Aktiv-Studie

Bschor: "Flexibilisierung der StäB wäre ein klarer Schritt vorwärts"

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Bschor: "Flexibilisierung der StäB wäre ein klarer Schritt vorwärts"
Prof. Dr. Tom Bschor © privat

Die Aktiv-Studie hat die stationsäquivalente Behandlung (StäB) mit vollstationären Behandlungen verglichen. Die Ergebnisse bestätigen die Erwartungen und lassen die Szene auf mehr Flexibilisierung in Versorgung sowie Finanzierung hoffen. 

Die Aktiv-Studie hat in einem Zeitraum von zwölf Monaten die stationsäquivalente Behandlung (StäB) mit der vollstationären Behandlung verglichen. Die Ergebnisse haben die Konsortialpartner am Donnerstag gemeinsam vorgestellt und über ihre Bedeutung für die psychiatrische Versorgung unter anderem mit Tom Bschor, Chef der Regierungskommission des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), und Kirsten Kappert-Gonther, Gesundheitsausschussvorsitzende, diskutiert. 

Die Akutbehandlung im häuslichen Umfeld ist in Deutschland erst seit 2018 möglich. In anderen Ländern bereits seit den 1970er-Jahren, darunter die Niederlande, Großbritannien, Irland, Kanada, Australien, Neuseeland oder Dänemark. Andreas Bechdolf, Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Vivantes Klinikum Am Urban und Vivantes Klinikum in Friedrichshain, verweist zudem auf die S3-Leitlinie, die auf Basis von Metaanalysen gezeigt habe, dass StäB mehr Vorteile als Nachteile hat: Die Menschen sind insgesamt zufriedener, haben in Summe weniger Krankenhausaufenthalte und die Heilungschancen sowie Kosteneffektivität sind bei beiden Behandlungsvarianten ungefähr gleich. 

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt nun die Aktiv-Studie zur StäB: 

  • StäB wurde sowohl von den Betroffenen als auch den Angehörigen positiver erlebt. Sie fühlten sich mehr in Entscheidungen einbezogen und waren insgesamt zufriedener als die Patienten einer stationären Behandlung. 
  • Auch die Hypothese, dass innerhalb der zwölf Monate die stationäre Wiederaufnahmerate nach einer StäB signifikant geringer ausfalle als im Vergleich zu einer vollstationären Behandlung, bestätigte sich: Der Unterschied liegt bei knapp 20 Prozent, auch unter Einbezug der teilstationären Behandlungen. 
  • Die StäB-Gruppe hat insgesamt immer weniger Krankenhausleistungen in Anspruch genommen.
  • Bei anderen Charakteristika (Lebensqualität, psychosoziales Funktionsniveau, klinische Symptome) gab es keine signifikanten Unterschiede. 
  • Die Mitarbeitenden der StäB sind relativ zufrieden. Dabei spielt die Zusammensetzung des Teams für die Praktiker eine große Rolle. 
  • Ob die StäB auf dem Land oder im urbanen Raum stattfindet, wie viele Personen beteiligt sind oder welche Größe das Krankenhaus hat – diese Fragen hatten keinen Einfluss auf die Behandlungsergebnisse. 
  • Die Kosten waren bei StäB und stationärer Behandlung in etwa gleich hoch. StäB dauert etwas länger – neun Tage mehr – als die vollstationäre Behandlung, zugleich wurden damit circa sieben Krankenhaustage im Schnitt eingespart, so dass sich die Ausgaben etwa die Waage halten. 

Zehn Standorte in Süddeutschland und Brandenburg waren an der Studie beteiligt. 200 StäB-Patienten und 200 vollstationäre Patienten wurden nach den klinischen Charakteristika (Alter, Geschlecht, Menge der Voraufenthalte, Diagnosegruppen) zueinander passend als Probanden ausgewählt. Auschlaggebendes Kriterium war die stationäre Wiederaufnahmerate. Bei den Diagnosegruppen handelte es sich hauptsächlich um Personen mit Depressionen und Psychosen. 

Globalbudgets bringen Flexibilität

„StäB ist gelebte Realität“, verdeutlicht Bschor. „Doch für die weitere Transformation wäre eine Flexibilisierung der StäB ein klarer Schritt vorwärts.“ Konkret schlägt er auf den Bedarf ausgerichtete Behandlungen und angepasste Vergütungen vor. Auch eine Verschmelzung mit der aufsuchenden Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) sei denkbar – insbesondere auch, um die zahlreichen Vergütungs- und Versorgungssysteme zu reduzieren. „Globalbudgets bringen genau diese Flexibilität: Man bekommt Geld für die Versorgung innerhalb der Region und kann es dem medizinischen Bedarf entsprechend – stationär, ambulant oder tagesklinisch – zusammenstellen“, so der Chef der Regierungskommission. „Der politische Wille ist da, die Globalbudgets nicht mehr als Modellprojekte sondern als optionale Regelversorgung zu etablieren. Das heißt im Wesentlichen: Das Krankenhaus kann sich in dem Fall aussuchen, ob es bei PEPP bleibt oder Globalbudgets wählt.“ Dafür wäre das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG), der perfekte Ort, sagt er. Der Entwurf kam am 12. April. Zwar seien die Globalbudgets noch nicht drin, doch es gebe viele Befürworter in der Regierung und im Parlament, diese Option einzuführen, so Bschor. 

Das GVSG sei der richtige Ort, um die Idee der Globalbudgets zu platzieren, befürwortet auch Kappert-Gonther. Auch die erfolgreiche Evaluation der Modellprojekte habe gezeigt, dass die Einführung der Globalbudgets als Optionsmodell sinnvoll sei, so die Grünen-Politikerin. „Und solange wir die Globalbudgets noch nicht flächendeckend haben, ist es – da stimme ich Tom Bschor zu – absolut sinnvoll, die StäB zu flexibilisieren“, so Kappert-Gonther, „und beispielsweise immer individuell zu entscheiden, wer stationäre Schutzräume, StäB oder ambulante Angebote braucht“. 

Aufsuchende Krisenbehandlung mit teambasierter und integrierter Versorgung (Aktiv-Studie)

Die Aktiv-Studie hat die Art der Implementierung, die Behandlungsprozesse, die klinische Wirksamkeit, stationäre Wiederaufnahmeraten und die Kosten einer stationsäquivalenten Behandlung (StäB) nach § 115 d SGB V im Vergleich zur konventionellen stationären Behandlung untersucht. Dabei wurde die Eignung der StäB für unterschiedliche Zielgruppen, Versorgungssettings und Versorgungsregionen geprüft. Das Projekt zeigt, wie die klinische und psychosoziale Situation sowie die Versorgungsqualität für Menschen in akuten psychischen Krisen verbessert werden können und wie sich die StäB im Versorgungssystem wirksam implementieren lässt. Die Studie wurde für 42 Monate mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. 

Konsortialpartner 

  • Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • kbo-Isar-Amper Klinikum München
  • Universität Bremen
  • Universität Ulm
  • Universitätsklinikum Tübingen
  • Vivantes Netzwerk für Gesundheit
  • ZfP Südwürttemberg

Autor

 Anika Büchner

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