Heimig: Neuer DRG-Katalog könnte auch Investitionskosten berücksichtigen

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Am Nachmittag des ersten Tages gab es im Auditorium des Estrel Hotels Berlin auf dem 13. Nationalen DRG-Forum schwere Kost wie immer locker serviert. Denn darin ist der Chef des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK), Dr. Frank Heimig, ein Meister. Moderator Matthias Kowalski bezeichnete ihn als „Mr. DRG“. „Das DRG ist ein chronischer Patient, aber es ist die beste Alternative“, gab ihm der Moderator ein Zitat, dass Heimig selbst geäußert hatte, mit auf den Redeweg.

Mehrere Redner hatten am Vormittag erklärt, das DRG-System käme mit seinen 13 Jahren gerade erst in die Pubertät – und nun kämen die echten Schwierigkeiten. Darüber hat sich Heimig nach eigener Aussage aus privaten Gründen erschrocken: Denn der InEK-Boss hat einen 15-jährigen Sohn und eine 13-jährige Tochter und bislang keine Schwierigkeiten mit ihnen.

Heimig äußerte sich über den Extremkostenbericht, der Ende des Jahres vorliegen muss: „Wie sollen diese extremen Kosten gerecht vergütet werden? So lautet unser Auftrag.“ So genannte Kostenausreißer sollten untersucht werden – und darin liege die Crux. Die Differenz zwischen Behandlungskosten und Gesamterlösen der Extremkostenfälle sollten er und sein Institut ermitteln. Problematisch sei schon, überhaupt zu ermitteln, was Extremkosten seien. „Diese sind genauso scharf zu ermitteln, wie objektiv zu sagen, wann ein Mann ein gut Aussehender ist.“

Heimig zeigte das Problem anhand einer sehr teuren Behandlung – der Knochenmarktransfusion: Die Kosten beliefen sich pro Fall von 8.000 Euro bis zu einer Viertel Millionen Euro. Das zeige die Statistik. Jetzt neue Extremkosten-DRG neu zu kalkulieren, sei schwierig. Bereits die alte Fallpauschale gebe den Kliniken oft genügend Geld.

Heimig griff fünf Hochkostenfälle bei dieser Transfusion heraus: Wenn eine Klinik gut abrechnet, bekommt sie für einen Hochkostenfall von tatsächlich 125.000 Euro schon weitaus mehr als diese Summe. Bei drei anderen Fällen, wo die Klinik 125.000 Euro aufgebracht hat, legte sie aber drauf. Da diese Hochkostenfälle sehr selten vorkommen, sieht Heimig sein Institut in der Schwierigkeit, für alle Kliniken eine gerechte Hochkosten-DRG zu berechnen. Denn wenn ein Haus ein 125.000-Euro-Fall bekommt und überbezahlt wird, dann steht es gut da. Hat ein anderes Haus aber das Pech, für eine Knochenmarktransplantation etwas mehr als 125.000 Euro zu bekommen, dafür aber tatsächliche Kosten von 250.000 Euro aufgewendet zu haben, dann ist das für diese Klinik eine finanzielle Katastrophe. Wie er dieses statistische Problem für Kassen wie Krankenhäuser gelichermaßen gerecht lösen will, weiß Heimig nicht. „Da hat die Politik zu große Hoffnungen in das, was Statistik kann.“
 
Ein weiteres Lieblingsthema Heimigs ist das Psych-Entgelt. Wer bislang einen so genannten Kurzlieger behandele, bekomme dafür 400 Euro. Werde der Patient morgens eingeliefert und dürfe abends gehen, dann sei das ein Gewinn für das Krankenhaus. Müsse er aber zwei Tage lang behandelt werden, dann gebe es von den Kassen auch nur 400 Euro – wobei die psychiatrische Abteilung mit diesem Fall eine rote Zahl schreibe. „Das ist für ein Vergütungssystem sehr ungenau“, räumt Heimig ein. Er will versuchen, gerechtere und differenziertere DRG zu entwickeln.

Eine gute Nachricht hatte der InEK-Chef für psychiatrische Kliniken - wenn die Selbstverwaltung einen Vorschlag seines Instituts akzeptiert. Dann könne die Klinik gerecht verdienen: bei einer besonders schwierigen psychiatrischen Behandlung mit einer sechsstündigen persönlichen Betreuung durch Pfleger und Psychiater plus ein bildgebendes Verfahren. Eine solche Behandlung sei im Krankenhaus bislang niemals kostendeckend gewesen. Denn nach vielen plötzlichen psychiatrischen Krankheitsattacken, zu denen der Patient eingeliefert werde, müsse erstens lange und nicht selten sechs Stunden mit dem Patienten gesprochen werden. Zweitens müsse ein bildgebendes Verfahren ausschließen, dass nicht beispielsweise ein Schlaganfall Ursache der Ausfall-Erscheinung sei.

Bei dem Thema Investitionskosten will Heimig künftig Kosten für Anlagegüter als Kostenteil des Behandlungsprozesses sehen. Denn der Patient „macht ja das Bett durchs Liegen ein bisschen kaputt und das Fenster durchs durchschauen etwas milchiger“, erklärte Heimig unter dem Lachen seiner Zuhörer. Um diese Kosten zu ermitteln, hat Heimig ein virtuelles Krankenhaus im Computer angelegt. Doch die Kosten, die er da einspielt, sind seiner Meinung nach noch nicht repräsentativ: Zu wenig deutsche Krankenhäuser beteiligen sich an seiner Kostenanalyse – er bat das Auditorium, ihm hier mehr zu helfen. Denn Heimig stellt sich einen neuen DRG-Katalog vor, in der neben den medizinischen Kosten die Investitionskosten stehen. Darin enthalten sind dann die Anschaffungs-, Renovierungs- und laufenden Kosten.

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