Im f&w-Podcast schildert der Kardiologe Mattias Roser, welche Patienten zukünftig in welchem Setup versorgt werden können und warum ambulante Zentren und Kliniken dafür neue Netzwerkstrukturen brauchen.
Die Ambulantisierung verändert die Kardiologie. Eingriffe, die bislang überwiegend stationär erbracht wurden, können zunehmend ambulant durchgeführt werden. Krankenhäuser bleiben indes aber für komplexe Fälle, Notfälle und die dafür benötigte Infrastruktur verantwortlich.
Mattias Roser kennt beide Versorgungswelten. Vor der Gründung seines Cardiologischen Centrums Nürnberg war der interventionelle Kardiologe unter anderem am Deutschen Herzzentrum Berlin und an der Charité - Universitätsmedizin Berlin tätig. Heute führt sein Zentrum auch komplexere kardiologische Eingriffe überwiegend ambulant durch.
Krankenhäuser brauchen neue Prozesse für die ambulante Versorgung
Roser warnt davor, die Ambulantisierung als Konkurrenzkampf zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Leistungserbringern zu sehen: "Die Ambulantisierung beschreibt letztlich eine Behandlungsform und nicht den Eigentümer der Einrichtung." Auch Krankenhäuser müssten sich an der Ambulantisierung beteiligen, dafür jedoch eigenständige Prozesse und Strukturen entwickeln. Stationäre Abläufe lediglich zu verkürzen, reiche nicht aus. Vorbereitung, Eingriff und Nachbetreuung müssten konsequent auf eine ambulante Versorgung ausgerichtet werden.
Ob eine Behandlung ambulant erfolgen kann, hängt Roser zufolge zudem nicht allein von der Prozedur ab. Lebensalter, Begleiterkrankungen und die Versorgungssituation zu Hause können dafür sprechen, auch einen medizinisch weniger komplexen Eingriff stationär vorzunehmen. Umgekehrt ließen sich bei geeigneten Patientinnen und Patienten auch anspruchsvollere Eingriffe ambulant vornehmen.
Neue Netzwerke zwischen Kliniken und ambulanten Zentren
Für die künftige Versorgung setzt Roser auf verbindliche Netzwerke zwischen ambulanten Zentren und Kliniken. "Die Frage ist ja eigentlich tatsächlich nicht die: Wer genau macht das? Sondern die Frage ist: Wenn man ein Netzwerk hat, wo ist der Patient am besten aufgehoben?" Noch scheitere eine solche Zusammenarbeit häufig an fehlenden Strukturen und einem unzureichenden digitalen Datenaustausch.
Im f&w-Klinikpodcast spricht Roser darüber, welche Patientinnen und Patienten ambulant versorgt werden können, welche Fälle weiterhin ins Krankenhaus gehören und warum Kliniken für die Ambulantisierung neue organisatorische Einheiten benötigen. Zudem erläutert er, wie eine kardiologische Versorgung aussehen könnte, die nicht von Sektorengrenzen, sondern vom geeigneten Behandlungsprozess ausgeht.
AMBULANTISIERUNG AUF DEM DRG | FORUM 2027
Ambulantisierung ist ein Schwerpunkt auf dem DRG|FORUM am 4. und 5. März 2027 in Berlin. Derzeit sind folgende Themen geplant:
Herzmedizin wird ambulant | Neue Patientenpfade, neue Player, neue Strategien
Ambulantes Portfolio | Die neue Medizinstrategie für Krankenhäuser
Hybrid DRG, Kurzzeitfallpauschalen, EBM | Wie finanzieren wir ambulante Medizin?
Gamechanger SÜV? | Was nach dem Krankenhaus kommt
