Klimawandel

Augurzky schlägt Krankenhaus-Klimafonds für NRW vor

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Augurzky schlägt Krankenhaus-Klimafonds für NRW vor
© Getty Images/Mari_C

Zwei Gutachten zeigen beispielhaft den Weg zur Klimaneutralität für Krankenhäuser auf. Allein in Nordrhein-Westfalen sind dafür mehr als sieben Milliarden Euro notwendig. Das Wuppertal Institut weist in einem Gutachten drei Handlungsfelder auf, die auf dem Weg zur Klimaneutralität eine Rolle spielen, die sogenannten Scopes.

  • Scope 1: direkte Emissionen, eigene Aktivitäten des Krankenhauses. Dazu gehören Heizungsanlagen, der Fuhrpark oder Narkosegase.
  • Scope 2: indirekte Emissionen, vorgelagerte Aktivitäten, beispielsweise die Art der Stromerzeugung
  • Scope 2: indirekte Emissionen, nachgelagerte Aktivitäten, dazu zählt die Mobilität der Mitarbeiter, Warentransport, Ernährung.

Das Gutachten empfiehlt zehn Maßnahmen mit unterschiedlichem Umsetzungshorizonten von einem Jahr bis hin zu zehn Jahren, die alle drei Scopes berücksichtigen. Kurzfristig umsetzen lässt sich beispielsweise die Mobilität der Mitarbeitenden, etwa den Umstieg vom eigenen Auto auf den ÖPNV oder das Fahrrad/E-Bike. Dazu sind Anreize notwendig, beispielsweise in Form von Jobtickets oder Unterstellmöglichkeiten für die Fahrräder. Als "großen Brocken" bezeichnet Oliver Wagner, Co-Leiter des Forschungsbereichs Energiepolitik am Wuppertal Insitut und Hauptautor des Gutachtens, die energetische Sanierung der Gebäudehüllen (Dächer, Fassaden, Fenster). Diese erzielen jedoch auch den größten Effekt. "Viele Krankenhäuser sind nicht auf dem besten energischen Standart", sagt Wagner. Die Dächer seien teils schlecht gedämmt und die Fenster nur doppelt verglast. Die Dämmung sei ein wichtiger Faktor, um das Energiesparen vor Ort umzusetzen. Fassaden und Dächer der Gebäude könnten auch für Photovoltaik-Anlagen genutzt werden. 

Weitere Punkte des Gutachtens:

  • Klimaschutzmanagement
  • Wärme- und Kälteerzeugung
  • LED-Beleuchtung
  • Heizungspumpen
  • Lüftungsanlagen
  • Ausbau E-Mobilität
  • Narkosegase

Entscheidend sei bei diesen Maßnahmen neben den finanziellen Mitteln auch der Faktor Mensch. "Es braucht jemanden vor Ort, der den Prozess begleitet, Daten erhebt und schaut, ob man auf dem richtigen Weg ist", unterstreicht Wagner. Auch die Aquise von Fördergeldern und die Kampagnenorganisation gehört dazu. "Es muss eine Person sein, die Motor und Promoter für den Klimaschutz ist". Problematisch dürfte noch der Bedarf an Handwerkern sein. "Die Regierung und Gesellschaft wird große Anstrengungen unternehmen müssen, Handwerker im Bereich des Klimaschutzes auszubilden", gibt er zu Bedenken. 

Boost für das Klima

Doch der Weg zum klimaneutralen Krankenhaus kostet nicht nur personelle Ressourcen, sondern auch Geld. Allein in Nordrhein-Westfalen sind dafür 7,1 Milliarden Euro notwendig, um bis 2030 65 Prozent der Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Für die Berechnungen ging die Institute for Health Care Business GmbH (hcb) von einem typischen Plankrankenhaus in Nordrhein-Westfalen aus. Davon sind insgesamt 6,3 Milliarden Euro für die energetische Sanierung der Gebäudehüllen fällig. In den Berechnungen wird auch der Investitionsstau der Krankenhäuser deutlich. Von den 6,3 Milliarden Euro sind 4,1 Milliarden Eurp für nachzuholende Grundinvestitionen nötig. Die zusätzlichen Aufwendungen für den Klimaschutz werden mit 2,2 Milliarden Euro veranschlagt. Die restlichen Maßnahmen, die in dem Gutachten genannt sind, werden etwa 800 Millionen Euro kosten: Photovoltaik, Wärme- und Kälteerzeugung, LED-Beleuchtung, Heizungspumpen, Lüftungsanlagen, Ausbau E-Mobilität und der Verzicht auf das Auto auf dem Weg zur Arbeit. Die zusätzlichen Betriebskosten für Klimamanager oder Jobtickets beziffert Professr Boris Augurzky, Geschäftsführer von hcb und Autor der Studie, auf 189 Millionen Euro pro Jahr. Das bisherzige Finanzierungssystem berücksichtigt solche Kosten jedoch noch nicht. Die Länder decken die Investitionskosten der Häuser über die KHG-Finanzierung. In Nordrhein-Westfalen sind das derzeit 626 Millionen Euro pro Jahr. Der Investitionsbedarf liegt jedoch bei 1,6-1,8 Milliarden Euro. "Wir haben eine investive Lücke von über einer Milliarde Euro pro Jahr, der Klimaschutz ist da noch nicht eingerechnet", sagt Augurzky. Die Kliniken könnten diese Investitionen nicht aus eigener Kraft stemmen, zumal sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren auch weiter verschlechtert hat. "Da ist kein Puffer", so Augurzky weiter. Die Finanzierung müsse angepasst sein. "Wenn ich gesellschaftlichen Nutzen habe, und den habe ich beim Klimaschutz, muss es auch gesellschaftlich finanziert werden."

Unterschiedliche Fonds decken schon jetzt verschiedene Bedarfe der Kliniken ab, zum Beispiel der Krankenhausstrukturfonds, Krankenhauszukunftsfonds oder der Innovationsfonds. Das Klima findet in keinem Berücksichtigung. Die Lösung der hcb ist ein "Climate Boost", um zügig erste Erfolge zu erreichen. "Das schlagen wir für dieses Jahrzehnt vor, denn jetzt müssen die großen Brocken angegangen werden", sagt Augurzky, "Die damit verbundenen Fördermittel müssen explizit für das Ziel eines klimaneutralen Krankenhauses einsetzbar sein. Denn bisher verhindert die aktuelle Gesetzeslage, dass die Krankenhäuser ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten können." Augurzky schlägt daher einen Krankenhaus-Klimafonds des Landes vor, der die erforderlichen Investitionsmittel von 7,1 Milliarden Euro enthalten und zusätzlich eine 600 Millionen Euro umfassende Anschubfinanzierung, mit der über drei Jahre die für den Prozess notwendigen Klimaschutzmanager in jedem Krankenhaus etabliert und der Start in ein Jobticket initiiert werden. Der Klimafonds könnte sich in eine Klimapauschale und ein Sonderinvestitionsprogramm für die Gebäudehüllen gliedern. Vorteil sei ein einheitliches Antragsverfahren an nur einer Stelle. 

Der Appell geht nun an die nächste Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Beide Gutachten würden einen Weg zeigen, wie Krankenhäuser die geforderte Klimaneutralität möglichst schnell, spätestens jedoch bis 2045 erreichen könnten. Was noch fehlt, ist die rechtliche und wirtschaftliche Grundlage. "Deshalb macht sich die KGNW die Idee eines Climate Boost zu eigen. Die nächste Landesregierung muss sich schnell um die Voraussetzungen kümmern, damit die Kliniken keine wertvolle Zeit verlieren", sagt KGNW-Vizepräsident Sascha Klein.

Autor

 Luisa-Maria Hollmig

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