Orientierungswert von Dr. Matthias Bracht, AKG

Mit regionalen Netzwerken sicher in die Zukunft

  • Orientierungswerte
Mit regionalen Netzwerken sicher in die Zukunft

Gesundheitsversorgung ist ein Teamspiel, und Corona ist ein herausfordernder Gegner. Zu Beginn der Pandemie konnte man allen beteiligten Akteuren den Respekt von den absehbaren Herausforderungen deutlich anmerken. In einer solchen Situation ist es gut, wenn man ein funktionierendes Team um sich herum weiß. Es liegt nahe, sich dann auch ganz in den Dienst der Mannschaft zu stellen. So waren die sektor- und institutionsübergreifende Zusammenarbeit und der Zusammenhalt in den vielen lokalen Krisenstäben eine wohltuende Erfahrung.

Nach der überstandenen ersten Welle, vor nunmehr bereits gut einem Jahr, setzte sich ein Gefühl irgendwo zwischen Selbstbewusstsein und Übermut durch. Rückblickend war es phasenweise wohl etwas mehr Übermut als Selbstbewusstsein. Jeder fühlte sich gestärkt und souverän genug, die nächsten Entscheidungen wieder weitgehend unabhängig zu treffen. Fragwürdige Einzelaktionen auf allen Ebenen des Krisenmanagements waren das Ergebnis. Das Anlaufen der Regelversorgung in den Krankenhäusern, die Anreize aus dem Gesundheitsministerium zur Konzentration von Covid-Patienten und die Aufhebung von diversen Einschränkungen des täglichen Lebens durch die Bundesländer passten schnell nicht mehr zusammen. Der Erfolg blieb aus. Schuldzuweisungen und Missgunst prägten den Zustand der Mannschaft.

Ohne gemeinsame Ziele und ein einheitliches Regelwerk ist Teamarbeit schwer. Gleichzeitig besteht ein erfolgreiches Team aus verschiedenen Spezialisten. Die deutsche Krankenhauslandschaft ist darauf bisher nicht durchgehend ausgerichtet. Eindimensionale Anreize durch das Vergütungssystem und fehlende Rollenbilder führen häufig eher zu Grabenkämpfen als zum Teambuilding zwischen den Akteuren der Versorgung vor Ort. Die kommunalen Großkrankenhäuser sind dabei in vielen Regionen eine tragende Säule und nicht nur während der Corona-Pandemie eng mit vielen anderen Akteuren vernetzt. Die Rollenverteilung mag dabei durchaus variieren.

Die anstehende Strukturdebatte ist ein Spagat zwischen Spezialisierung und Größe einerseits und der langfristigen Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung andererseits. Eine qualitätsorientierte Krankenhausstruktur mit aufeinander aufbauenden Versorgungsrollen kann die Antwort zur Sicherung der Versorgung und Qualität bei gleichzeitig begrenzten finanziellen und personellen Mitteln darstellen. Dafür braucht es eine bundesweit einheitliche Definition von Anforderungen an verschiedene Versorgungsstufen. Maximalversorger bündeln dabei rund um die Uhr die fachliche und technische Expertise für alle komplexen Anforderungen der modernen medizinischen Versorgung. Das Leistungsspektrum ergibt sich aus klar definierten Strukturanforderungen an die personelle, technische und fachliche Ausstattung. Diese Ressourcen werden in einem neuen System auf Basis verbindlicher Kooperationen und umfassender digitaler Vernetzung auch allen anderen Akteuren der regionalen Versorgungslandschaft jederzeit zur Verfügung gestellt. Dadurch können auch außerhalb der medizinischen Versorgung wertvolle Ressourcen gebündelt und neue Leistungsbeziehungen geschaffen werden.

Eine gute Versorgung stellt dann nicht mehr nur den Ort der Behandlung in den Vordergrund, sondern den gesamten Prozess der Versorgung über alle beteiligten Akteure hinweg. Die Kooperationsbeziehungen umfassen nicht nur die jeweils vor- bzw. nachgelagerte akutmedizinische Versorgungsstufe, sondern auch Pflege und Rehabilitation. An der Schnittstelle zu den niedergelassenen Ärzten entsteht ein neuer klar definierter Leistungsbereich für ausgewählte Krankheitsbilder, der gleichermaßen für niedergelassene Ärzt:innen und Krankenhäuser zugänglich ist. In diesem Bereich kommt es nicht darauf an, eine bestimmte Ausstattung in eigenem Besitz zu haben, sondern die notwendigen Ressourcen in einem abgestimmten Versorgungsprozess zusammenzuführen. Für eine wohnortnahe und flächendeckende Versorgung wird insbesondere die pflegerische Überwachung auch mit erweiterten Kompetenzen für Pflegeprofis gestärkt.

So stellen wir uns ein leistungsfähiges und anpassungsfähiges Team für eine nachhaltige regionale Gesundheitsversorgung vor. Ein Team aus Spezialisten, mit einem gemeinsamen Spielverständnis und dem Wunsch nach größtmöglichem gemeinsamem Erfolg im Sinne der bestmöglichen Versorgung ihrer Patient:innen. Auch ohne grundlegende gesetzgeberische Eingriffe werden in einer zunehmend spezialisierten und digitalisierten Versorgungslandschaft funktionierende Netzwerke und Partnerschaften immer wichtiger. Es wird also spannend ob die Akteur:innen vor Ort auch langfristig wieder ein gemeinsames Verständnis für die Notwendigkeiten einer kooperativen Gesundheitsversorgung entwickeln.

Autor

Dr. Matthias Bracht

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich