Corona-Tagebuch

Lösung für Pflegebedürftige gesucht

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Lösung für Pflegebedürftige gesucht

Bis zu 500 SBK-versicherte Patientinnen und Patienten kommen pro Monat aus der Klinik und benötigen Unterstützung durch professionelle Pflege. Bereits in den ersten Wochen der Corona-Krise haben wir deshalb unser Team im Entlassmanagement massiv verstärkt und den Kliniken angeboten, sie an der Stelle zu entlasten. Mit dem Fortschreiten der Krise wird das Thema nun zu einer echten Herausforderung, denn Pflegeheime wie zum Beispiel in Bayern haben einen Aufnahmestopp, weil Quarantäne-Maßnahmen oft nicht ausreichend umgesetzt werden können. Pflegekräfte fehlen an allen Ecken und Enden. Wie können wir unsere Versicherten in dieser Situation unterstützen? Mit dieser Frage hat sich unser Entlassmanagement-Team in den letzten Tagen intensiv befasst.

Eine mögliche Lösung: Reha-Kliniken dürfen in der aktuellen Situation Kurzzeitpflege anbieten. Eine Chance, denn mit einem Netzwerk an über 1.000 Reha-Kliniken ist Deutschland hier gut aufgestellt. Wir haben deshalb begonnen, Reha-Einrichtungen zu kontaktieren. Und wir haben mit Recare gesprochen. Seit rund einem Monat arbeiten wir mit dem Berliner Start-up zusammen. Recare ist eine digitale Plattform, die Pflegebedarf und freie Kapazitäten in der Pflege zusammenbringt. Unsere Idee: Wir erweitern den bestehenden Prozess unkompliziert auf Reha-Kliniken. Im Klartext: Reha-Einrichtungen melden ihre freien Kapazitäten für Kurzzeitpflege an Recare. Kliniken melden ihren Pflegebedarf an Recare oder uns als SBK. Gemeinsam finden wir für SBK-Versicherte eine schnelle Lösung, die auch die Akutklinik entlastet.

Direkt nach dem dritten Telefonat haben wir uns auf einen kurzen Vertrag geeinigt und starten diese Woche mit der Umsetzung. Erste Reha-Kliniken haben ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärt – auch wenn die finanziellen und personellen Rahmenbedingungen nicht optimal sind. Unser nächster Schritt wird sein, weitere Reha-Kliniken zu finden, die sich beteiligen möchten. Außerdem möchten wir unsere Vereinbarung mit Recare anderen Krankenkassen zur Verfügung stellen. Vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber ein Baustein, um die Akutversorgung zu entlasten.

Diese Idee ist nur ein Beispiel für Zusammenarbeit, wie sie derzeit im Gesundheitswesen vielerorts aus der Not heraus entsteht – pragmatisch und mit klarem Fokus auf den tatsächlichen Bedarf der Patienten. Das wäre etwas, was ich mir auch für die Zeit nach der Krise wünsche: Dass Leistungserbringer und Kostenträger gemeinsam den Patienten in den Mittelpunkt rücken und sich nicht um die beste Abrechnungsstrategie streiten.

Die Corona-Krise zeigt auch, dass wir einen Perspektivwechsel brauchen. Die zentrale Frage ist doch: Wo gibt es Ressourcen im Gesundheitswesen, die eine Versorgung von Patienten ermöglichen? Das ist deutlich hilfreicher als die bürokratische Frage, wer formal zuständig ist und in welchem Sektor welcher Bedarf gedeckt werden muss. Gerade vielfältige Pflegebedarfe zwischen akuten Krankheitsphasen und Pflege sind hier ein unerschöpfliches Thema, das mit Kreativität und Mut zu neuen Wegen verbessert werden kann und muss. Und genau das entsteht nicht durch zentralstaatliche Planung, sondern durch kreative und dezentrale Akteure, die dürfen (können müssen)!

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