder um den ohnehin schmalen Erlöskorridor nicht noch weiter einzuengen. Frei nach einer Sportphrase: Man ist zum Gewinnen verdammt. 

Dabei sind es zumeist nicht die Geschäftsführungen, die auf einen Abbau von Pflege drängen, sondern die engen Vorgaben der jüngsten Gesetze, um den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten. Die neuen Regeln des Pflegebudgets sorgen zumindest in vielen Krankenhäusern dafür, dass für das Pflegebudget nur noch ein sehr schmaler Korridor bleibt, den man auf gar keinen Fall überschreiten sollte. 

Steuern mit einer unbekannten Zielgröße

Die Schwierigkeit besteht darin, dass dieser Korridor noch gar nicht bekannt ist, denn er muss erst verhandelt werden. Und so findet man sich als Pflegedienstleitung in gleich mehreren Dilemmata wieder: Man muss Personal abbauen, weiß aber gar nicht wie, denn viele Beschäftigte verfügen über unbefristete Verträge. Den goldenen Handschlag werden sich in der Größenordnung wohl die wenigsten Kliniken leisten können.

Also bleibt die natürliche Fluktuation, die sich mutmaßlich aufgrund dieses Problems verlangsamen wird. Denn Pflegekräfte, die im Krankenhaus bleiben wollen, werden nicht so zügig eine neue Stelle finden, außer die neue Klinik gehört zur anderen Hälfte des Pflegebudgets. Planbarkeit? Fehlanzeige.

Sparen auf Verdacht

Also muss die Pflegedienstleitung zusehen, dass Anerkennungsmaßnahmen von ausländischen Pflegekräften nicht mehr begonnen und entlastende Berufsgruppen weiterhin reduziert werden, die ebenfalls häufig über unbefristete Verträge verfügen. Oder sie übernimmt weniger Auszubildende im Jahr 2027, lässt befristete Verträge auslaufen und so weiter. Akademische Pflege? Wen interessiert's, im Zweifelsfall zu teuer. Moderne Führungskonzepte in der Pflege aus drei Personen: Muss auch mit zweien gehen und weniger Bürotage sind eh besser, am Patientenbett müssen die Hände sein.

Versorgung unter Druck

Parallel muss die Pflegedienstleitung auch noch den Betrieb aufrechterhalten, sonst drohen steigende Bußgelder infolge der neuen Pflegepersonaluntergrenzen. Und so wird der Begriff „bepflegbare Betten“ ad absurdum geführt. Und den Pflegekräften vor Ort zu erklären, dass nun zwei Kolleginnen oder Kollegen weniger eingeplant werden, stellt durchaus ebenfalls eine Herausforderung dar. 

Trotz all dieser Maßnahmen bleibt die Ungewissheit, ob man am Ende innerhalb des unbekannten Rahmens bleiben wird. Pflege zu steuern heißt daher derzeit vor allem, an der Pflege zu sparen.

Thomas Edison wird das Zitat zugeschrieben: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“ Zugegeben, am Ende stand eine funktionierende und massentaugliche Glühbirne. In der Krankenhauspflege bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass in der Politik doch noch jemandem ein Licht aufgeht. 

 
 

Das GKV-Sparpaket begrenzt die Finanzierung der Krankenhauspflege und zwingt viele Kliniken zu kurzfristigen Anpassungen. Das Management muss entscheiden, welche Stellen es noch besetzt, welche unterstützenden Strukturen erhalten und wie Personalvorgaben trotz sinkender finanzieller Spielräume eingehalten werden können. Die Session diskutiert konkrete Steuerungsoptionen zwischen Einstellungsstopp, Qualifikationsmix, Prozessumbau und Leistungsanpassung.

Über diese und weitere Fragen diskutieren in der Session „Pflege nach dem Sparpaket: Personal, Leistungen und Budgets neu steuern“:

  • Arne Evers, Prokurist am St. Josefs-Hospital Wiesbaden
  • Christiane Neehoff-Tylla, Pflegedirektorin, Bonifatius Hospital Lingen
  • Carlos Harnoth, Referatsleiter Budgetverhandlungen, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Marin Atelj, Fachbereichsleiter, Fachbereich Krankenhaus / Rehabilitation, Barmer

 
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Autor

 Arne Evers

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