Fachkräfte sind knapp. Umso wichtiger ist moderne Personalarbeit. Viele Krankenhäuser haben dabei noch Nachholbedarf, kommentiert Heinz Lohmann.
Als ich vor 35 Jahren Personalvorstand in einem Gesundheitsunternehmen mit mehr als 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde, habe ich in allen zehn Krankenhäusern Antrittsbesuche absolviert. Fast überall musste ich zur Besichtigung der Personalabteilungen in den Keller hinabsteigen. Personalarbeit bestand ganz wesentlich daraus, den Personalakten Krankmeldungen und Urlaubsscheine hinzuzufügen. Für jede freiwerdende Stelle gab es sehr lange Bewerbungslisten. Aktiv musste eigentlich nur gelegentlich ein Kündigungsverfahren geführt werden. Aus diesem Grunde waren die Personalabteilungsleiterinnen oder -leiter praktisch immer Juristinnen und Juristen. Als wir Mitte der 1990er-Jahre erstmals eine Personalentwicklerin in der Konzernzentrale eingestellt haben, hielt sich die Begeisterung in engen Grenzen: „Herr Lohmann, wozu brauchen wir die denn?“
Personalarbeit im Krankenhaus ist ausbaufähig
Inzwischen sind gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gesundheitswirtschaft geschätzte Raritäten geworden. Es ist kaum noch vorstellbar, dass damals jungen Ärztinnen und Ärzten empfohlen wurde, doch bitte nach erfolgreich abgeschlossenem Medizinstudium erstmal ins Ausland aufzubrechen, um dann später auf dem Arbeitsmarkt überhaupt eine Chance zu haben. Absolventinnen und Absolventen der Pflegeausbildung drohte regelhaft die Nichtübernahme in ein festes Arbeitsverhältnis. Häufig mussten Wartezeiten und befristete Verträge in Kauf genommen werden, um dann vielleicht doch noch vollwertiges Mitglied der Branche werden zu können. Es scheint so, dass diese längst vergangenen Zeiten kulturelle Nachwirkungen tätigen. Trotz Personalknappheit seit vielen Jahren ist die Personalarbeit in der Gesundheitswirtschaft ausbaufähig.
Wenn es darum geht, moderne Methoden und Technologien in Krankenhäusern zu nutzen, dann finden sich Personalabteilungen im Vergleich mit anderen Branchen eher im unteren Drittel wieder. Aus dem Keller sind sie raus, aber weiter nach oben ist noch Luft. Was anderswo täglich geübte Praxis ist, befindet sich bei uns häufig noch im Stadium eines Vorzeigeprojektes. Wer genau hinschaut, sieht Karopapier, Bleistift und Radiergummi bei der Personaleinsatzplanung im weitverbreiteten Einsatz. Dabei gibt es seit geraumer Zeit exzellente Software, die etwa die Rotationsplanung zum Kinderspiel macht. Trotz Knappheit leisten wir uns viel zu häufig die aufwändige Kompensation von mangelnder technischer Modernität durch Einsatz knappster und teurer Personalressourcen. Wir vergeuden menschliche Arbeitskraft und frustrieren damit letztendlich auch noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
KI nutzen und neue Arbeitskräfte finden
Auch bei der Personalsuche gibt es längst neue Wege, um zum Erfolg zu kommen. Wer nur die Menschen anspricht, die bereits wechselwillig sind, kann lediglich aus einer eng umgrenzten Gruppe auswählen. Andere Branchen nutzen regelhaft KI-gestützte IT-Programme, um alle geeigneten Expertinnen und Experten der Region anzusprechen. Viele von ihnen wissen noch gar nicht, dass sie auch anderswo begehrt sind und sich dort vielleicht beruflich weiterentwickeln können. Wer im Krankenhaus am Schreibtisch sitzt und auf Bewerbungen wartet, verpasst die Juwelen des Arbeitsmarktes. Mit Hilfe modernster Technologie aktiv sein zu können, ist überlebensnotwendig.
Zu Recht fordern Krankenhausmanagerinnen und -manager mehr Gestaltungsfreiheiten von der Politik und ebenfalls zu Recht beklagen sie die massenhafte Zunahme kleinkarierter Paragrafen durch immer mehr Gesetze. Aber es gibt genauso Freiräume, die nicht zupackend genutzt werden. Die Personalarbeit bei den Gesundheitsanbietern gehört dazu. Das müssen wir rasch ändern. Die Personalabteilung gehört in die Cloud.

