DRG-Forum Pflegemanagement

Staatssekretär: „Das akademische Ende in der Pflege ist zu dünn“

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Staatssekretär: „Das akademische Ende in der Pflege ist zu dünn“
Rolf Schmachtenberg © Regina Sablotny

Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär Arbeitsministerium, vertrat Bundesminister Hubertus Heil auf dem 20. DRG-Forum, der kurzfristig abgesagt hatte. Die Mitarbeiter in der Gesundheitsversorgung seien in der Pandemie über sich hinausgewachsen, unterstrich Schmachtenberg: „Dazu zählen auch die Reinigungskräfte, auch sie sind systemrelevant.“ Krankenhausbetten zu reinigen sei mehr als mit einem Lappen über das Bett zu wischen – und diese Arbeit müsse vernünftig bezahlt werden, so der Staatssekretär. Den Schlüssel dafür sieht er in Tarifverträgen. „Die brauchen wir nicht nur in der Industrie, sondern überall.“

Er habe gehofft, diesbezüglich mit einer guten Nachricht im Gepäck zum DRG-Forum zu kommen, erklärte Schmachtenberg – und spielte damit auf den Tarifvertrag für die Altenpflege an, der an der Caritas gescheitert war. Der Druck sei nach diesem Aus aber spürbar gestiegen und so hofft der Mann aus Heils Ministerium, dass eine Einigung der Parteien doch noch (irgendwann) zustande kommt. „Man muss da einen langen Atem haben“, sagte Schmachtenberg. Der Staatssekretär signalisierte immer wieder, dass sein Haus beim Thema Pflegelohn dran bleibe. Gute Dienste hätte dabei die Pflegekommission geleistet – etwa bei der Erhöhung des Mindestlohns für Pflegehilfskräfte. Deshalb werde das Ministerium demnächst eine 5. Pflegekommission einsetzen. Der Exodus der Pflegekräfte aus ihrem Berufsfeld sei nur durch bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. In Dänemark bekomme ein Berufsanfänger 3.000 Euro, so Schmachtenberg. „Ich weiß, dass solche Länder wie Dänemark Pflegekräfte in Deutschland abwerben.“

Ausländische Pflegekräfte abwerben ist moralisch in Ordnung

Anders herum wirbt auch Deutschland Pflegekräfte aus dem Ausland ab, etwa in Mexiko. Ob er das moralisch für vertretbar halte, fragte Moderatorin Vera Lux, Pflegedirektorin der Medizinischen Hochschule Hannover. Im Vergleich zu anderen Branchen sei der Anteil ausländischer Mitarbeiter in der Pflege unterdurchschnittlich, entgegnete Schmachtenberg und ja – in Ländern die ein anderes „demografisches Muster“ als Deutschland hätten, dürfe man abwerben. Insgesamt sei das Thema Pflege die „Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts“, glaubt Schmachtenberg.

Pflegekammer? Klingt ganz gut.

Angesprochen auf seine Meinung zu Pflegekammern blieb der Staatssekretär vage. „Wir halten selbstverwaltete Strukturen für eine Stärke des deutschen Systems.“ Durch sie sei man in der Lage, schnell und differenziert zu handeln. „Deshalb bin ich ein Freund der Selbstverwaltung.“ Eindeutig für Pflegekammern wollte sich das SPD-Mitglied aber nicht aussprechen. Moderatorin Lux bemerkte, dass die Pflege im selbstverwalteten System – etwa dem Gemeinsamen Bundesausschuss – gerade nicht besonders gut vertreten sei. 

Pflegestudium läuft gut an

2019 hätten 8 Prozent mehr Menschen eine Pflegeausbildung begonnen als im Jahr zuvor, berichtet der Staatsekretär. Auch die generalistische Pflegeausbildung bekomme mehr Zulauf – genaue Zahlen der Bundesländer lägen allerdings noch nicht vor. Moderatorin Lux befragte Schmachtenberg zur Akademisierungsquote in der Pflege – sie liegt derzeit bei rund drei Prozent in Deutschland. Das „akademisches Ende“ der Pflegekräfte sei dünn, „das sollten wir ausbauen“, bekräftigte der Staatssekretär. Der erste Schritt sei gemacht, mittlerweile würden schon 30 Hochschulen ein Pflegestudium anbieten. Schmachtenberg unterstrich aber auch, wie wichtig das duale System in Deutschland sei. „Davon sollten wir nicht abkehren, denn so erreichen wir Menschen, die sich keine akademische Ausbildung zutrauen.“ Was die Akademisierungsquote betrifft, hatte der Wissenschaftsrat 10 bis 20 Prozent als Zielmarke vorgeschlagen – diesem Vorschlag schließt sich der Staatssekretär an. Wenn das erreicht sei, müsse man neu bewerten. 

Software-Helfer statt Pflegeroboter

Schmachtenberg äußerte sich auch zum Thema KI in der Pflege. Er setzt weniger auf Innovationen durch Pflegeroboter, sondern hofft eher auf Software, die bei der Pflegedokumentation hilft. „Auf die Praxis zugeschnittene Angebote durch die Digitaltechnik“ seien schon in der Anwendung und müssten in Zukunft stärker zum Einsatz kommen. Die Pandemie, so sein Eindruck, wirke wie Dünger auf die Digitalisierung. „Das ist bei allem Leid in der Krise auch eine Chance.“ 

Autor

 Jens Mau

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