Steigende MD-Prüfquoten treffen auf Fachkräftemangel und wirtschaftliche Herausforderungen. Damit wächst der Handlungsdruck im Medizincontrolling und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird zunehmend von einer Option zur Notwendigkeit. Jared Sebhatu erklärt, wie daraus neue Impulse für die digitale Transformation im Krankenhaus entstehen können.
Veränderungen im Gesundheitswesen sind schwierig. Heterogen gewachsene Strukturen, regulatorische Anforderungen und unflexible Infrastrukturen erschweren es Krankenhäusern, Prozesse grundlegend neu zu gestalten. Digitalisierung wurde deshalb häufig durch politische Initiativen beschleunigt. So hat das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen ausgelöst. Deren Prioritäten wurden jedoch wesentlich durch Fördertatbestände und Fristen statt durch tatsächliche Versorgungsbedarfe bestimmt.
Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist der operative Handlungsdruck für viele Krankenhäuser weiter gestiegen. Besonders deutlich wird dieser im Medizincontrolling. Steigende MD-Prüfquoten erhöhen den personellen Aufwand und treffen gleichzeitig auf Fachkräftemangel und eine äußerst angespannte wirtschaftliche Lage. Die zusätzliche Arbeitslast lässt sich somit kaum durch mehr Personal auffangen.
KI trifft auf einen konkreten Bedarf
KI-gestützte Kodierung zeigt bereits seit einigen Jahren, wie Medizincontroller bei der Analyse von Fällen und der Identifikation abrechnungsrelevanter Informationen digital unterstützt werden können. Mit steigenden Prüfquoten gewinnt diese Unterstützung weiter an Bedeutung. Es geht nicht mehr nur um effizientere Prozesse, sondern zunehmend darum, ein wachsendes Arbeitsvolumen mit begrenzten Ressourcen überhaupt bewältigen zu können. Auch die Industrie reagiert: Aus einzelnen KI-Anwendungen entstehen zunehmend umfassendere Lösungen für die Kodierung und die MD-Prüfprozesse.
Gleichzeitig werden die Grenzen heutiger Krankenhaus-IT erneut sichtbar. Informationen liegen verteilt in unterschiedlichen Systemen, Daten sind häufig nur unzureichend strukturiert verfügbar und Schnittstellen fehlen. Der erfolgreiche Einsatz von KI erfordert deshalb neben leistungsfähigen Anwendungen auch eine bessere Datenverfügbarkeit, mehr Interoperabilität und die Bereitschaft, etablierte Abläufe zu verändern.
Veränderungsdruck als Chance
Genau hier kann Digitalisierung ihren Mehrwert konkret unter Beweis stellen. Der steigende Prüfungsdruck hat unmittelbare wirtschaftliche und strategische Relevanz. Wenn KI nachweislich zu höherer Effizienz und besseren Ergebnissen, etwa einer höheren Nichtbeanstandungsquote, beiträgt, wird der Nutzen unmittelbar messbar.
Erfolgreiche Initiativen können Vertrauen schaffen und zugleich Impulse setzen, Daten besser verfügbar zu machen, Systeme stärker zu vernetzen und Prozesse neu zu gestalten. Damit entstehen bessere Voraussetzungen für weitere digitale Anwendungsfelder. Wenn Digitalisierung in einem so wichtigen Bereich messbare Mehrwerte schafft, kann das Medizincontrolling perspektivisch zum Ausgangspunkt einer stärker bedarfs- und nutzenorientierten digitalen Transformation werden.

