Ökonomen fordern AMNOG-Reform

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Die seit vier Jahren im Zuge des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) praktizierte frühe Nutzenbewertung von neuen Medikamenten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) der Selbstverwaltung ist aus Sicht der Ökonomie-Professoren Dieter Cassel (Universität Duisburg-Essen) und Volker Ulrich (Universität Bayreuth) „eine Marktzutrittsbarriere" für innovative Arzneien. Das AMNOG erweise sich mittlerweile als „reines Kostendämpfungsgesetz", kritisierte Ulrich am Dienstagvormittag bei der Vorstellung des Gutachtens „AMNOG auf dem ökonomischen Prüfstand" im Auftrag des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie (BPI).

Die Ökonomen sprachen sich für eine grundlegende Reform aus, insbesondere die „institutionelle Trennung von Nutzenbewertung und Preisfindung". Sie kritisierten, dass der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch seine starke Rolle im G-BA zugleich Spieler, Schiedsrichter und Regelgeber sei. Deshalb müsse der Gesetzgeber „die Nutzenbewertung aus dem G-BA herauslösen und an ein Expertengremium" übertragen, forderte Cassel. Möglich sei auch, dass dies auf europäischer Ebenen unter dem Dach der Europäischen Arzneimittelbehörde geschehe.

Die GKV hat im vergangenen Jahr erstmals  mit über 33 Milliarden Euro wieder mehr Geld für Medikamente ausgegeben als im Jahr 2010, als der Wert bei knapp über 30 Milliarden lag. Dies geht aus dem neuen Arzneimittel-Atlas hervor, den das IGES-Institut ebenfalls am Dienstag auf einer Pressekonferenz des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) präsentierte. In den vergangenen 5 Jahren seien die Ausgaben für Medikamente damit aber immer noch der am langsamsten wachsende Kostenblock der GKV gewesen mit einem durchschnittlichen Jahreszuwachs von 2,3 Prozent. Die GKV-Ausgaben für die Krankenhäuser sind laut IGES-Institut in diesen fünf Jahren um 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen, die für Ärzte und sonstige Behandlungen um fünf Prozent. Insgesamt gaben die Krankenkassen jedes Jahr 4,1 Prozent mehr aus als im Vorjahr.

Die Ausgabensteigerung im vergangenen Jahr sei insbesondere auf das Ende des erhöhten Herstellerrabatts und die höhere Apothekervergütung zurückzuführen sowie zu einem geringeren Anteil auf den durch die Zuwanderung nach Deutschland bedingten Anstieg der Versichertanzahl um 0,4 Millionen Menschen. Die Hälfte des gesamten Ausgabenzuwachses sei „auf bedeutende therapeutische Innovationen" zurückzuführen, sagte IGES-Leiter Bertram Häussler.

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