DKG will Qualitätsindikatoren „investitionsadjustieren"

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert, Qualitätsindikatoren für die Krankenhausplanung nicht nur nach Risiken aufgrund unterschiedlicher Morbidität der Patienten zu adjustieren, sondern auch nach Investitionen. Das sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum beim 23. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tag heute Vormittag in Potsdam. „Investitionen gerieren Qualität", sagte Baum. „Eine nagelneue Hygieneanlage wird zu besseren Ergebnissen führen." Baum nannte als Beispiel Türöffnungsmechanismen, bei denen niemand einen Türgriff berühren müsse. Seit Jahren sinken die Ausgaben der verantwortlichen Bundesländer für Krankenhausinvestitionen, Schätzungen zufolge werden von den jährlich nötigen sechs Milliarden Euro nur drei Milliarden bereitgestellt.

Qualitätsorientierte Krankenhausplanung erfordert qualitätssicherende Investitionsmittelbereitstellung", sagte Baum mit Blick auf die „Qualitätsoffensive" der Bundesregierung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) arbeitet gerade an Indikatoren zur qualitativen Messung der Krankenhäuser, an denen die Bundesländer ihre Krankenhausplanung ausrichten sollen. Erreichen einzelne Kliniken oder Fachabteilungen bestimmte Ziele und Voraussetzungen nicht, sollen diese vom Netz gehen können. Doch bei der Abarbeitung der Indikatoren wird sich Baum zufolge die Frage stellen: „Wenn jemand die Qualität nicht erreicht, woran liegt das?" Könne man hohe Qualität erwarten, wenn die nötigen Investitionen unterlassen werden? „Wir werden immer identifizieren, an welcher Stelle die Ursache in unterbliebenen Investitionen liegt", sagte Baum.

Markus Horneber, Vorstand der Agaplesion-Kliniken, weitete in seinem Vortrag den Blick auf die begonnene digitale Revolution im Gesundheitswesen. Die Kliniken unterschätzten die sich abzeichnende Veränderungsdynamik der kommenden fünf Jahre. „Das deutsche Gesundheitssystem verlässt sich immer noch auf handgeschriebene Blöcke. Das kostet nicht nur Jahr für Jahr Milliarden Euro, sondern gefährdet auch Patienten", sagte Horneber. „Aus Quelle wurde Amazon, aus Brockhaus Wikipedia. Was wird aus uns?"

Agaplesion ziehe daraus Konsequenten für seine Investitionstätigkeit.  „Wir werden unseren Investitionsschwerpunkt verschieben und in IT und Digitalisierung investieren auf einem völlig neuen Niveau", kündigte Horneber an. Es gehe um die Auswirkungen die Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell. Ziel sei dabei auch die digitale Vernetzung mit anderen Gesundheitsanbietern und den Patienten selbst. „Der nächste konsequente Schritt wäre, die Patientendaten konsequent zu analysieren, um eine wesentlich bessere Behandlung zu erreichen", sagte Horneber. Ziel sei, Qualität messbar und vergleichbar zu machen. Das sei auch das Ziel des Gesetzgebers. Doch der Qualitätsbegriff sei vieldimensional. „Am Ende kann es immer nur um die individuelle Ergebnisqualität an, die beim einzelnen Patienten ankommt. Die zu messen ist extrem schwer", sagte Horneber.

Der Agaplesion-Konzern verfüge derzeit über ein Anlagevermögen von 780 Milliarden Euro. In den zurückliegenden vier Jahren habe man mehr als 340 Milliarden Euro investiert. „Das ist die höchste Investitionsquote der großen Klinikkonzerne", verkündete Horneber stolz. Die Investitionsquote liege bei 46 Prozent. Darin enthalten seien keine Ausgaben für Übernahmen. Hornbeber kritisierte, dass kommunale Krankenhäuser nach wie vor mit Steuermitteln subventioniert würden. „Auch darüber hinaus werden schlechte Krankenhäuser aus politischen Gründen weitergeführt", sagte er. Erst kürzlich hatte der Bundesgerichtshof eine Klage der privaten Krankenhäuser gegen derartige Beihilfen abgewiesen (Bibliomed berichtete).

Björn Maier, Vorsitzender des Deutschen Vereins für Krankenhauscontrolling (DVKC), hatte die Veranstaltung zuvor eröffnet. In den kommenden Jahren will der DVKC seinen Worten zufolge unter anderem einen Fokus darauf legen, Karrierewege für Krankenhauscontroller entwickeln. 

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