Gesundheit

Erhebliche Pandemie-Folgen bei Kindern und Jugendlichen

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Erhebliche Pandemie-Folgen bei Kindern und Jugendlichen
© iStock.com/vasiliki

Die Corona-Pandemie hat gravierende Folgen für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Laut dem am Freitag vorgelegten Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit stiegen die Krankenhausbehandlungen von Kindern mit der Diagnose Adipositas 2020 im Jahresvergleich um 60 Prozent an. Während die Zahl junger übergewichtiger Patientinnen und Patienten im Frühjahrs-Lockdown 66 Prozent unter den Wert des Vorjahres sank, stieg sie danach steil an und blieb auf Rekordniveau. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit starkem Untergewicht 2020 um 35 Prozent. Nach einem Rückgang im ersten Lockdown um minus 19 Prozent verdoppelten sich die Fälle danach. Stationär behandelte Essstörungen wie Bulimie und Anorexie nahmen in den Lockdowns deutlich zu – im Jahresvergleich gab es einen Anstieg um zehn Prozent.  

Die Zahl von stationär behandelten Kindern und Jugendlichen mit Diabetes-Typ-1-Diagnose nahm 2020 mit zwei Prozent leicht zu. Allerdings gab es im ersten Lockdown einem starken Rückgang um 28 Prozent. Dagegen lag die Zahl der Behandlungen im zweiten Lockdown 42 Prozent über dem Vorjahr.

Durch die Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen in der Pandemie sank hingegen die Zahl der behandelten Infektionskrankheiten deutlich. Die Krankenhausbehandlungen bei virusbedingten Darminfektionen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent zurück. Bei Mandelentzündungen gab es ein Minus von 46 Prozent. Ferner gab es ein Drittel weniger junge Patientinnen und Patienten mit einer akuten Bronchitis.

„Neben Erkrankungen, die von den infektionsgeschehen weitgehend unberührt geblieben sind, wie zum Beispiel onkologische Erkrankungen oder die Versorgung von Frühgeborenen, sehen wir eine Gruppe von Erkrankungen mit erheblichen Veränderungen durch die Pandemie. So kam es zu einem starken Einbruch der Fallzahlen und einer deutlichen Verschiebung im Krankheitsspektrum von stationär versorgten Kindern und Jugendlichen“, so Professor Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel, Universitätsklinikum OWL der Universität Bielefeld. „Es zeichnet sich ab, dass die schlechtere allgemeine Versorgungslage, wie wir sie zu Zeiten der Pandemie erlebt haben, zu einer Zunahme von schweren Krankheitsverläufen und psychischen Begleiterkrankungen geführt hat. Auch werden wir mit einem ‚Nachholeffekt‘ bei Infektionskrankheiten rechnen müssen, die jetzt durch die Maßnahmen des Infektionsschutzes ausgefallen sind."

Im Corona-Jahr 2020 ging die Zahl der Krankenhausfälle von Kindern und Jugendlichen generell leicht zurück. So verzeichneten deutsche Krankenhäuser 2020 im Vergleich zum Vorjahr rund fünf Prozent weniger junge Patientinnen und Patienten. Am deutlichsten war der Rückgang im ersten Lockdown (minus 41 Prozent), weniger stark im zweiten Lockdown (minus zehn Prozent). Die Anzahl an Operationen blieb im Jahresvergleich fast konstant und stieg leicht um knapp ein Prozent. Auch hier hatten die Lockdowns deutliche Effekte: Wurden im Frühjahrs-Lockdown noch knapp 40 Prozent weniger Operationen durchgeführt, waren es im Herbst- und Winter-Lockdown etwas mehr Eingriffe als im Vorjahr.

DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte einen "Aktionsplan Kindergesundheit" nach der Bundestagswahl. Für die DAK-Sonderanalyse untersuchten die Wissenschaftler die anonymisierten Krankenhausdaten von knapp 800.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Analysiert wurden die Krankenhausaufenthalte 2020 im Vergleich zu 2019 mit einem besonderen Fokus auf die Corona-Lockdowns und ihre Auswirkungen.
 

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