Aktionsbündnis Patientensicherheit

„15 Prozent der Krankenhausausgaben sind die Folge unerwünschter Ereignisse“ 

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„15 Prozent der Krankenhausausgaben sind die Folge unerwünschter Ereignisse“ 
Male veterinarian picking up surgical tool from tray. Surgeon is preparing for surgery in operating room. He is in animal hospital. © GettyImages/Morsa Images

Kaum zu glauben aber wahr: Seitenverwechselungen sind immer noch ein ernstzunehmendes Problem in deutschen Kliniken. Vor einem guten halben Jahr erst schrieb ein Arzt Schlagzeilen, der dem Fußballtalent Jan Engels (damals 17) das falsche Knie operierte. Und das ist bei weitem nicht das einzige Beispiel für sogenannte Unerwünschte Ereignisse (UE). Bei fünf bis zehn Prozent in Deutschland treten unerwünschte Ereignisse auf – mehr als ein Drittel davon seien vermeidbar, schrieb Thomas Schrappe schon 2018. Medizinische Fehler liegen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Rang acht der Todesursachenstatistik. Ingo Härtel aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zitiert in einem neu vom APS herausgegebenen Buch eine OECD-Studie, derzufolge 15 Prozent aller Krankenausausgaben eine direkte Folge von Unerwünschten Ereignissen sind („Risiko- und Sicherhitskultur“, herausgegeben 2022 vom APS).

Hecker: Großbritannien macht es vor

Zum Auftakt der APS-Jahrestagung unterstrich die neue Vorsitzende Ruth Hecker, dass „die Verantwortung für Patientensicherheit auf oberster Leitungsebene in Management und Politik verankert werden muss“. Außerdem müsse die Politik Systeme schaffen, die mehr Transparenz über Qualität und Patientensicherheit im Gesundheitswesen bringen. Hier seien andere Staaten deutlich weiter. Großbritannien beispielsweise werte jährlich mehrere tausend Meldungen von Behandlungsfehlern aus und hatte zuletzt in einer großen Studie 15.000 Fälle der Geburtshilfe untersuchen lassen mit dem Ergebnis, dass in einem Jahr 201 Babys aufgrund vermeidbarer Behandlungsfehler gestorben waren. Daraufhin habe sich der Gesundheitsminister bei den Eltern offiziell entschuldigt. 

Grosch: „Wir wissen nicht, ob wir besser geworden sind“

In Deutschland werde das Thema stiefmütterlich behandelt. Es würden weniger Daten erhoben und die die es gibt, seltener strukturiert ausgewertet. Constantin Grosch, Stellvertretender Vorsitzender des APS und Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), moniert: „Wir wissen gar nicht wirklich, ob wir besser oder schlechter geworden sind, weil wir in Deutschland keine Parameter für Patientensicherheit in Zahlen messen.“ Das APS wirbt für bundesweit einheitliche Patientenbefragungen wie PROMS (Patient Reported Outcome Measures) und PREMS (Patient Experience Outcome Measures) sowie das Messen sogenannter SEVer-Events (Schwerwiegenden Ereignisse, die wir sicher verhindern wollen). Auch das Frühwarnsystem Cirs müsse endlich richtig genutzt werden. Hierfür bietet das APS nun eine Lernseite für niedergelassene Ärzte an. Patientenvertreter Grosch unterstrich aber, dass auch neue Instrumente zur Messung der Patientensicherheit nötig sind. „Hier haben wir eine Lücke, die wir schließen müssen.“

APS würdigt Leuchttürme für Patientensicherheit

„Behandlungsfehler werden nicht nur durch individuelle Handlungen verursacht, sondern auch durch die Verhältnisse, in den die Behandlung passiert“, so Heckers Botschaft. Die neue APS-Chefin betonte aber auch, dass „Patientensicherheit in der Ausbildung der Gesundheitsberufe stärker verankert werden muss“.

In vielen Feldern bewege sich Deutschland auf der Stelle, so Hecker. Es gibt aber auch Lichtblicke und Leuchttürme. Einige davon werden am Donnerstag mit dem „Deutschen Preis für Patientensicherheit“ der APS gewürdigt.
 

Autor

 Jens Mau

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