Politische Auftaktveranstaltung

20. DRG-Forum: Mut zum Aufbruch

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Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie leistungsfähig und agil Krankenhäuser sind, mit welchem Engagement sich alle Beteiligten im vergangenen Jahr eingesetzt haben und dies auch weiterhin tun. Die Corona-Pandemie hat aber auch gezeigt, wo es noch Handlungsbedarf im deutschen Gesundheitssystem gibt. Nachholbedarf gebe es beispielsweise noch in der Digitalisierung, führte Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) aus. Gemeinsam mit weiteren Spitzenvertretern aus dem Gesundheitssystem und unter Moderation von Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Chairman des health innovation hub, sprach er auf dem 20. DRG-Forum am Donnerstag. Mängel gebe es in der Datenübermittlung und der digitalen Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern und anderen Partnern, so Gaß. Ein weiteres Thema sei der Personalfachkräftemangel, wofür es ein klares Umdenken brauche, um den nötigen Nachwuchs auch in Zukunft gewinnen zu können. 

Als beruhigend empfand Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, die Reaktionsfähigkeit der Krankenhäuser angesichts eines neuartigen Virus. Auch habe man innerhalb kurzer Zeit transparente Steuerungsinstrumente schaffen können, wie das Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Das sei eine Anregung dafür, diesen Ansatz auszuweiten. Die Freihaltepauschale bewertete Stoff-Ahnis am Donnerstagvormittag zwar als wichtig für eine Überbrückung, mit den Freihalte- und Leerstandsfinanzierungen habe man aber Ausgleichsysteme gefunden, die auf Dauer nicht leistbar seien. „Im Zeitraffer hat sich gezeigt, was wir im Krankenhausbereich brauchen, auch an Strukturreform und Weiterentwicklung.“

Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) will der Gesetzgeber die erkannten Defizite in der Digitalisierung nachbessern. Maria Klein-Schmeink, Gesundheitspolitische Sprecherin, Die Grünen, forderte, den Bund auch langfristig in die Verantwortung der Krankenhausinvestitionsfinanzierung zu nehmen, da die Länder nicht in der Lage seien, ihren Auftrag zu erfüllen. „Zu jedem Euro, der über die Länder kommt, sollte auch ein Euro über den Bund kommen.“ Die Mittel im KHZG seien ein erster Schritt, sagte Klein-Schmeink. Sorge habe sie jedoch, dass wegen der engen Zeitplanung nicht sachgerechte Entscheidungen getroffen werden könnten, die nicht alle bedarfsnotwendigen Krankenhäuser auf ein Zukunftslevel brächten. „Es ist der Auftakt zu einem Neuaufbruch in der Krankenhauspolitik insgesamt.“ 

„Corona hat einen Boost für die Digitalisierung gebracht“, sagte Dr. Josef Düllings, Präsident, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands. Nun versuche man aber in wenigen Jahren das nachzuholen, was man über zehn, zwanzig Jahren nicht gemacht habe, erinnerte er. Die Digitalisierung habe ein hohes Wertschöpfungspotenzial in der Vernetzung. Im Kreis Paderborn schaffe man mit Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen eine digitale Gesundheitsplattform, also eine Vernetzung der fünf Krankenhäuser und 110 Arztpraxen, mit der man Ende 2022 fertig sein wolle. So stellt Düllings sich das auch flächendeckend vor. Es brauche weiterhin Grundversorger, sagte er, die Schnittstelle zur ambulanten Versorgung müsse jedoch neugeregelt werden. Die Zukunft sei, Highend-Medizin über Vernetzung in die Grundversorgung zu bringen. An einer Strukturdebatte wolle man sich beteiligen, aber sie müsse evidenzbasiert stattfinden. 

„Wir brauchen eine Politik, die sich nicht mehr hinter einem schleichenden, ungesteuerten Strukturwandel versteckt“, appellierte Gaß. Die Politik müsse den Strukturwandel mit einem zwischen Bund und Ländern abgestimmten Zielbild versehen. Zudem brauche es den Mut der Politik, die alleinige Zuständigkeit der Kassenärztliche Vereinigung  für die ambulante Versorgung aufzuheben und für eine Versorgungsplanung, die stationäre sowie ambulante Versorgung zusammendenke und Krankenhäuser in ländlichen Räumen zu „echten“ sektorenübergreifenden Gesundheitszentren weiterentwickele. 

Autor

 Christina Spies

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