Größe allein macht keine gute Versorgung

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Größe ist eine wichtige, aber nicht die einzige Voraussetzung zur Sicherung der Versorgung in der Fläche. Auch koordinierte, regionale Angebote zur kleinräumlichen Versorgung werden wichtiger. Das ist eine zentrale Botschaft des 13. Nationalen DRG-Forums, das heute mit einer prominent besetzen Podiumsdiskussion unter Moderation von Professor Andreas Goldschmidt in den zweiten Tag startete.

  Größe kann Krankenhäusern bei der Lösung ihrer Probleme helfen, betonte Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken. Denn das DRG-System differenziere nicht zwischen Stadt und Land, und mit größeren Einheiten ließen sich attraktivere Angebote realisieren. Zugleich warnte Philippi vor einer zu starken Ausdünnung des Krankenhausnetzes. „Wenn wir radikal an das Thema herangehen und sagen, wir schließen alle Standorte, wird das ein politisches Desaster.“ Zudem würden viele auch kleine Krankenhäuser zur Aufrechterhaltung der ambulanten Versorgung gebraucht.   „Größe allein löst nicht die Kosten- und Qualitätsherausforderungen“, sagte Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender des christlichen Gesundheitskonzerns Agaplesion. Er verwies auf die Bedeutung intelligenter, zielgruppenspezifischer Verbundstrukturen. Das Krankenhaus vor Ort, so sein Plädoyer, sollte sich als Systemanbieter begreifen, der die gesamte Gesundheitsversorgung in einer Region zusammen mit anderen Partnern organisiert.   „Wir müssen die Frage der Kooperation der Akteure in den Mittelpunkt rücken“, betonte der Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, Herbert Rebscher. Um eine immer ältere Bevölkerung mit mehr chronischen Verläufen zu versorgen, plädierte er für gestufte, regionale Versorgungskonzepte in den Regionen, die die Versorgungskette sinnvoll abbilden. Monopolartige Anbieterstrukturen im kleinteiligen, regionalen Umfeld müsse man in einer solchen Konstellation akzeptieren. Nicht die Wettbewerbsfrage sei dann relevant, sondern die Versorgungsfrage, so Rebscher.   Vor einer rein ökonomischen Organisation der Krankenhauslandschaft warnte Rudolf Henke, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Er sprach sich gegen Selektivverträge aus, die Konzentrationsprozesse förderten, wie sie schon heute in der Reha zu beobachten seien. Stattdessen plädierte er für eine staatliche Krankenhausplanung, die auch kleine Kliniken in ländlichen Regionen erhalte und somit auch der Präferenz der Bürger folge. Dies provozierte Widerspruch: Der ebenfalls anwesende Münchner Ökonom Günter Neubauer kritisierte die überzogene Erwartungshaltung in Deutschland. Kindern werde beispielsweise jahrelang zugemutet, täglich weite Strecken zur Schule zurückzulegen. Kranken hingegen sollen weitere Wegstrecken, die wesentlich seltener zurückzulegen sind, nicht zugemutet werden. Im Vergleich zu Skandinavien sei Deutschland bezüglich der Erreichbarkeit von Krankenhäusern regelrecht verwöhnt.   „Wie viel beste Qualität können wir in der Fläche ermöglichen?“, fragte Josef Düllings, Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), mit kritischem Blick auf den Koalitionsvertrag, der genau dies postuliere. Sein Resümee: „Das DRG-System ist kein System der staatlichen Daseinsfürsorge. Wenn wir in der Fläche beste Qualität wollen, dann brauchen wir dafür auch die beste Finanzierung.“

 

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