Hygiene

Sicher arbeiten

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  • 05.05.2020
Ausgabe 4/2020

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Ausgabe 4/2020

Seite 348

Sicher arbeiten

Patienten gelangen heute früher in die ambulante Versorgung – das macht eine höhere Aufmerksamkeit für infektionspräventive Maßnahmen notwendig. Erfolgreiche Entwicklungen im stationären Bereich wie die Aktion „Saubere Hände“ können auch in ambulanten Einrichtungen die Patientensicherheit steigern, schreibt unser Autor.

Die Umsetzung von Hygienemaßnahmen spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahrung von Patientensicherheit im Gesundheitswesen. Anforderungen an die Hygiene umfassen die Reduktion von vermeidbaren Infektionen und Übertragungen von potenziellen Pathogenen. Infektionen sowie der Erwerb von multiresistenten Erregern stellen eine zentrale Sorge von Patienten und deren Angehörigen bei der Versorgung im Gesundheitswesen dar. Um eine effektive Etablierung und sinnhafte Umsetzung von Hygienemaßnahmen zu unterstützen, wurden relevante Aspekte im Infektionsschutzgesetz (IfSG) verankert. Anforderungen aus diesem Gesetzestext schließen Krankenhäuser, andere stationäre Einrichtungen oder Zentren für das ambulante Operieren mit ein sowie, abhängig von der individuellen Festlegung von Bundesländern, auch weitere Versorgungsstrukturen des ambulanten Sektors über die grundlegenden rechtlichen Anforderungen. Generell sind gesetzliche Empfehlungen unabhängig vom Versorgungssektor umzusetzen.

Das Infektionsrisiko für einzelne Patienten wurde in der ambulanten Versorgung als gering eingeschätzt. Diese Einschätzung ergibt sich aus der vermeintlich geringeren Invasivität der medizinischen Maßnahmen im Vergleich zur stationären Versorgung. Des Weiteren sind nur wenige Untersuchungen und strukturierte Daten im deutschsprachigen Gesundheitswesen verfügbar, die eine realistische Bewertung ermöglichen.

In den vergangenen Jahren haben jedoch entscheidende Veränderungen in der Krankenversorgung stattgefunden: Neben dem demografischen Wandel führen auch kürzere stationäre Liegezeiten dazu, dass Patienten mit einem höheren Anteil von Komorbiditäten früher in die ambulante Versorgung gelangen. Darüber hinaus wird eine Vielzahl von invasiven diagnostischen und therapeutischen Behandlungen mittlerweile auch im ambulanten Sektor angeboten und durchgeführt.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat in einer eigenen interdisziplinären Arbeitsgruppe relevante Kernthemen der Infektionsprävention in der ambulanten Versorgung identifiziert. Die erarbeitete Handlungsempfehlung gibt Einblicke in bestehende Anforderungen. Die Umsetzung von relevanten Kernstrategien und Potenzial können mittels Checklisten überprüft und identifiziert werden.

Darüber hinaus stellt das Hygienekompetenzzentrum der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, das die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg leitet, Interessierten ein großes Angebot an Informationsmaterialien mit Praxisbezug zur Verfügung. Der Leitfaden „Hygiene in der Arztpraxis“ dient hierbei als zentrales Nachschlagewerk. Rechtliche Rahmenbedingungen, praktische Erfahrungswerte und der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisstand werden berücksichtigt und dem Anwender präsentiert. Zudem gibt es Hilfestellung und Beispiele zur Erarbeitung eines Hygieneplans, welcher die festgelegten Maßnahmen beschreibt und eine Übersicht vermittelt.

Unsicherheiten in der ambulanten Versorgung

Die Veränderungen der Möglichkeiten, die in der ambulanten Versorgung stattfinden, machen eine gesteigerte Aufmerksamkeit für infektionspräventive Maßnahmen notwendig. Dennoch bestehen zum Teil deutliche Unterschiede in der Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen und deren praktische Umsetzung. Am Beispiel von multiresistenten bakteriellen Erregern werden diese deutlich: In der ambulanten Versorgung existieren erhebliche Unsicherheiten, wie mit Patienten im praktischen Alltag umzugehen ist, die mit einem multiresistentem Bakterium kolonisiert sind. Bei der überwiegenden Mehrzahl dieser Patienten gibt es im Normalfall keine besonderen Empfehlungen, die einzuhalten sind. Die Versorgung der Patienten sollte so gestaltet sein, dass unabhängig vom Status des Patienten eine Übertragung vermieden wird. Ausnahme können hierbei gewisse Risikobereiche wie Sprechstunden oder Ambulanzen für Patienten mit Zystischer Fibrose, hämato-onkologischen Erkrankungen oder Transplantation darstellen. Hier gilt es, potenzielle Risikobereiche und geeignete Maßnahmen individuell festzulegen.

Die Vermeidung von Übertragungen von Infektionserregern indessen gestaltet sich häufig als komplex. Insbesondere saisonal auftretende Infektionserkrankungen der Atemwege wie zum Beispiel Influenza führen zu gesteigerten Konsultationsanlässen. Die Versorgung solcher primär ambulanten Patienten wird zukünftig stärker als bisher in Notaufnahmen stattfinden. Hierbei spielen neben diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten hauptsächlich infektionspräventive sowie auch arbeitsmedizinische Abläufe zur Reduktion des Übertragungsrisikos und damit zur Sicherung der Versorgung eine Rolle.

Impfschutz regelhaft prüfen und anbieten

Aufseiten der Patienten wird mittels infektionspräventiver Maßnahmen wie dem Tragen von Mund-Nase-Schutz oder der hygienischen Händedesinfektion versucht, das akute Übertragungsrisiko zu verringern. Darüber hinaus können jedoch Strukturen geschaffen werden, bei denen Patienten regelhaft auf bestehenden Impfschutz überprüft, ausstehende Schutzimpfungen angeboten und durchgeführt werden. Dies führt effektiv dazu, bestehende Impflücken zu schließen und rechtzeitig Patienten zu schützen. Ein effektives Impfmanagement bezieht sich auch auf Mitarbeiter. Vor allem solche, die in die unmittelbare Patientenversorgung eingebunden sind, haben nicht nur ein erhöhtes Infektionsrisiko, sondern stellen auch eine potenzielle Infektionsquelle für Patienten dar.

Standardhygienemaßnahmen stellen hierbei fachgruppenübergreifend eine Grundbedingung dar, um die Entstehung von vermeidbaren Infektionen und Übertragungen effektiv zu minimieren. Dabei handelt es sich primär im Versorgungsalltag um die hygienische Händedesinfektion nach den fünf Momenten der Händedesinfektion, ergänzt von der indikationsbezogenen Verwendung persönlicher Schutzausrüstung. In den mehr als 900 Krankenhäusern in Deutschland, die an der Aktion „Saubere Hände“ teilnehmen, hat sich der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln in den vergangen zwölf Jahren knapp verdoppelt. Auch die direkt beobachtete Compliance der fünf Momente hat sich als Methode in über 400 Krankenhäusern auf fast 2.000 Stationen etabliert und dokumentiert eine verbesserte Situation.

Ähnlich erfolgreiche Entwicklungen können in der ambulanten Versorgung bisher noch nicht beschrieben werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass keine Entwicklung stattfindet. Anscheinend sind bestehende Angebote für eine Vielzahl von Anwendern in der ambulanten Versorgung bisher nicht von ausreichender Attraktivität und haben nicht vom entstehenden Mehrwert überzeugt. Aus diesem Grund wurden hier vielfach keine nachhaltigen Verbesserungen in Bezug auf die hygienische Händedesinfektion dokumentiert.

Auch die Einführung und Umsetzung von Maßnahmen zur sicheren Vorbereitung und Anwendung von Injektionen und Infusionen sind von entscheidender Bedeutung. Sowohl bei der Vorbereitung als auch der Applikation kann es zu Kontaminationen kommen, aus der Blutstrominfektionen und andere Komplikationen resultieren können. Strukturierte Abläufe helfen, solche Ereignisse zu reduzieren. Hierbei sollte der Fokus auf der adäquaten aseptischen Vorbereitung und unmittelbaren Anwendung ohne unsichere Lagerung liegen. Kenntnisse zur Verwendung von Eindosisbehältnissen und die korrekte Entnahme aus Mehrdosisbehältnissen können die Patientensicherheit nachhaltig steigern. Insbesondere die Einarbeitung neuer Mitarbeiter bietet Gelegenheit, interne Standards zu schulen.

Medizinprodukte: Aufbereitung organisieren

Anforderungen an die Aufbereitung von Medizinprodukten stellen eine weitere Säule der Patientensicherheit im Gesundheitswesen dar. Für Krankenhäuser leisten die validierte Aufbereitung meist externe Dienstleister oder interne Zentrale Sterilgutversorgungsabteilungen (ZSVA), welche in aller Regel über eine Qualitätssicherung verfügen. In der ambulanten medizinischen Versorgung sind ähnliche Kooperationen ebenfalls etabliert. Insbesondere in Einrichtungen mit invasivem Spektrum und höheren Fallzahlen sind validierte Aufbereitungsprozesse organisiert und geschultes Personal vorhanden. Dies deutet auf eine gesteigerte Wahrnehmung von potenziellen Infektionsrisiken für Patienten hin. In kleineren Einrichtungen finden sich Aufbereitungsprozesse, bei denen die Wirksamkeit der durchgeführten Aufbereitung nicht bewiesen oder unklar ist. Ein regelhafter Grund für diese Situation sind mangelnde Kenntnis der Anforderungen und der daraus resultierenden Risiken sowie fehlende Expertise oder unklare Festlegung von Verantwortlichkeiten in der Belegschaft.

Die Umsetzung von empfohlenen Maßnahmen in der Infektionsprävention steigert die Sicherheit von Patienten in der medizinischen Versorgung. Wer sich mit ihnen in der eigenen Einrichtung auseinandersetzt, identifiziert Verbesserungspotenzial im Sinne der Patienten-sicherheit. Den leitenden Mitarbeitern kommt die verantwortungsvolle Aufgabe zu, eine Einstellung zu entwickeln und diese in ihre Vorbildfunktion umzusetzen. Hierdurch ermöglichen sie Mitarbeitern, die Relevanz der Thematik zu erfassen und die Umsetzung im klinischen Alltag zu leisten.

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