Reform der Notfallversorgung

Eine kranke Logik

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Eine kranke Logik
Prof. Dr. med. Christoph Dodt © EUSEM
Der Gesetzentwurf zur Notfallversorgung sorgt bei den Klinikärzten für Entrüstung. Prof. Dr. Christoph Dodt, Chef der Notfallmedizin der München Klinik und Vorstand der Fachgesellschaft DGINA, erklärt unter anderem, warum das Mantra „ambulant vor stationär“ die Sicherheit der Notfallpatienten gefährdet. Am Montag (17.2.) haben sich Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums mit Vertretern verschiedener Verbände in einem Berliner Hotel getroffen, um über die Notfallversorgung zu sprechen. Eingeladen sind Ärzte- und Klinikverbände, Rettungsdienste sowie Fachgesellschaften und Betroffenenverbände.
Welche Nachteile hat es, wenn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Hoheit über die INZ haben?
Betritt ein Patient ein INZ als Notfall, muss garantiert sein, dass Hochrisikokonstellationen sofort erkannt werden. Aus einer wissenschaftlichen Studie in München wissen wir, dass jeder siebte Patient, der zu Fuß in die Notaufnahme kommt, im weiteren Verlauf ein Intensiv- oder Überwachungsbett benötigt. Im aktuellen System werden diese Patienten in der Notaufnahme eines Krankenhauses durch ein spezialisiertes Notfallteam ersteingeschätzt und behandelt. Zukünftig muss der Umweg über das INZ eingeschlagen werden. Die Ersteinschätzung dort soll von einem KV-Team durchgeführt werden. Die notfallmedizinische Kompetenz ist im niedergelassenen Sektor jedoch nicht ausreichend vorhanden. Dieser Umweg kostet Zeit und provoziert Fehler. Das geht zulasten der Patientensicherheit.
Der Gedanke hinter diesem Konstrukt ist, dass ein INZ einen unabhängigen Türsteher braucht – unabhängig von den Krankenhausinteressen. Wer könnte das Ihrer Meinung nach sein? 
Hinter dieser Vermutung steht die Ansicht, dass die Krankenhäuser sich über die stationären Aufnahmen von Notfallpatienten alimentieren. Wenn diese Überlegung stimmen sollte, dann wird durch die Schaffung eines von der KV geführten INZs an wenigen Krankenhäusern ohnehin keine einzige stationäre Aufnahme verhindert. Im Gegenteil, die Krankenhäuser, die nicht mit einem INZ verknüpft sind, würden die geplanten Abschläge akzeptieren und die Aufnahmequote aus der Notaufnahme erhöhen, um die vorgesehenen Abschläge auszugleichen. Aber das ist eine kranke Logik. Die Entscheidung zu einer stationären Aufnahme folgt objektiven medizinischen Kriterien, die nachvollziehbar und überprüfbar sind. Für diese Entscheidung braucht es qualifizierte und erfahrene Ärzte mit langjähriger Notaufnahmeerfahrung. Hohe ärztliche Professionalität, unterstützt durch überarbeitete GAEP-Kriterien und ein vernünftiges externes Controlling können dafür sorgen, dass die Krankenhäuser keinen teuren KV-Türsteher brauchen. 
In Deutschland wird etwa die Hälfte aller ambulanten Notfälle stationär aufgenommen. Das ist ein Spitzenwert. In Frankreich sind es 21 Prozent, in Holland 32 Prozent. Wie wollen Sie diesen Wert besser regulieren?
Das ist schwierig zu sagen, weil nicht klar ist, auf welche Grundgesamtheit sich die die Prozentangaben beziehen und die Gesundheitssysteme nicht einfach zu vergleichen sind. Um hier tragfähige Aussagen machen zu können, müsste man vergleichen, ob in den Ländern bei gleichartigen Erkrankungen mit gleichem Schweregrad unterschiedliche Aufnahmequoten bestehen. Diesen Vergleich gibt es meines Wissens nicht. Insbesondere in Holland ist der primärärztliche Sektor gut für die Notfallversorgung ausgebildet und 24/7 verfügbar und damit fit für ein gutes „Gate Keeping“. Im Übrigen wird in beiden Ländern die ambulante Behandlung von Notfällen deutlich besser vergütet – in den Niederlanden teilweise mit dem Faktor 10 im Vergleich zu Deutschland. Die defizitäre Vergütung von Patienten, die ambulant verbleiben, können in Kombination mit nicht ausreichend für die Notfallversorgung ausgebildeten Ärzten im vertragsärztlichen und klinischen Bereich, könnten Gründe sein, Patienten vermehrt stationär aufzunehmen.
Das gesamte Interview lesen Sie in der f&w-Märzausgabe (Erscheinungstermin 1.März).

Autor

 Jens Mau

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