Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank entdeckt den angestellten Arzt

Alte Bank folgt neuen Kunden

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  • 01.04.2007
Ausgabe 4/2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 4/2007

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apo) richtet sich neu aus und begleitet angestellte Ärzte und Medizinische Versorgungszentren, bevor der letzte Landarzt seine Praxis schließt.

Düsseldorf, westliche Rheinseite, Richard-Oskar-Mattern-Straße: Eine Straße, die in vielen Stadtplänen fehlt und die Navigationsgeräte nicht kennen, weil sie eigens für die Bank gebaut und nach deren Gründer benannt wurde. Doch zu verstecken braucht sich die Apo-Bank nicht. Als Marktführer im Segment der Heilberufe und mit neuen Rekordzahlen in der Bilanz blickt die Bank selbstbewusst in die Zukunft. Sie war viele Jahre „Die Bank der Heilberufe".  Heute heißt ihr Namenszusatz „Bank im Gesundheitswesen". Doch der Wandel in den Köpfen der Kunden braucht mehr Zeit als der Wechsel auf dem Namensschild.
 
Den Genossen fällt der Wandel schwer

So äußerten Eigentümer des Unternehmens auf der jüngsten Vertreterversammlung Kritik an der Geschäftsstrategie. Vorstandssprecher Günter Preuß sprach von einer „Zäsur" im Vertragsarztrecht, auf welche die Heilberufe und die Bank reagieren müssten. „Nicht dem kassenhörigen, nein, dem unternehmerisch denkenden und zupackenden Heilberufler gehört die Zukunft", sagte Preuß. Diesen Veränderungen dürfe sich auch die Bank nicht verschließen: „Wir müssen uns deshalb in abgestuften Prioritäten auch Geschäftsmodellen zuwenden, die angestellte Heilberufsangehörige einbeziehen. Das schließt in letzter Konsequenz auch Geschäftsmodelle ein, die von Trägern der stationären Medizin ausgehen."

Heilberufler misstrauen den neuen Strukturen
Dass die Geschäftsstrategie so breit und öffentlich diskutiert wird, liegt an der Struktur der Genossenschaft. Die Vertreterversammlung wird von den Mitgliedern gewählt – das sind die Heilberufler, mit anderen Worten die Kunden des Unternehmens. Und die wiederum beobachten die Entwicklungen im ambulanten Gesundheitswesen kritisch, speziell die der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sogar misstrauisch. Dass nun ausgerechnet ihre Bank den oft als Konkurrenz betrachteten MVZ mit Kredit und Beratung zur Seite stehen will, erscheint manchem Standesvertreter, aber auch einigen Ärzten, Zahnärzten und Apothekern – und damit den Kunden – unverständlich.

Der Arzt als Einzelkämpfer hat keine Zukunft
In der Düsseldorfer Zentrale ist man sich bewusst, dass die Neuausrichtung auch kritische Stimmen auslösen musste. „Darauf haben wir uns eingestellt", sagt Kommunikationschef Manfred Hermes. Auch Heßbrügge ist überzeugt, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist. „Wir waren von der Stunde Null an beim Thema MVZ dabei – und das war richtig so", sagt der Direktor Gesundheitsmärkte und -politik. Er legt Wert auf die Feststellung, dass sein Unternehmen auch künftig den niedergelassenen Landarzt, den allein praktizierenden Zahnarzt und den Apotheker um die Ecke als Kunden umwirbt.

Im Unterschied zu früher wird diese Kundschaft aber nicht mehr die einzige sein. „Die Entwicklung der MVZ lässt erahnen, dass der niedergelassene Arzt als Einzelkämpfer nicht länger der Regelfall sein wird. Das gilt nachvollziehbar für Fachärzte mehr als für Hausärzte und für Ärzte in Ballungszentren mehr als für Ärzte auf dem flachen Land. Darauf mussten wir reagieren, gerade auch im Interesse unserer Mitglieder", sagt Heßbrügge.

Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bestätigen die von der Bank skizzierte Entwicklung. Mehr als 800 MVZ gab es schon zur Jahresmitte in Deutschland. 3.263 Ärzte kümmern sich in diesen Zentren um Patienten – zwei Drittel von ihnen als angestellte Mediziner. Was also, wenn der niedergelassene Arzt als Freiberufler irgendwann vielleicht sogar die Ausnahme ist?

Wandel im ambulanten Markt beschleunigt sich
Für Heßbrügge steht fest: „Die Zahl derjenigen Heilberufler, die als freie Unternehmer tätig sein wollen, sinkt, während die Zahl der zu finanzierenden neuen Modelle im Gesundheitswesen zunimmt. Wenn wir die Finanzierung nicht übernehmen, machen es andere." Für ihn sind die modernen Kooperationsformen auch Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels im ambulanten Gesundheitsmarkt in Deutschland. Hermes verweist auf die zahlreichen Faktoren, die diesen Wandel vorantreiben: Etwa der hohe Altersdurchschnitt der jetzt noch dominierenden Generation der niedergelassenen Ärzte sowie die zunehmende Nachfrage nach Teilzeitarbeit.

Aber auch die steigende Nachfrage von Ärztinnen nach einer Beschäftigung, die Arbeit und Familie in Einklang bringen lässt, oder die sinkende Bereitschaft von Ärzten, rund um die Uhr für Patienten auf Abruf zu stehen. Zum Wandel gehört auch die zunehmende Ballung medizinischer Angebote in den Metropolen, während immer weniger Ärzte in die ländlichen Räume gehen – ein Problem, das längst über die neuen Bundesländer hinausreicht und den Hunsrück genauso erfasst wie die Nordseeküste.

Schließlich erleichtert und beschleunigt das Vertragsarztänderungsgesetz viele dieser Veränderungen, etwa indem es freiberuflich niedergelassenen Ärzten die Anstellung von Kollegen ermöglicht.
Der Wandel hat zu neuen Lösungen im Markt geführt, bevor viele Heilberufler, aber auch manche ihrer Körperschaften sich mit ihnen angefreundet und reagiert haben. Genau darin sieht Heßbrügge ein Problem für die Ärzteschaft: „Jetzt sind Konzepte der Standesorgani-sationen gefragt: Wohin wollen die Heilberufe?", fragt der Apo-Bank-Direktor.
 
Die Apo-Bank entdeckt den angestellten Arzt
Neben größeren medizinischen Einrichtungen und freiberuflichen Heilberuflern will sich die Bank künftig auch stärker für angestellte Ärzte öffnen. Die bisherige Konzentration auf Freiberufler liegt im Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz begründet: Keine andere Bank in Deutschland begleitet so- viele Existenzgründungen von Freiberuflern im Gesundheitswesen. Da lag es nahe, diese Kunden auch anschließend im laufenden Geschäftsbetrieb, dann bei der Übergabe an den Nachfolger und schließlich auch noch diesen weiter zu betreuen – zum Teil über mehrere Generationen.

Angestellte Ärzte benötigen als Bankkunden weniger das spezielle betriebswirtschaftliche Know-how der Apo-Bank im Gesundheitsmarkt, das diese in jahrzehntelanger Begleitung der Freiberufler gesammelt hat. Beispielsweise sind auf Stadtteile heruntergebrochene Kennzahlen wie das durchschnittliche Investitionsvolumen von kardiologischen Gemeinschaftspraxen im Beratungsgeschäft mit niedergelassenen Medizinern ein unschätzbarer Vorteil – für angestellte Ärzte aber nicht von Interesse.

Hinzu kommt, dass die Apo-Bank mit 46 Filialen, vier Geschäfts- und mehreren Beratungsstellen in Deutschland mit den klassischen Filialbanken nicht konkurrieren konnte. „Wir hatten früher kein Geschäftsmodell fürangestellte Ärzte. Das hat sich geändert, seit die Kunden mehr und mehr auf Onlinebanking setzen", erklären Heßbrügge und Hermes.

Der Auslandsmarkt bleibt noch immer fremd
Keine Ambitionen hat die Bank dagegen, sich auf ausländischen Märkten zu engagieren. Zwar finanziert die Bank auch Modelle, die grenzüberschreitende Lösungen anbieten. Aber sie müssen einen Bezug zum deutschen Gesundheitswesen haben. Modelle, die mit dem deutschen Markt nichts mehr zu tun haben, sind für die Bank dagegen uninteressant.

Denn die stark unterschiedlichen Gesundheitssysteme in Europa würden eine bloße Kopie des deutschen Geschäftsmodells nicht erlauben. Es wäre zeit- und personalintensiv, sich das für das jeweilige System eines Landes notwendige Wissen und die Kontakte anzueignen. „Deshalb bündeln wir unsere Kompetenzen im Kernmarkt", sagt Heßbrügge. Und dazu zählt die Bank neben den Freiberuflern künftig auch MVZ. 

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Der 1902 vom Apotheker Richard Oskar Mattern und 17 Berufskollegen in Danzig gegründete „Kredit-Verein Deutscher Apotheker" (Kreda) gilt als Keimzelle der 1948 in Düsseldorf neu gegründeten Westdeutschen Apothekerbank, die sich ab 1950 allen Heilberufsangehörigen öffnete und sich 1955 den heutigen Namen gab.

Die Resonanz auf das Angebot war schon in den fünfziger Jahren hoch, wirkt aber im Vergleich zu heute bescheiden. 1952 zählte man den 1.000. Kunden, erreichte eine Bilanzsumme von 4,8 Millionen Mark und beschäftigte 23 Mitarbeiter. Heute beschäftigt das Unternehmen 2.500 Mitarbeiter, hält 46 Filialen vor und betreut rund 300.000 Kunden aus den Heilberufen, davon allein 9.000 Neukunden aus dem letzten Jahr.

Die vergangenen Jahre waren für die Apo-Bank erfreulich: Viermal in Folge konnte das Geschäftsergebnis mit einer prozentual zweistelligen Verbesserung abgeschlossen werden. Die Bilanzsumme der Bank beträgt rund 33 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss nach Steuern 113 Millionen Euro. Trotz dieser Zahlen sieht die Bank für die kommenden Jahre auch Risiken, etwa die hohe Unsicherheit über die künftige Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen und den steigenden Konkurrenzdruck durch andere Kreditinstitute.

Dirk Schnack ist auf Gesundheitsthemen spezialisierter freier Journalist aus Schleswig-Holstein.

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