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Eine gemeinsame Vision für unsere Mitarbeitenden und Patienten

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Eine gemeinsame Vision für unsere Mitarbeitenden und Patienten

Seit der Bundestagswahl haben inzwischen nahezu alle Interessengruppen ihre Vorschläge für eine Krankenhausreform unterbreitet. Einige Bundesländer gehen bereits mit eigenen Reformansätzen voran. Dabei zeichnen sich zwei große Linien ab: Auf der einen Seite das Konzept der Leistungsgruppen, wie es in NRW umgesetzt wird und insbesondere von den konfessionellen Krankenhausträgern unterstützt wird. Auf der anderen Seite das Konzept der Versorgungsstufen, wie es zwischenzeitlich in den Landeskrankenhausgesetzen von Niedersachsen und Sachsen verankert ist. Dieses Konzept wird mittlerweile nicht nur von den Maximalversorgern und Uniklinika sondern auch von den privaten Klinikträgern befürwortet.

Dabei gibt es zwischen diesen Interessensgruppen im Detail der Ausgestaltung von Versorgungsstufen weiterhin nennenswerte Unterschiede. Im Koalitionsvertrag hat sich die Ampel-Koalition allerdings auf eine Formulierung verständigt, die von einem System aus Leistungsgruppen und Versorgungsstufen spricht. Wie diese beiden grundverschiedenen Konzepte in einem gemeinsamen System zusammengeführt werden sollen, wusste zum Zeitpunkt der Koalitionsverhandlungen wohl auch noch keiner der Verhandlungspartner so richtig. Mittlerweile hat auch die Regierungskommission ihre Arbeit aufgenommen und mit den ersten Ergebnissen haben wir einen Eindruck von der Arbeitsweise der Expertinnen und Experten erhalten. Am Beispiel der Pädiatrie und Geburtshilfe orientieren sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ganz eng am Arbeitsauftrag und am Koalitionsvertrag. Im Ergebnis werden Methoden und Instrumente vorgeschlagen, die wir alle aus den Diskussionen über Garantiebudgets, Leerstandspauschalen und Regionalbudgets kennen. Zu kurz kommt dabei die Frage, wie eine nachhaltige und tragfähige Versorgungslandschaft aussehen kann. Welche Versorgung können wir personell und finanziell realisieren und welche Leistungs- und Qualitätsversprechen können wir auf dieser Grundlage den Patientinnen und Patienten geben - oder eben auch nicht geben?

Der Verweis der Regierungskommission, unter Bezug auf den Koalitionsvertrag, auf zusätzliche finanzielle Mittel für eine auskömmliche Finanzierung in der Pädiatrie und Geburtshilfe ist nachvollziehbar. Gleichzeitig wissen wir alle, dass in den öffentlichen Haushalten kaum finanzieller Spielraum für einen Erhalt der bestehenden Versorgungslandschaft besteht. Viel wichtiger noch ist das Bewusstsein, dass wir uns die personellen Ressourcen für einen Erhalt der bestehenden Versorgungsstrukturen nicht alleine durch mehr Geld erkaufen können. Wir brauchen also gänzlich neue Ideen für unsere zukünftige Versorgung. Für eine bedarfsgerechte Verteilung der begrenzten Ressourcen, für die Art der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen oder Berufsgruppen und auch für die Priorisierung unserer medizinischen Möglichkeiten. Dabei kommen wir mit akademischen und technokratischen Detaillösungen für die Abgrenzung oder Kalkulation von Budgets nicht weiter. Mit jeder neuen Detailregelung verlieren wir auf dem dringend notwendigen Veränderungspfad die Motivation unserer Mitarbeitenden und das Verständnis unserer PatientInnen. Das Unverständnis zwischen den tatsächlichen Versorgungsproblemen und der bürokratischen Komplexität nimmt jeden Tag zu. Wir alle sind dazu aufgerufen, mit unseren Konzepten und Forderungen nicht immer nur auf eine schnelle Lösung unserer eigenen akuten Probleme hinzuwirken, sondern gemeinsam mit einer nachhaltigen und tragfähigen Zukunftsvision die Mitarbeitenden und Patientinnen zu begeistern.

Autor

Dr. Matthias Bracht

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