Pflege

Der steinige Weg des Personalbemessungsinstruments

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Der steinige Weg des Personalbemessungsinstruments

Der Entwurf für ein Pflegepersonalbemessungsinstrument liegt seit zwei Wochen beim Minister. Das Konzept, das als Gegenentwurf zu den Untergrenzen gezimmert wurde, hat viele Fürsprecher. Der Weg in die Realität ist dennoch steinig. In der druckfrischen Februarausgabe der f&w ist die sogenannte PPR 2.0 das Titelthema. Professor Patrick Jahn erklärt das Instrument ausführlich.

Unter großem Zeitdruck haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), Deutscher Pflegerat und Verdi ein Konzept zur Pflegepersonalbemessung vorgelegt. Dass ein solches Instrument sinnvoll ist, bestreitet kaum jemand. Die politische Gemengelage ist allerdings kompliziert.

Der Bedarf für ein Instrument zur Bemessung des Pflegepersonals ist da. Die Bedürfnisse der drei Partner, die ein solches Konstrukt jetzt vorgelegt haben, sind allerdings sehr unterschiedlich. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) will damit vor allem die Personaluntergrenzen (PPUG) verhindern. Die Gewerkschaft Verdi wünscht sich eine sehr detaillierte Planung auf Stations- oder Schichtebene mit klaren Vorgaben. Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat eine gespaltene Meinung, vertritt er doch nicht nur einfache Pflegekräfte, sondern vor allem auch Pflegeleitungskräfte, die mit den strikten Personaluntergrenzen zu kämpfen haben. Es gibt zwischen den dreien genug Reibungsflächen, die hinter den Kulissen auch sehr heiß geworden sind: Bei der DKG existiert eine Fraktion, die sich nur ungern mit Verdi ins Boot setzt – entsprechend hat es rumort. Teile des DKG-Vorstands sollen nicht an der Abstimmung über das Instrument teilgenommen haben. Verdi und DPR hingegen kämpfen seit Jahren um die Vormacht als Interessenvertreter der Pflege. Der DPR versucht, Pflegekammern zu etablieren – was von den Pflegeleitungen gewollt, von den Pflegekräften insgesamt aber kritisch beäugt wird, weil es mit Zwangsbeiträgen verbunden ist. Verdi bekämpft eben jenes Kammersystem aus einem einfachen Grund: Der Organisationsgrad der Gewerkschaft in der Pflege ist ohnehin gering, Konkurrenz kann die Gewerkschaft nicht gebrauchen.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Abgabe des Konzepts beim Ministerium ein Achtungserfolg. Prof. Dr. Patrick Jahn hat im Auftrag der drei Verbände die alte Pflegepersonal-Regelung (PPR) aus den 1990er-Jahren ausgegraben und in die komplexe Wirklichkeit überführt. Jahn (für den DPR), Bernd Metzinger (für die DKG) sowie Grit Genster (für Verdi) beschreiben die Funktion des Instruments exklusiv in der f&w-Ausgabe Februar. Der Vorschlag hält am Ganzhausansatz der Ursprungsversion fest, was die DKG freut. Der Pflegekomplexmaßnahmen-Score (PKMS) ist in dem Instrument verarbeitet, das hat sich der DPR gewünscht. Die Nachtschichten werden immer mit mindestens zwei Pflegekräften besetzt, das ist eine Kernforderung von Verdi.

Die PPR 2.0 ist der größtmögliche Kompromiss. Wenn das Instrument allerdings ins Leben geholt werden will, muss es auch die Bedürfnisse der Kassen bedienen. Ein Instrument, das nur den Bedarf, nicht aber die tatsächlich eingesetzten Pflegekräfte misst, wird es schwer haben – vor allem, wenn es die Personaluntergrenzen ersetzen soll. Auch das Gesundheitsministerium hat sich bisher sehr zurückhaltend gezeigt. Immerhin, einen Befürworter gibt es in Spahns Ministerium: Staatssekretär und Pflegebevollmächtigter Andreas Westerfellhaus protegiert das Bemessungsinstrument und positioniert sich klar gegen PPUG (Interview in der f&w-Ausgabe Februar). Dass die PPR 2.0, wie von den Initiatoren gewünscht, ab 2021 zum Einsatz kommt, ist aber zumindest ungewiss – zumal der Minister die Untergrenzen ausdrücklich begrüßt und bereits die nächste Welle auf die Kliniken zurollt: Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) erhebt bereits Daten für die Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie.

Die Titelstrecke im Februar (Premium)

  • Personalbemessung in der Pflege: Neues Instrument ist unmittelbar einsatzfähig
  • Interview: "Die Untergrenzen können nur eine Zwischenlösung sein"
  • Pflegepersonalmangel: Pflege im Krankenhaus ist auch ein Gleichstellungsthema
  • Pflegepersonalbemessung: Eine neue Sprache für die Pflege
  • Pflegepersonaluntergrenzen: Ausweitung ist notwendig
  • Interview: "Im Sinne der Patienten"
  • Pflegepersonalbemessung: Suche nach dem Goldstandard

 

Autor

 Jens Mau

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