Heimleiter unzufrieden mit Pflegepolitik

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Über 90 Prozent der Pflegeheimleiter in Baden-Württemberg sind unzufrieden mit der Pflegepolitik in Bund und Land. Das geht aus einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Cogitaris im Auftrag der Evangelischen Heimstiftung (EHS) hervor, die heute im Internet veröffentlicht wurde. Wirtschaftlichkeit, Personal und Pflegequalität sind für weit über 90 Prozent der Befragten die größten Herausforderungen in ihren Einrichtungen. 286 Heimleiter, etwa ein Viertel der Pflegeplätze in dem Land, nahmen an der Umfrage teil.

Befragt nach der derzeitigen Lage gab rund die Hälfte von ihnen an, mit der Wirtschaftlichkeit in ihrem Heim unzufrieden zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig: Pflegevergütung und Essensentgelt bezeichneten jeweils über 60 Prozent als „nicht auskömmlich“, dasselbe Urteil fällten knapp die Hälfte der Befragten über die Vergütung für Unterkunft und Investitionen. Ebenfalls fast 50 Prozent erwarten mit Blick auf die nahe Zukunft eine Verschlechterung ihrer Lage, weitere 29 Prozent sehen keine baldige Veränderung, und nur 19 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

Ein ähnliches Bild ergibt sich mit Blick auf das Personal in den Heimen. Zwar seien nur 4 Prozent der Vollzeitstellen für Pflegefachkräfte derzeit unbesetzt, jedoch erwarten etwa 3 von 4 Heimleitern eine Verschlechterung der Situation in den kommenden Jahren. Hauptgrund hierfür scheint die Qualität der Bewerbungen zu sein, mit denen nur rund die Hälfte der Entscheider zufrieden ist.

Die Forderungen der Heimleiter an die Politik: Die Erhöhung des Personalschlüssels und der Pflegeversicherungsleistungen, wofür sich jeweils 91 Prozent der Teilnehmer aussprachen. Das sei keine Überraschung, sagte EHS-Geschäftsführer Bernhard Schneider bei der Präsentation der Ergebnisse in Stuttgart. Die Pflege stecke in einer Armutsfalle. So habe sich der Eigenanteil im Pflegeheim seit Einführung der Pflegeversicherung auf bis zu 2.000 Euro fast verdoppelt. „Bereits vor 20 Jahren hat man erkannt, dass das unwürdig ist und hat die Pflegeversicherung eingeführt“, sagte Schneider. Die EHS fordert, die Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung schrittweise bis 2020 zu verdoppeln und anschließend zu dynamisieren.

In Baden-Württemberg unterstützt der EHS zusammen mit zahlreichen Partnern der Pflegebranche die Gründung einer Enquete-Kommission Pflege, sagte Pressesprecherin Karolin Hartman auf Anfrage von Station24. Grundlage sei das Beispiel einer ähnlichen Kommission für die Psychiatrie. Die Politik der Bundesregierung bewertete Hartmann verhalten optimistisch. Die aktuelle Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrags um 0,5 Prozent sei zwar richtig, aber „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Die Branche sei aus ihrer Sicht dennoch froh, „dass das Thema auf der Agenda ist und hofft, die Politik des Bundesgesundheitsministers Gröhe ist in dieser Sache nachhaltig.“
 

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