Neue Studie zu Corona

Bertelsmann kritisiert zu teuren „deutschen Sonderweg“

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Bertelsmann kritisiert zu teuren „deutschen Sonderweg“
© Bild von Silas Camargo Silão auf Pixabay

Die Bertelsmann Stiftung hat die Krankenhauslandschaften verschiedener Länder verglichen. Deutschland kommt erwartungsgemäß schlecht weg. Auch das deutsche Krisenmanagement in der Pandemie bekommt von Bertelsmann schlechte Noten. Autorin ist Mirella Cacace, Professorin für Gesundheitspolitik an der Katholischen Hochschule Freiburg. Mitgewirkt für die Bewertung der deutschen Situation hat unter anderem Dr. Uwe Preusker. Betrachtet haben sie die Länder Deutschland, Dänemark, Schweden, Spanien und Israel. Die 100-seitige Studie bezieht sich auf die Auswertung der ersten Corona-Welle, wurde Ende Februar 2021 veröffentlicht und ist hier abrufbar

Die Autoren betrachten die Gesundheitssysteme vor Ausbruch von Corona und verweisen auf die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Deutschland hatte 2018 mit 8,0 Betten pro 1.000 Einwohner eine der höchsten Kapazitäten in den OECD-Ländern, während Schweden mit insgesamt 2,1 Betten eine der niedrigsten aufweist. Israel und Spanien (je 3,0) und Dänemark (2,4) liegen mit einigem Abstand zu Deutschland dazwischen (OECD). Gleichzeitig ist die Anzahl der belegten Krankenhausbetten in Deutschland vergleichsweise hoch. Bedingt durch die hohe Bettenausstattung und deren Auslastung sei das Verhältnis von Personal zu Krankenhausbetten und auch pro stationärem Fall in Deutschland „besonders ungünstig“. Andererseits habe aber beispielsweise in Schweden die geringe Dichte an Krankenhausbetten vor der Pandemie zu Zugangsproblemen zur stationären Facharztversorgung in abgelegenen Gebieten geführt, so die Autoren. Auch bei der Ausstattung mit Intensivbetten vor der Pandemie ist die Spanne zwischen den untersuchten Ländern weit. Während Deutschland auf hohem Niveau mit 33,9 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner ausgestattet war, stand in Israel mit 10,3 und in Spanien mit 9,7 nur rund ein Drittel der Intensivbetten zur Verfügung. Noch weniger Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern führen die skandinavischen Länder mit 7,8 in Dänemark und 5,2 in Schweden. Daten zum Pflegepersonal in der Intensivbehandlung waren laut den Verfassern in keinem der betrachteten Länder verfügbar.

Schlechtes Zeugnis für die Pandemie-Performance

Während in Deutschland die dezentrale Krankenhausplanung vorherrsche, ist die Landschaft in Dänemark, Schweden und Israel stark zentralisiertet. Diese zentralen Strukturen hätten sich in der Pandemie bewährt, so die Lesart der Studienautoren. Israel ist das Land, das in der Pandemie wohl die stringenteste zentrale Planung entwickelte. Hier verlief der Kommunikationsweg direkt zwischen dem israelischen Gesundheitsministerium und den Krankenhäusern. „Die Zentralisierung der Politik und der Ressourcen durch das israelische Gesundheitsministerium spielt somit eine Schlüsselrolle in der Widerstandsfähigkeit des Systems.“ In Deutschland sei es hingegen nicht zu einem zentralen Plan gekommen. „Im Gegenteil gab es einen ständigen Abstimmungsbedarf zwischen Bund und Ländern“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

Preusker: Freihaltepauschalen waren nicht erforderlich

In einem Artikel für das Bertelsmann-Druckwerk „Spotlight Gesundheit“, der sich auf die Studie bezieht, kritisieren die Autoren Dr. Jan Böcken (Bertelsmann Stiftung) und Uwe Preusker vor allem die Freihaltepauschalen für Kliniken. „Heute wissen wir, dass diese Maßnahme nicht erforderlich war, auch weil über 90 Prozent der Corona- Patienten ambulant versorgt wurden.“ Die Verfasser monieren den viel zu teuren „deutschen Sonderweg“. Die Krise zeige gnadenlos die Schwächen in der Krankenhauslandschaft: „Wenn es eng wurde, lag es zumeist daran, dass gut ausgebildetes Personal auf den Intensivstationen fehlte. Weitere Gründe waren die mangelnde regionale Kooperation zwischen Kliniken und die nach wie vor zu geringe Konzentration und Spezialisierung.“ 

Autor

 Jens Mau

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