Mehr als 1,65 Millionen Menschen wurden 2024 in Deutschland wegen Herzkrankheiten stationär behandelt. Die Zahlen bleiben damit auf hohem Niveau.
Das geht aus dem aktuellen Herzbericht 2026 der Deutschen Herzstiftung und der herzmedizinischen Fachgesellschaften hervor.
Vor allem Herzrhythmusstörungen gewinnen an Bedeutung. Die Zahl der stationären Behandlungen stieg 2024 auf 509.490 Fälle. Davon entfielen rund 360.800 auf Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung.
Die Zahl der Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen stieg 2024 auf 139.941 Eingriffe. Allein bei Vorhofflimmern wurden 88.739 Ablationen durchgeführt. Gegenüber 2019 entspricht das einem Zuwachs von 78 Prozent.
Gleichzeitig sehen die Autoren Defizite in der Nachsorge. Trotz Hunderttausender Behandlungsfälle wurden in der Rehabilitationsstatistik nur 5.889 Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern erfasst.
KHK-Sterblichkeit sinkt
Positiv entwickelte sich die Sterblichkeit bei der koronaren Herzkrankheit. Die Zahl der Todesfälle sank 2024 um 7,1 Prozent auf 113.473. Dennoch verzeichneten die Kliniken insgesamt weiterhin mehr als 1,65 Millionen stationäre Fälle wegen Herzkrankheiten.
Für Krankenhäuser dürfte zudem die zunehmende Ambulantisierung kardiologischer Leistungen relevant werden. Mit den Hybrid-DRG-Regelungen können künftig unter anderem Stentimplantationen, Schrittmachertherapien und Katheterablationen verstärkt ambulant erfolgen.
Nach Einschätzung der Autoren des Herzberichts betrifft das künftig unter anderem Stentimplantationen, Schrittmacher- und ICD-Therapien sowie Katheterablationen bei Vorhofflimmern. Ob die Ambulantisierung den Kliniksektor tatsächlich entlastet, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Die Herzstiftung betont zugleich, dass für viele Eingriffe weiterhin die Infrastruktur von Krankenhäusern und Intensivstationen als Rückfallebene benötigt werde.
Weitere Entwicklungen im Überblick
1. Herzinsuffizienz bleibt eine Schlüsselaufgabe der Krankenhäuser
- 473.623 stationäre Fälle im Jahr 2024
- Herzinsuffizienz ist laut Herzbericht die häufigste Einzeldiagnose stationärer Patienten
- Patienten ab 65 Jahren werden 13-mal häufiger stationär behandelt als 45- bis 65-Jährige
2. Ambulantisierung verändert die Herzmedizin
- Ambulante Koronarangiographien stiegen auf 152.194 Fälle
- Ambulante Koronarinterventionen legten auf 18.849 Eingriffe zu
- Hybrid-DRGs dürften den Trend weiter verstärken
3. Herzinfarktsterblichkeit bleibt regional unterschiedlich
- Die höchsten Sterberaten verzeichnen Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Bremen.
- Die niedrigsten Werte weisen Hamburg und Nordrhein-Westfalen auf.
- Die höchste Herzinfarktsterblichkeit liegt damit mehr als doppelt so hoch wie die niedrigste. Auffällig: Berlin gehört trotz hoher Kardiologendichte und guter Ausstattung zu den Ländern mit den höchsten Sterberaten.
4. TAVI setzt ihren Siegeszug fort
- 26.832 TAVI-Eingriffe wurden 2024 durchgeführt
- Dem stehen 8.596 klassische isolierte Aortenklappenoperationen gegenüber
5. Die klassische Herzchirurgie verliert Volumen
- Isolierte Bypass-Operationen gingen seit 2019 um 15,7 Prozent zurück
- Insgesamt sank die Zahl der Herzoperationen seit 2012 um rund 20 Prozent
6. Kardiologen werden knapp
- Die Zahl der berufstätigen Kardiologen sank zwischen 2019 und 2024 um 13,7 Prozent auf 3.401
- Gleichzeitig steigt die Zahl älterer Herzpatienten weiter an
7. Reha-Kapazitäten geraten unter Druck
- Die Zahl der Reha-Einrichtungen nimmt ab
- Der Bericht verweist auf teils längere Wartezeiten
- Gleichzeitig bleibt der Bedarf aufgrund der demografischen Entwicklung hoch
Podcast-Tipp: Wie viel Ambulantisierung verträgt die Kardiologie?
Die zunehmende Verlagerung kardiologischer Leistungen in den ambulanten Bereich beschäftigt auch die Branche. In der aktuellen f&w-Podcast-Folge beschreibt der Kardiologe Mattias Roser die Folgen von Hybrid-DRGs, ambulanten Herzkatheter-Eingriffen und neuen Versorgungsmodellen für Krankenhäuser.
