„Der Herbst der Reformen muss jetzt kommen“, sagte BVMed-Vorstandsvorsitzender Mark Jalaß. Notwendig seien ein abgestimmtes und ressortübergreifendes Handeln der Bundesregierung sowie verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Die anstehende Medtech-Strategie müsse die Branche als Leitindustrie anerkennen und der begonnene Dialog zwischen Politik und Unternehmen verstetigt werden.
Die Medizintechnikbranche beschäftigt nach BVMed-Angaben mehr als 210.000 Menschen in Deutschland, erwirtschaftet rund 55 Milliarden Euro Umsatz und ist mit einem Mittelstandsanteil von 93 Prozent geprägt. Gleichzeitig sei sie ein wichtiger Innovationsmotor für das Gesundheitswesen, von Diagnostik und Therapie bis zur Nachsorge. Moderne Medizintechnologien sowie daten- und KI-gestützte Lösungen könnten nach Auffassung des Verbands einen wesentlichen Beitrag zu einer effizienteren Versorgung und zur Entlastung des medizinischen Personals leisten.
BVMed fordert MDR-Reform
Zu den zentralen Forderungen des Verbands gehören eine schnellere Umsetzung der angekündigten Medtech-Strategie, weniger Bürokratie, eine Reform der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR), bessere Exportbedingungen sowie mehr Planungssicherheit für Unternehmen.
Besonderen Handlungsbedarf sieht der BVMed beim Zugang von Innovationen in die Versorgung. Bewertungs- und Erstattungsverfahren müssten transparenter, kalkulierbarer und schneller werden. Kritik äußert der Verband insbesondere am Verfahren für Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB). Gefordert werden verbindliche Fristen, nachvollziehbare Entscheidungen und klar geregelte Übergänge in regionale Vergütungsverhandlungen.
Ruf nach ergebnisorientierter Vergütung
Zudem plädiert der BVMed für mehr Spielräume bei der Erprobung neuer Technologien. Forschungsergebnisse und Real-World-Daten sollten stärker in Nutzenbewertungen einfließen. Als Vorbild nennt der Verband Modellregionen und Modellprojekte mit zeitlich befristeter Erstattung, während gleichzeitig Evidenz für den späteren Regelbetrieb gesammelt wird.
In diesem Zusammenhang spricht sich der BVMed auch für neue Vergütungsmodelle aus. Statt Innovationen vor allem über Preisabschläge zu finanzieren, sollten nach Ansicht von Jalaß ergebnis- und qualitätsorientierte Vergütungsansätze erprobt werden. Innovationen müssten stärker als Hebel für Effizienz und bessere Versorgungsergebnisse verstanden werden. „Wir müssen Innovationen als Effizienzhebel begreifen, nicht nur als Ausgabenposition“, so der BVMed-Vorsitzende.
Verband gegen Ausschreibung im Hilfsmittelbereich
Ein weiterer Schwerpunkt des Forderungskatalogs ist die Digitalisierung. Der Verband fordert einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsdaten, verbindliche Interoperabilitätsstandards, eine stärkere Nutzung von Künstlicher Intelligenz sowie den flächendeckenden Einsatz von Telemonitoring-Lösungen.
Gleichzeitig lehnt der BVMed die vom Bundesgesundheitsministerium diskutierte Wiedereinführung von Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich strikt ab. Frühere Erfahrungen hätten gezeigt, dass solche Verfahren die Versorgungsqualität verschlechtern, ohne nennenswerte Kosteneinsparungen zu erzielen.
mau
