Dänzer: Höhere Qualität gerne – aber sie hat ihren Preis

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„Die Patienten fordern heute einfach das, was gemacht wird, was medizinisch machbar ist.“ Mit diesem Zitat führte Moderator Kowalski heute auf dem 13. Nationalen DRG-Forum in Berlin Alfred Dänzer ein. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisierte anschließend die überbordenden Dokumentationspflichten. Auch heute schon kümmerten sich Kliniken sehr gut um ihre medizinische und pflegerische Qualität. Wer mehr wolle, müsse dafür auch zahlen: „Man kann Qualitätssteigerung fordern, aber dann muss man auch so mutig sein, diese Qualitätssicherungen auch durchzusetzen“, sagte Dänzer. Damit meinte er: die Kassen per Gesetzgebung davon zu überzeugen, die enormen Preissteigerungen auch finanzieren zu wollen.

Bis heute habe noch niemand die Evidenz der bisherigen Qualitätskontrollen wissenschaftlich untersucht. Deswegen stehe die DKG dem neuen Institut freundlich gegenüber. Denn viele Behandlungen hätten heute Weltklasse. Dänzer zitierte Ergebnisse des Aqua-Instituts, wie gut beispielsweise die Überlebensquoten bei der Frühchenversorgung oder bei Leber-Lebendspenden hierzulande seien. Das Aqua-Institut hatte den deutschen Kliniken hier hervorragende Versorgungsqualität bescheinigt.  

„Wir verteidigen nicht, wenn Qualitätsprobleme auftreten“, äußerte der DKG-Präsident und offenbarte hier die Schwierigkeiten kleiner Krankenhäusern, die Hüftendoprothesen eingesetzt hatten, obwohl sie aufgrund kleiner Fallzahlen wenig Übung hatten. „Aber das sind Einzelfälle.“

Die DKG habe sich bewusst gegen das Thema Pay-for -Performance (P4P) entscheiden. Der Nutzen sei nicht wissenschaftlich belegt. Die Implementierungskosten seien in den ohnehin von bürokratischen Hürden umstellten deutschen Häusern viel zu hoch. Medicare in den Vereinigten Staaten hätte durch Untersuchungen belegt, P4P habe nur ein einem Prozent aller Behandlungen zu Verbesserungen bei der Patientenbehandlung geführt. Medicare ist die öffentliche Versicherung in den USA für ältere oder behinderte Bürger.

Das Wido-Institut habe geschrieben, das Mehr an Wirbelsäulen-OPs liege an der demographischen Entwicklung. Aber wer sich die Zahlen genauer anschaue, könne konstatieren, dass die Zahlen aller Behandlungen überhaupt seit 2004 nur um 1,4 Prozent gestiegen seien. Wer dann ständig die Krankenhäuser anprangere, es gebe Leistungsausweitungen, habe sich die Statistiken nicht richtig angeschaut.
 
Wenn die Politik nun Personalquoten in Kliniken fordere, müsse sie die dann steigenden Personalkosten auch komplett durch DRG finanzieren. Werde nur die Pflege herausgerechnet und gebe es nur dafür mehr Geld, sei das ungerecht. Dann „fördern wir, dass alle anderen Berufsgruppen sagen: Was der Pflege Recht ist, ist uns billig“. Wenn in der Folge jeder im Krankenhaus die Hand aufhalte, sei das das Ende des pauschalierenden DRG-Systems. „Man kann sich selbst durch Transparenz Probleme verursachen – und dann muss man die Konsequenzen ziehen und diese Finanzlücken stopfen, forderte Dänzer.

Der Strompreis in Deutschland sei von 2000 bis 2010 um 73 Prozent gestiegen. Die Politik habe also keine Skrupel, den Bürgern hierfür sieben Prozent mehr pro Jahr aus der Tasche zu ziehen. Wenn die Krankenversorgung aber vier Prozent teurer käme, sei das Geschrei riesengroß. Dänzer sprach sich für einen „nationalen Kraftakt“ zur Verbesserung der Investitionsfinanzierung aus. Dabei sei eine Beteiligung des Bundes überlebenswichtig. Der DKG-Präsident forderte eine Summe von sechs Milliarden Euro aus Berlin an die Länder. Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus habe diese Summe bereits ausgerechnet.
Dänzer verwies auch auf die bundesweite PR-Kampagne der DKG: „Wann immer das Leben uns braucht“. 18,3 Millionen Patienten würden jährlich in deutschen Kliniken versorgt. Das sei nicht in den Köpfen vieler Verbraucher. Wir kämpfen für unsere vielen Mitarbeiter und lassen sie nicht verunglimpfen.

Warum nach einer Zweitmeinungsstudie 80 Prozent aller Operationen nicht durchgeführt wurden, wollte ein Krankenkassenvertreter wissen, der seine Frage per E-Mail an Moderator Kowalski geschickt hatte. Dänzer entgegnete, er sei nicht gegen eine „Zweite Meinung“. Aber diese vom Fragesteller genannten Zahlen seien ein Einzelfall.

Wo bleibt die Peitsche der Politik, wenn die Qualität nicht stimmt, wollte Moderator Kowalski abschließend von Gesundheitspolitiker Franke wissen. Der entgegnete, die Politik werde auch über Abschläge reden. Franke: „Aber es ist natürlich netter, Zuschläge zu verteilen.“

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