Bewerbungsgespräche prägen Karrieren – manchmal auf unerwartete Weise. Markus Gantert blickt im Interview auf prägende Bewerbungserlebnisse, seinen Weg vom Chefarzt ins strategische Management des Gesundheitswesens und persönliche Wendepunkte im Krankenhausalltag zurück.
Wie lief Ihr erstes Einstellungsgespräch?
Es war am 11. September 2001 – morgens nach Hamburg mit dem Zug – am Nachmittag ein Vorstellungsgespräch in einer Hamburger Klinik. Wie so viele, weiß ich noch heute jedes Detail dieses Tages. Damals gab es noch eine Teilapprobation – Ärzte arbeiteten für das halbe Deputat und man musste an Nachtdiensten teilnehmen, da sonst die Weiterbildungszeit nicht anerkannt wurde. Ich hatte gute Chancen: 3. Staatsexamen an einer renommierten Universität, abgeschlossene Promotion, wissenschaftlich ausgerichtet und mit der Teilapprobation eine „günstige“ Arbeitskraft und trotzdem war ich aufgeregt ohne Ende. Und dann betrat ich einen Raum – sieben Mitarbeitende belagerten das Zimmer des Chefs und alle starrten auf einen Fernseher – „9/11“ – es gab kein Gespräch über meinen Werdegang oder über die Zukunft: „Ja, Herr Gantert, das läuft jetzt alles etwas anders, als geplant…“ Eine völlig skurrile Situa-tion. Ich bekam ein Stellenangebot – einfach so, habe die Stelle jedoch nicht angenommen.
Was war Ihr einprägsamstes Erlebnis während eines Bewerbungsgesprächs?
Das war das Bewerbungsgespräch als Leitender Arzt. Es gab ein Auswahlgremium von hierarchisch höchststehenden Personen aus der Klinik, aber niemand traute sich, eine Frage zu stellen zu meiner medizinischen Laufbahn oder meinen menschlichen Eigenschaften oder Qualifikationen. Natürlich kann man viel von Papier ablesen – heute würde man die KI befragen – aber ich fand das schade. Es kam mir vor, wie ein notwendiges Ritual ohne Mehrwert für eine Seite. Ich habe die Stelle bekommen und bin mit dieser Klinik bis zum heutigen Tage im Besten verbunden. Das wiederum ist auch keine Selbstverständlichkeit.
Was war zuletzt Ihre größte berufliche Herausforderung?
Der Wechsel vom Leitenden Arzt in das Medizinisch-strategische Management des Gesundheitswesens. Der Wechsel vom höchst ausgebildeten Chefarzt über ein zusätzliches Masterstudium (berufsbegleitend) hin zum Greenhorn in der Krankenhausverwaltung war eine unglaubliche Reise, die spannender nicht hätte sein können.
Die drei meistgenutzten Apps auf Ihrem privaten Smartphone sind …?
Eine Nachrichten-App, ein Social-Media-Kanal und ein privater E-Mail-Account.
Was tun Sie in Ihrer Freizeit am liebsten, um zu entspannen?
Nach sportlicher Betätigung nichts tun oder die Morgendämmerung auf einem Ansitz ohne jagdliche Absichten genießen – ein Moment größter Demut und Ehrfurcht.
