Ärzte warnen vor Zugeständnissen an Pharmaindustrie

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Vor der morgigen öffentlichen Anhörung im Bundestag zum von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eingebrachten Arzneimittelmarktstärkungsgestz (AM-VSG) erneuern die Akteure im Gesundheitswesen ihre unterschiedlichen Kritikpunkte. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) teilten am Dienstagvormittag mit, sie sähen „erheblichen Nachbesserungsbedarf". Insbesondere kritisieren BÄK und AkdÄ die angestrebte Flexibilisierung für neue Arzneimittel, die keinen patientenrelevanten Zusatznutzen aufweisen. Die Ärzte positionieren sich damit in wesentlichen Teilen ähnlich wie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV).

Gröhes Gesetzentwurf sieht vor, dass Krankenkassen und Pharmaunternehmen künftig in Ausnahmefällen wieder über den Preis von Arzneimitteln verhandeln können, selbst wenn für diese im Vergleich zu bestehenden Therapiemöglichkeiten keine bessere medizinische Wirkung in Studien nachgewiesen werden kann. Bisher werden diese neuen Medikamente einer Festbetragsgruppe zugeordnet, dürfen also nicht teurer sein als bereits vorhandene Präparate. BÄK und AkdÄ fordern zudem, dass Medikamente auch dann einer frühen Nutzenbewertung unterzogen werden sollen, wenn sie zwar schon länger am Markt sind, aber für eine neue Indikation zugelassen werden sollen.

Ablehnend äußert sich die Standesvertretung der Ärzte über den Plan der Bundesregierung, den zwischen dem GKV-SV und en Pharmaunternehmen verhandelten Erstattungspreis von Medikamenten künftig geheim zu halten. „Diese geplante Regelung steht dem Transparenzgebot in einem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem entgegen. Ein Befolgen des Wirtschaftlichkeitsgebots ist für die Ärzteschaft nur in Kenntnis der tatsächlichen Arzneimittelkosten möglich", heißt es in der Pressemitteilung vom Dienstag.

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) warnte hingegen davor, dass sich mit dem AM-VSG die Versorgung weiter verschlechtern werde. Bereits jetzt sei jedes fünfte Arzneimittel in Deutschland nicht mehr verfügbar, heißt es in einem Pressestatement von VFA-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Patienten und Ärzte verlören „wichtige Therapieoptionen, auch solche, die in der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen nach den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften Mittel der Wahl" seien. „Statt diese Versorgungslücken zu schließen, denkt der Gesetzgeber beim AM-VSG über neue Möglichkeiten von Verordnungsausschlüssen nach", kritisierte Fischer.

 

 

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