Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) hat die Forderung des AOK-Bundesverbands nach einer Absenkung der Vergütung für Hybrid-DRG zurückgewiesen.
Grundlage der Diskussion ist eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die steigende Fallzahlen und Ausgaben bei Hybrid-DRG ausweist.
Nach Auffassung des BDC lässt sich aus den höheren Gesamtausgaben nicht automatisch die Notwendigkeit sinkender Vergütungssätze ableiten. Zunächst müsse geklärt werden, welcher Teil der Entwicklung auf die politisch gewünschte Verlagerung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich zurückzuführen sei, welcher auf Veränderungen des Leistungsspektrums und welcher auf zusätzliche Leistungen, sagte BDC-Vizepräsident Peter Kalbe.
Zweifel an der Aussagekraft der Analyse
Der Verband verweist zudem auf methodische Einschränkungen der WIdO-Untersuchung. So seien vertragsärztliche Ausgaben aus der Zeit vor Einführung der Hybrid-DRG nur eingeschränkt rekonstruierbar. Zudem würden für nicht eindeutig zuordenbare Kosten teilweise Krankenhausdaten als Vergleichsmaßstab herangezogen. Nach Ansicht des BDC bilden diese die Kostenstruktur vertragsärztlicher Leistungserbringer insbesondere bei Implantaten nur begrenzt ab. Dadurch könnten Einsparungen für die Krankenkassen unterschätzt werden.
Den größten Handlungsbedarf sieht der Chirurgenverband bei der Ausgestaltung einzelner Hybrid-DRG. Als Beispiel nennt er die Fußchirurgie, in der Eingriffe mit deutlich unterschiedlicher Komplexität und stark variierenden Sachkosten innerhalb einer Pauschale vergütet würden. Der Verband fordert eine stärkere Differenzierung nach Eingriffsschwere und Ressourcenverbrauch sowie eine realistischere Berücksichtigung der Sachkosten, insbesondere für Implantate.
Der Verband verweist auf die noch ausstehende gesetzlich vorgesehene Evaluation der sektorenübergreifenden Fallpauschalen. Das Institut des Bewertungsausschusses und das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) sollen die Auswirkungen der Hybrid-DRG auf Versorgung, Vergütung und Krankenkassenausgaben untersuchen. Der erste Bericht wird zum Jahresende erwartet.
Zugleich hebt der Verband hervor, dass die AOK-Analyse auch positive Befunde enthalte. Demnach schreite die politisch angestrebte Ambulantisierung voran. Hinweise auf Qualitätsverluste oder vermehrte Krankenhausaufnahmen infolge von Komplikationen gebe es bislang nicht.
fa
