AOK-Chefin Carola Reimann kritisiert die Forderungen der DKG nach weniger Regulierung scharf. Zudem wies sie auf ein deutliches Finanzplus der Kliniken im kommenden Jahr hin.
Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, hat die zentralen Aussagen des Krankenhausgipfels 2026 der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisch kommentiert. Anlass waren Forderungen der Klinikvertreter nach weniger Regulierung in der Qualitätssicherung sowie die erneute Warnung vor einer angespannten finanziellen Lage der Krankenhäuser.
Reimann begrüßte zwar grundsätzlich, dass die DKG die Qualität der Krankenhausversorgung stärker in den Mittelpunkt rücke. Die Konzentration auf die Ergebnisqualität sei berechtigt, sagte sie. Zugleich warnte die AOK-Chefin davor, die Qualität von Klinikleistungen allein anhand der Behandlungsergebnisse zu bewerten.
Als Beispiel verwies sie auf die WiZen-Studie aus dem Jahr 2022, die für mehrere Krebsarten bessere Überlebenschancen in zertifizierten Krebszentren nachgewiesen habe. Entscheidend für diese Ergebnisse seien jedoch die dort geltenden Struktur- und Prozessvorgaben. Auch Untersuchungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hätten wiederholt gezeigt, dass höhere Fallzahlen und eingespielte Versorgungsketten mit besseren Behandlungsergebnissen verbunden seien.
Reimann: „Kliniken müssen Anforderungen einhalten“
„Man muss auch schon bei den Strukturen und Prozessen ansetzen, um die Ergebnisqualität zu verbessern“, so Reimann. Instrumente wie Mindestmengenregelungen oder die neu eingeführten Leistungsgruppen seien deshalb wichtige Voraussetzungen für eine qualitativ gute Versorgung. Für den Bürokratieabbau zeigte sie sich offen. Gleichzeitig müsse der Gesetzgeber aber sicherstellen, dass Krankenhäuser die Anforderungen an Personal, Erfahrung und Ausstattung tatsächlich einhalten.
Auch die Kritik der Krankenhausvertreter an ihrer wirtschaftlichen Situation wies Reimann zurück. Nach ihren Angaben seien die Krankenhäuser durch Nachbesserungen am GKV-Sparpaket bereits entlastet worden und würden nun durch das GKV-Spargesetz zusätzlich noch 550 Millionen Euro erhalten. Hinzu kämen weitere Erlössteigerungen.
AOK errechnet für Kliniken ein Finanzplus von acht Milliarden Euro
Unter Berücksichtigung aller Faktoren verfüge der Krankenhaussektor im kommenden Jahr über ein Finanzplus von mehr als acht Milliarden Euro gegenüber dem laufenden Jahr, so die AOK-Chefin. Angesichts prognostizierter GKV-Gesamtausgaben von mehr als 120 Milliarden Euro im Jahr 2027 bestehe ausreichend finanzieller Spielraum, um die Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft hin zu mehr Effizienz und Versorgungsqualität zu bewältigen. Reimann sieht daher keinen nachvollziehbaren Grund für die anhaltenden Klagen der Kliniken über ihre wirtschaftliche Lage.
mau
