Streit über hohe Arzneipreise

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Krankenkassen und Pharmaverbände haben sich am Dienstag ein Wortgefecht über die Preise für Arzneimittel und den Nutzen neuer Präparate geliefert. Anlass war der DAK-Report zum Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG), das die frühe Nutzenbewertung neuer Wirkstoffe regelt. Laut DAK weist nur jeder zweite Wirkstoff einen Zusatznutzen auf. „Insgesamt erweist sich das AMNOG als sozialpolitisch erfolgreich und sinnvoll, weil die wissenschaftliche Bewertung von neuen Arzneimitteln die Spreu vom Weizen trennt", erklärte Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit, laut Pressemitteilung. Allerdings zeige der Report auch Schwachstellen auf. Der Bielefelder Professor für Gesundheitsökonomie Wolfgang Greiner, der auch Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung im Gesundheitswesen ist, lobte die „gute Evidenzbasierung" und deren Einfluss auf die Erstattungshöhe von Arzneien. „Allerdings sollte sich das System methodisch weiterentwickeln und zukünftig auch Kosten-Nutzen-Analysen einbeziehen", forderte Greiner.

Ein überraschendes Ergebnis des DAK-Reports: Selbst wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Selbstverwaltung einem Medikament keinen Zusatznutzen bescheinigt, wird es in vielen Fällen oft verordnet. „Über die Gründe, warum Ärzte sich häufig nicht an der wissenschaftlichen Bewertung orientieren, lässt sich nur spekulieren: Möglicherweise spielen hier Informationsmängel eine Rolle", sagte Rebscher.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) attackierte den AMNOG-Report der DAK. Der Bericht zeige, „dass die Kassenseite die Versorgungssituation ihrer Mitglieder zunehmend aus dem Blick verliert". Offenbar gehe es den Kassen nicht um Patientennutzen und Therapievielfalt, sondern um Kostensenkung, kritisierte BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp, der auf zahlreiche Schwachstellen des AMNOG-Systems verwies: So würden Innovationen immer wieder gezielt ausgebremst, zum Beispiel indem von Herstellern eingereichte Dossiers aus formalen Gründen nicht berücksichtigt würden. Der BPI fordert deshalb, dass „die Macht des GKV-Spitzenverbandes beschnitten" wird. Das AMNOG mutiere immer stärker „zum Kostenregulierungsinstrument der Kassen und damit potentiell auch zum Innovationskiller".

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) sprach von „Unterversorgungsquoten von bis zu 90 Prozent bei Medikamenten, die das AMNOG-Verfahren durchlaufen haben". Die Refinanzierung der hohen Aufwendungen für Arzneimittelforschung in Deutschland sei aber nicht mehr gewährleistet, wenn die Preise für neue Medikamente hierzulande unter den europäischen Durchschnitt sänken. „Mittlerweile liegen 82 Prozent der durch das AMNOG-Verfahren gegangenen Preise für neue Arzneimittel unter dem europäischen Mittel, 38 Prozent sind sogar die niedrigsten in Europa", so Fischer in einer Pressemitteilung.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erneuerte seine Forderung in einer Pressemitteilung, dass die frei vom Hersteller festzusetzenden Preise im ersten Jahr nach der Marktzulassung rückwirkend gekürzt werden können sollten, wenn sich GKV und Hersteller nach der Nutzenbewertung auf einen Preis geeinigt haben.

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