Corona-Tagebuch

Normalversorgung und Katastrophenversorgung

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Normalversorgung und Katastrophenversorgung

Sind unsere Kapazitäten in der Normalversorgung überdimensioniert und in der Katastrophenversorgung unterdimensioniert? Das ist zurzeit eine legitime Frage, die ich zur Diskussion stellen möchte. Wir werden uns spätestens nach der Krise darüber unterhalten.

Ich höre und lese von Facharztpraxen, die nahezu leer sind, weil keine Patienten kommen, und von Krankenhäusern, die nur 20 Prozent Belegung haben. Es gibt Krankenhäuser, die den Mitarbeitern Kurzarbeit anbieten. Ich höre, dass Termine für die Nachsorge bei onkologischen Patienten abgesagt werden und die Angebote zur Zweitmeinung reduziert werden. Notfälle wie Herzinfarkte und Schlaganfälle werden weniger in die Krankenhäuser eingeliefert.

Waren einige dieser zahlreichen Patienten-Arzt-Kontakte, die noch vor vier Wochen die Arztpraxis und das Krankenhaus gefüllt haben, überflüssig? Diese Patienten werden sicherlich nicht alle plötzlich rundum telemedizinisch versorgt. Hat das Auswirkungen und wenn ja, welche?

Oder werden zurzeit, in der die volle Konzentration auf der Beherrschung der Corona-Krise liegt, andere Patientengruppen, zum Beispiel die chronisch Kranken, unterversorgt? Was hat das für Folgen? Was passiert, wenn regelmäßige Wiedervorstellungen zum Beispiel in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis nicht stattfinden, wichtige Nachsorgetermine bei Tumorpatienten ausfallen?

Nun zur Katastrophenversorgung: Hochrisikoorganisationen benötigen eine Reserve, das sieht man in diesen Tagen deutlich. Mitarbeiter der Krankenpflege werden in sehr kurzer Zeit für die Intensivstation fit gemacht, Ärzte aus dem Ruhestand zurückgeholt. Der im Netz kursierende Witz "Bleib zuhause, wenn du nicht von einem Dermatologen oder Gynäkologen intubiert werden willst!“, weist subtil und eine Spur humorvoll darauf hin, dass die medizinische Versorgung auf der Intensivstation und in der Notfallaufnahme dem uns gewohnten Standard aktuell nicht entspricht.

Was genau benötigen wir denn? Benötigen wir zum Beispiel eine definierte Anzahl und einen definierten Qualifikationsmix von Personal in der Krankenversorgung, die in Reservebereitschaft stehen und regelmäßig darauf trainiert werden, im Katastrophenfall einsatzbereit zu sein?

Ich bin schon sehr gespannt auf die Auswertungen der Experten, Epidemiologen und Versorgungsforscher und vieler anderer, die diese Bewegungen nachvollziehen und bewerten werden.

Ich freue mich auf die Diskussionen dazu!

Autor

Dr. Ruth Hecker

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