Bertelsmann-Studie plädiert für Spezialisierung

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Eine stärkere Spezialisierung von Krankenhäusern insbesondere bei planbaren Operationen könnte die Versorgungsqualität im deutschen Gesundheitswesen verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte „Faktencheck Krankenhausstruktur" der Bertelsmann-Stiftung. Das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung berechnet, dass in Deutschland pro Jahr rund 140 Todesfälle bei Hüftoperationen vermieden werden könnten, wenn die Operationen nur in Kliniken mit mehr als 176 Fällen durchgeführt werden. Im Jahr 2014 sind laut den Autoren an 311 Kliniken weniger als 50 dieser Operationen erbracht worden. Auch bei Prostata-Entfernungen seien die Fallzahlen in etlichen Häusern „gefährlich niedrig". Von den 414 deutschen Kliniken, die diese Operation vornehmen, machten dies 43 seltener als fünfmal im Jahr. "Den Bürgern muss bewusst werden, dass sie bei planbaren Operationen in Fachabteilungen mit vielen Fällen und viel Erfahrung die bessere Versorgung bekommen", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Laut Gutachten würden sich die durchschnittliche Fahrzeit für die meisten Patienten nur um zwei bis fünf Minuten verlängern, wenn sie eine spezialisierte Klinik anfahren würden.

Die aktuelle Gesetzgebung bietet laut den Autoren Möglichkeiten, eine größere Spezialisierung zu realisieren. Bestehende Mindestmengen müssten eingehalten und kontrolliert sowie die Regelungen auf weitere Krankheitsbilder ausgedehnt werden. Auch sollten beispielsweise die im Krankenhausstrukturgesetz festgeschriebenen Qualitätskriterien für die Krankenhausplanung der Länder verbindlich sein und konsequent umgesetzt werden.

Kritik an den Ergebnissen der Studie äußerte heute Nachmittag die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). "Es gibt keine Daten, die die Schlussfolgerung der Studie beispielsweise bei Hüftoperationen stützen würden, da es keine Informationen über die gesundheitliche Gesamtsituation der Patienten gibt", so DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Die Daten der Qualitätsberichte seien für eine solche Schlussfolgerung nicht geeignet. Es fehle jegliche Risikoadjustierung. "Hinzu kommt, dass die Grenzwerte beliebig und ohne evidenzbasierte Grundlage gezogen werden", so Baum.

Als Gutachter der Studie fungierten Thomas Mansky von der Technische Universität Berlin, Bernt-Peter Robra (Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) sowie Ansgar Wübker, Stellvertretender Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit" am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

(Meldung ergänzt am 8.9.2016 um 14:40 Uhr).

 

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