Weil der Bedarf im Maßregelvollzug steigt, erweitert Vitos die forensischen Psychiatrien in Haina und Hadamar mit Neubauten. Auch für Bad Emstal ist ein Ausbau im Gespräch.
Haina
In Haina wächst der Klinikneubau der Forensik weiter. Vitos setzt damit in Waldeck-Frankenberg ein 60-Millionen-Euro-Projekt um. Bis 2025 sollen in der Psychiatrie die ersten Patienten behandelt werden. Wie die Waldeckische Landeszeitung (WLZ) berichtet, stehe das Gebäude inzwischen, drei Viertel der Fenster seien eingebaut und in den nächsten Wochen sollen die Arbeiten an der Außenverkleidung starten, berichtet Matthias Müller, Geschäftsführer von Vitos Haina, gegenüber dem Hainaer Forensikbeirat (Bindeglied zwischen Öffentlichkeit und Klinik). Die Baukosten hätten bereits die ursprünglich veranschlagten Ausgaben mit 2,5 Millionen Euro (3,8 Prozent) überschritten, so Müller.
Seit rund einem Jahr laufen die Bauarbeiten des Ersatzneubaus, in dem künftig straffällig gewordene psychisch Kranke einziehen sollen. Sieben Stationen mit Ein- und Zweibettzimmern (154 Behandlungsplätze inklusive Reserve) entstehen in dem Komplex. Daneben wird es eine Sicherheitsschleuse in der Einfahrt geben sowie einen Innenhof mit Wendemöglichkeit. In den Neubau sollen dann Patienten aus anderen Gebäuden behandelt werden, für die eine mittlere Sicherungsstufe gilt. Patienten mit höheren Sicherungsstufen sind in den Vitos-Häusern in Gießen und Riedstadt untergebracht. Die Stationen zur Vorbereitung auf Entlassung bleiben in Haina in den Altgebäuden, die teilweise auch als Funktionsreserve dienen sollen. Trotz des hohen Bedarfs sei keine zusätzliche Station geplant, da das notwendige Personal fehle – insbesondere im Bereich der Pflege, so der stellvertretende Klinikleiter Marco Giesler. Mit einem neuen Assistenzkraftmodell würden derzeit Kräfte angeworben. Der Belegungsdruck der Forensik in Haina habe indes nachgelassen.
Weil-Lahn
In den Vitos-Standort Weil-Lahn investieren der Klinikkonzern und das Land Hessen gemeinsam 34 Millionen Euro für die Forensikerweiterung des bestehenden Komplexes auf dem Hadamarer Mönchberg. In den vergangenen Wochen wurde das zuletzt leerstehende ehemalige Haus 2 abgerissen. Sobald die Aufräumarbeiten beendet sind, soll am Hang der viergeschossige Anbau in L-Form mit drei Stationen für 60 weitere Plätze beginnen. Bis Mitte 2026 sollen die Bauarbeiten beendet sein, teilt Vitos mit.
Bisher verfügte die Klinik über 162 Betten und weitere zwölf Plätze in einer Außenwohngruppe. Im Januar hatte die Stadt Hadamar den Bebauungsplan für das Gelände geändert und die Patientenzahl mit Blick auf den steigenden Bedarf in den kommenden Jahren von bisher 235 auf 265 angehoben. Mit diesem Schritt will Vitos 100 weitere Stellen schaffen, sagt Martin Engelhardt, Geschäftsführer der Standorte Weil-Lahn und Herborn. Die forensische Psychiatrie für den Maßregelvollzug ist eine besonders gesicherte Spezialklinik, die sowohl medizinische Behandlungen als auch die Sicherung der Patienten anbietet. Überwiegend werden hier suchtkranke Menschen versorgt, die straffällig geworden sind und bei denen Wiederholungstaten zu erwarten sind. Die Klinik verfügt aktuell über 162 Betten auf acht Stationen sowie zwölf Betten in der Außenwohngruppe.
Bad Emstal
Wegen der angespannten Belegungssituation in allen hessischen Standorten seien die Kapazitäten bei Vitos bereits in den letzten Jahren erweitert worden. Mittel- und langfristig sei grundsätzlich davon auszugehen, dass die Bettenkapazitäten im gesamten hessischen Maßregelvollzug nicht ausreichen werden, teilt Vitos mit. Aus diesem Grund sei eine Erweiterung der Bad Emstaler Klinik um 40 Betten als erforderlich anzusehen. Gespräche dazu zwischen Vitos und dem damaligen Hessischen Ministerium für Soziales und Integration wurden bereits 2021 aufgenommen und sollen nun fortgesetzt werden. Die Klinik hatte bereits im Auftrag des Ministeriums eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen und diese dem Forensikbeirat im Mai 2022 präsentiert.
Die Klinikleiterin Birgit von Hecker sieht in der Erweiterung der Bettenkapazitäten am Standort Bad Emstal eine dringend benötigte Entlastung: „Durch einen Anbau an die bestehende Klinik könnte unter anderem der Aufnahme- und Rückverlegerbereich neu gebaut, ertüchtigt und in der Kapazität ausgeweitet werden.“ In diesem Zuge sei zudem ein Ausbau der Funktionsräume notwendig. „Das käme allen Patienten und den Mitarbeitenden zugute. Derzeit sind wir sehr beengt“, so von Hecker.

