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Das richtige Spielsystem finden 

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Das richtige Spielsystem finden 

Inzwischen ist die Aufstellung für die Gesundheitspolitik in der 20. Legislaturperiode bekannt: Das Spielfeld ist Grün (Koalitionsvertrag), das Trikot ist Rot (Gesundheitsministerium) und der Wortführer auf den Rängen kommt aus dem blauen Lager (Gesundheitsausschuss). Die Einschätzung unserer Twitter-Community ist eindeutig: Eine klare Mehrheit rechnet unter diesen Rahmenbedingungen mit einer Defensivschlacht. Auf den ersten Blick sind das keine guten Aussichten für eine mutige und kreative Gesundheitspolitik in den kommenden vier Jahren. Zunächst einmal ist der Koalitionsvertrag eine umfassende und richtige Zusammenstellung der relevanten Baustellen des Gesundheitswesens und den damit verbundenen Handlungsbedarfen.

Naturgemäß lässt ein Koalitionsvertrag viel Spielraum für das tatsächliche Spielsystem. Wer die Veröffentlichungen und Anträge der Grünen-Bundestagsfraktion aus der vergangenen Legislatur kennt, kann sich ganz gut vorstellen, was sich hinter den weitgehend unspezifischen Reformideen des Koalitionsvertrages verbergen könnte. Allerdings müssen Spielsystem und Mitspieler auch zusammenpassen. Immerhin hat der neue Gesundheitsminister den Koalitionsvertrag maßgeblich mitverhandelt. Im Hinblick auf die Reformvorhaben in der Krankenhauslandschaft dürfte er, seinen öffentlichen Auftritten aus der Vergangenheit nach zu urteilen, durchaus ein geeigneter Spieler für die Offensive sein. Dabei wird er auf starke Mitspieler mit echter Torjägermentalität angewiesen sein. Hierbei kommt den Bundesländern eine entscheidende Rolle zu. Gerade hinsichtlich der Krankenhausreformen wird der Bund nur im Zusammenspiel mit den Ländern nachhaltige Erfolge erzielen können. Die erst kurz vor Unterzeichnung aus dem Koalitionsvertrag gestrichenen Bundeszuschüsse für Krankenhausinvestitionen sind ein erster Hinweis auf die Taktik der Koalitionäre. Torprämien sind bei erfolgreichen Stürmern längst ein etabliertes Konzept. Allerdings greifen solche Anreize für eine nachhaltige und tragfähige Versorgungslandschaft zu kurz. Gesundheitsversorgung ist und bleibt ein Teamspiel. Jeder Mitspieler muss seine Aufgabe und Rolle kennen und auch in unvorhergesehenen Situationen verantwortungsvoll ausfüllen. Dies gelingt nur mit einem ausgeprägten und lebendigen Mannschaftsgeist. Leider ist davon in den vergangenen Monaten immer weniger zu spüren gewesen. Sowohl in der Versorgung vor Ort als auch in der Gesundheitspolitik dominierte vielfach hektischer Aktivismus.

Zwischen öffentlicher Unsicherheit und individueller Hilflosigkeit sorgten die analytischen und differenzierten Einschätzungen des Gesundheitsexperten Lauterbach bei vielen Menschen für eine wohltuende Klarheit und Sicherheit. Wenn es gelingt, mit dieser Klarheit in das schwere Spiel der Gesundheitspolitik die notwendige Ruhe und taktische Sicherheit zu bringen, werden wir sicherlich das eine oder andere gut herausgespielte Tor erleben dürfen. Von den Rängen dürfen wir dabei sicherlich nicht allzu viel Unterstützung erwarten. Insofern ist es eher ein Auswärtsspiel. Umso wichtiger ist der Zusammenhalt auf dem Platz. Lassen Sie uns gemeinsam gesund versorgen und vorsorgen, lieber Herr Lauterbach.
 

Autor

Dr. Matthias Bracht

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