Vordenker-Award 2026

"Wir setzen auf eine attraktive Angebotsstruktur"

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  • 24.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert die Medizin grundlegend. Krankenhäuser müssen entscheiden, welche Anwendungen Nutzen bringen, Qualität sichern und wirtschaftlich sind. Sebastian Polag hat dafür im Agaplesion-Verbund verbindliche Strukturen geschaffen, Entscheidungen gebündelt und die Einführung von KI systematisch organisiert. Dafür erhält er den Vordenker Award 2026.

Herr Polag, welches Leitbild verfolgt Agaplesion beim Thema künstliche Intelligenz?

Agaplesion setzt auf drei zentrale Leitlinien. Wir wollen die Qualität steigern, die Prozesse effizienter machen und die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar erleichtern. Das ist der Rahmen, in dem KI heute bereits genutzt wird und in dem sie morgen weitere Aufgaben übernehmen soll.

Welchen Fortschritt ermöglicht KI schon heute?

KI schafft bereits konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten sowie für Bewohnerinnen und Bewohner. Sie verbessert Behandlungen, verkürzt Abläufe und stützt Entscheidungen. Ein gutes Beispiel liefert die Strahlen-therapie. Moderne Verfahren beispielsweise zur Behandlung bei Prostatakarzinom reduzieren die Zahl der notwendigen Sitzungen erheblich. Früher waren bis zu 36 Termine üblich, heute reichen im Idealfall fünf. Auch unsere Chefärztinnen und Chefärzte berichten, dass KI die Qualität stärkt. Einige stellen sogar die Frage, ob der Verzicht auf bereits verfügbare KI-Systeme nicht bereits ein Nachteil für den Patienten wäre.

Sie erwähnten die Effizienz: Welchen Mehrwert kann KI hier stiften?

Die Alterspyramide zwingt uns, neue Wege zu gehen. Viele Fachkräfte werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand wechseln. So sehr wir uns auch bemühen – es wird uns nicht gelingen, neue Kolleginnen und Kollegen im gleichen Umfang gewinnen zu können. KI soll helfen, die Arbeit neu zu verteilen und die Ressourcen gezielt einzusetzen. Die Prozesse müssen schlanker werden, damit die Versorgung unter knapperen Bedingungen stabil bleibt. Damit soll auch die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen. Wenn Qualität und Effizienz wachsen, bleibt mehr Zeit für den wichtigsten Teil der Arbeit – den Dienst am Menschen. Denn Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte wollen nicht dokumentieren, sondern behandeln. KI soll helfen, diesen Anspruch wieder stärker zu erfüllen.

Aktuell zählen in vielen Bereichen primär Köpfe, Stichwort Pflegepersonalbemessung. Sind solche Regelungen noch zeitgemäß?

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Laudatio der Jury

Künstliche Intelligenz eröffnet der Medizin zahlreiche neue Möglichkeiten. Gleichzeitig stellt sie Krankenhäuser vor anspruchsvolle Entscheidungen: Welche Anwendungen schaffen echten Nutzen? Welche Strukturen sichern Qualität? Und wie lässt sich Technologie so einführen, dass Patientinnen und Patienten profitieren? In diesem Spannungsfeld setzt Sebastian Polag Maßstäbe. Der Vorstand für Finanzen und IT des Agaplesion-Konzerns verfolgt eine klare Linie: KI als Teil einer umfassenden Unternehmensstrategie denken und nicht als Sammlung einzelner Projekte.

Diese Perspektive prägt die Ausrichtung des gesamten Verbunds. Agaplesion betrachtet digitale Transformation als langfristige Aufgabe, die Governance, Infrastruktur und operative Umsetzung verbindet. Ein konzernweites KI- Lenkungsgremium setzt Prioritäten, bewertet Nutzen und entwickelt Standards für Daten sowie Modelle.

Die Projekte in den Häusern zeigen die Erfolge dieser Struktur. KI optimiert Abläufe in Notaufnahmen, unterstützt die Diagnostik und verbessert technische Verfahren wie die Strahlentherapie. Sie entlastet Teams und stärkt die Versorgung. Die Jury des Vordenker-Awards honoriert nicht nur die damit verbundenen technologischen Fortschritte, sondern vor allem eine unternehmerische Entscheidung: Innovation wird systematisch organisiert, skaliert und mit klaren Zielen verknüpft.

Weitere Vorhaben wie KI-gestützte Anamnese, die Modernisierung von Tumorboards, verkürzte MRT-Sequenzen oder neue Dokumentationshilfen zeigen, wie breit Agaplesion dieses Thema denkt. Ein interdisziplinärer Hackathon fördert zusätzlich neue Impulse und stärkt die interne Innovationskultur.

Die Jury würdigt diese Haltung. Die Arbeit von Sebastian Polag verbindet unternehmerische Verantwortung mit technologischer Weitsicht. Sie zeigt, wie digitale Transformation im Gesundheitswesen gelingen kann, wenn klare Strukturen, realistische Ziele und ein sichtbarer Nutzen für Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen.

 

Die Jury des Vordenker-Awards:

Florian Albert, Chefredakteur Bibliomed

Dr. Christian Braun, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor, Klinikum Saarbrücken

Stefanie Kemp, Chief Transformation Officer (CTO), Sana Kliniken

Dr. Valerie Kirchberger, Chief Medical Officer, Heartbeat Medical

Judith Wiesner, Vordenkerin 2025 Projektbeauftragte für Kinderrechte Bürgerhospital, Frankfurt

Prof. Dr. Hubertus Schmitz-Winnenthal, Vordenker 2024 Chefarzt Klinikum Aschaffenburg

Der Vordenker-Award

Strategischer Weitblick, unkonventionelles Denken, Veränderungswille, diplomatisches Geschick – der Vordenker-Award ehrt unterschiedliche Tugenden des modernen Medizinmanagers. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft, die mit innovativen Ideen und Projekten ein Vorbild für die Verbesserung von Qualität und Produktivität der Versorgung sind. Der Preisträger vereint persönliches Engagement, vorausdenkende Kraft und soziale Verantwortung. Er erhält ein Kunstwerk, das als Unikat in Auftrag gegeben wird. Der Award wird im Rahmen der Networking Night auf dem DRG|FORUM verliehen.

Autor

BibliomedManager MONATSPASS

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