Signifikante Unterfinanzierung von Extremkostenfällen nur in Uniklinika

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Die Klagen der Universitätsklinika über nicht finanzierte Extremkosten sind teilweise berechtigt. Das zeigen Daten, die Frank Heimig, Geschäftsführer des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK), auf dem 14. Nationalen DRG-Forum präsentierte. Bis Ostern werde das InEK den Extremkostenbericht vorlegen, erste Ergebnisse nannte Heimig am Donnerstagnachmittag im Berliner Estrel-Hotel. Demnach verzeichnen Universitätskliniken bei sogenannten Allgemeinen Versorgungsleistungen eine deutliche Unterdeckung von Extremkosten. Bei anderen Häusern, also Kliniken, die nicht zur Hochschulmedizin gehören, ist die Belastung den InEK-Daten zufolge dagegen kaum spürbar.  

Bei speziellen Versorgungsleistungen ermittelte das InEK sogar eine „deutliche Überfinanzierung", insbesondere bei Kliniken außerhalb der Hochschulmedizin. Die Uniklinika seien bei den Extremkostenfällen der Spitzenversorgung im Durchschnitt aber ebenfalls nicht überlastet. „Das Problem mit den Extremkosten liegt nicht im hochspezialisierten Bereich, sondern im Bereich der Standardleistungen", sagte Heimig. Unter dem Strich bezifferte er die Unterdeckung der Extremkostenfälle bei allgemeinen Versorgungsleistungen in allen Kliniken auf gut 60 Millionen Euro. Demgegenüber stehe eine Überdeckung der Extremkostenfälle von speziellen Versorgungsleistungen von knapp 30 Millionen Euro.

Zu den Gründen für die Unterfinanzierung bei Allgemeinen Versorgungsleistungen sagte Heimig, dass hier häufig die „Attribute" fehlten, um zu beurteilen, weshalb Fälle zu Extremkosten führten. So gebe es in der Onkologie zum Beispiel im Prinzip keine Unterfinanzierung, selbst bei Langliegern. „Was nicht finanziert ist, wenn Kinder länger in der Onkologie liegen als die DRG kalkuliert ist."

Heimig zeigte sich zuversichtlich, dass der neue Extremkostenbericht „die Weiterentwicklung des Systems extrem voranbringen" wird. Einer Absage erteilte er dem zuvor von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gemachten Vorwurf, der Begriff „Kostenausreißer" entstamme aus einer Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Heimig sagte, der Begriff stehe für eine sachlich adäquate Analyse. „Dass der Minister auf dem Begriff Kostenausreißer rumgeritten ist, finde ich schwierig, nachdem er ihn selbst ins Gesetz geschrieben hat", sagte der InEK-Geschäftsführer.

Zur grundsätzlichen Berechnung der DRG sagte Heimig: „Es liegt schon einiges im Argen bei der Repräsentativität der Kalkulationskrankenhäuser." Nur 2,8 Prozent der Kalkulationskliniken in der Stichprobe seien private Häuser. Zugleich ständen die privaten Kliniken aber für 19 Prozent der Fälle. Die große Koalition fordert vom InEK, ein „praktikables Konzept" für eine repräsentative Kalkulation zu erarbeiten.  

„Es kann nicht sein, dass private Häuser da gar keine Rolle spielen", sagte Ferdinand Rau, Leiter des Referats „Wirtschaftliche Fragen der Krankenhäuser" im Bundesgesundheitsministerium. Ziel der Bundesregierung sei der „Abbau von Übervergütungen und Fehlanreizen, die bei sinkenden Sachkosten und steigenden Landesbasisfallwerten entstehen können". Auch die Vertragspartner auf Bundesebene würden verpflichtet, mögliche Fehlanreize zu identifizieren, erklärte Rau, der darüber hinaus die weiteren Pläne der Bund-Länder-AG zur Krankenhausreform darstellte.

Rau gab Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) recht, dass es beim Orientierungswert noch Anpassungsbedarf gebe. Von Stackelberg hatte zuvor die steigenden Ausgaben der GKV für die Kliniken kritisiert . Der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) stimmte Rau zu, dass das Problem der mangelnden Finanzierung der Klinikambulanzen noch nicht vollständig gelöst worden sei, weder durch die Bund-Länder-AG zur Krankenhausreform noch durch das Versorgungsstärkungsgesetz. „Das ist ein anderes Thema", sagte Rau.

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