Die Einführung der Hybrid-DRG zur Förderung ambulanter Behandlungen hat zu einem starken Anstieg von Fallzahlen und Ausgaben der Krankenkassen geführt.
Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) verursachte das neue Vergütungssystem 2025 Mehrausgaben von rund 360 Millionen Euro. Für 2026 rechnen die Wissenschaftler mit weiter steigenden Kosten.
Die sektorenunabhängigen Fallpauschalen, die seit 2024 für ausgewählte Leistungen gelten, sollten ursprünglich dazu beitragen, Behandlungen aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich zu verlagern.
Nach Auswertung von Abrechnungsdaten der AOK und Hochrechnung auf die gesamte gesetzliche Krankenversicherung stiegen die Fallzahlen 2025 jedoch um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig legten die inflationsbereinigten Ausgaben um 14 Prozent zu. Das entspricht zusätzlichen Belastungen von etwa 360 Millionen Euro.
Ausweitung vor allem bei Vertragsärzten
Besonders stark fiel der Anstieg im vertragsärztlichen Bereich aus. Dort erhöhte sich die Zahl der Behandlungsfälle für die untersuchten Leistungen innerhalb eines Jahres um 65 Prozent auf rund 363.000 Fälle. In Krankenhäusern lag das Plus dagegen bei sechs Prozent auf etwa 986.000 Fälle. Ursache ist nach Einschätzung des Wido die Vergütungsstruktur der Hybrid-DRG: Die Mischkalkulation aus bislang stationären und ambulanten Honoraren erhöhe die Erlöse pro Fall insbesondere für niedergelassene Ärzte
Wido-Chef warnt vor dem Mengeneffekt
Wido-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen sieht dringenden Handlungsbedarf. Die politisch gewollten Anreize zur Ambulantisierung führten zu starken Mengeneffekten und verschärften die ohnehin angespannte Finanzlage der Krankenkassen. Er fordert eine rasche Anpassung der Preise, damit ambulante Behandlungen tatsächlich kostengünstiger erbracht werden können.
Für das laufende Jahr zeichnet sich keine Entspannung ab. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Fallzahlen erneut um fünf Prozent, die Ausgaben um sieben Prozent. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten die Mehrausgaben bis Jahresende auf rund 640 Millionen Euro anwachsen. Gleichzeitig fanden die Autoren der Analyse kaum Hinweise auf Qualitätsprobleme oder erhöhte Komplikationsraten nach ambulanten Eingriffen.
mau
