Die Charité – Universitätsmedizin Berlin führt mit „Clé“ eine zentrale KI-Plattform für Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung ein.
Die Lösung läuft auf eigener Infrastruktur des Universitätsklinikums und soll den datenschutzkonformen Einsatz verschiedener KI-Modelle ermöglichen. Nach Abschluss der Testphase startet nun laut einer Pressemitteilung der Charité der schrittweise Rollout für alle Mitarbeiter.
KI-Plattform bündelt Modelle und Anwendungen
Die Plattform Clé dient als gemeinsame Arbeits- und Entwicklungsumgebung für unterschiedliche Einsatzbereiche. Sie vereint mehrere austauschbare Sprach- und Bildmodelle, eine Chat-Oberfläche sowie Funktionen zur Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten. Über Programmierschnittstellen können Fachbereiche und Forscher die Modelle in eigene Anwendungen und Arbeitsabläufe integrieren. Die Nutzung erfolgt über eine zentrale Anmeldung. Technische Schutzmechanismen und eine Protokollierung der Nutzung sollen einheitliche Sicherheitsstandards gewährleisten.
Die Charité betreibt die Plattform auf eigenen Servern. Mitarbeiter können dadurch mit internen Dokumenten und dienstlichen Informationen arbeiten, ohne Daten an externe Anbieter zu übermitteln. Für die Nutzung gelten die Datenschutz- und Sicherheitsvorgaben der Einrichtung. Ergänzend setzt die Charité auf verpflichtende Schulungen und einen stufenweisen Rollout.
Einsatzfelder in Versorgung, Forschung und Verwaltung
In der Krankenversorgung soll die KI-Plattform bei administrativen Aufgaben wie der Strukturierung von Dokumenten oder der Aufbereitung von Informationen unterstützen. Das System ist laut Charité nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen.
In der Forschung ermöglicht Clé unter anderem die Entwicklung eigener Anwendungen sowie die Analyse umfangreicher Text- und Dokumentenbestände. Gleichzeitig dient die Plattform als Forschungsumgebung für den sicheren Einsatz großer Sprachmodelle in der Medizin. In der Lehre kann sie bei der Erstellung von Unterrichtsmaterialien unterstützen.
Für die Verwaltung nennt die Charité Einsatzmöglichkeiten in Wissensdatenbanken, bei Übersetzungen, der Formularauswertung, im Erlös- und Personalmanagement sowie im IT-Support. In einem Pilotprojekt verkürzte sich die Zeit zur Umwandlung von Dokumenten in strukturierte Daten von durchschnittlich 30 auf zwei Minuten. Bei 1.800 Dokumenten entsprach dies nach Angaben der Charité einer Einsparung von 105 Arbeitstagen.
Weitere Ausbaustufen mit KI-Agenten geplant
Die Plattform bildet nach Angaben der Charité die Grundlage für spätere KI-Agenten. Diese sollen künftig mehrstufige Aufgaben übernehmen, etwa Dokumente auswerten, Daten zusammenführen und analysieren oder Entwürfe vorbereiten. Perspektivisch ist eine Anbindung an weitere Systeme der Charité vorgesehen.
Entwickelt wurde Clé von der Ascléa GmbH, einer Ausgründung der Charité und des Deutschen Herzzentrums der Charité. Den Betrieb verantworten das Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin und der Geschäftsbereich IT auf Charité-eigener Infrastruktur. Weitere Bereiche unterstützen das Projekt bei Technologieentwicklung sowie Datenschutz- und Compliance-Fragen.
ab
